Kreis Kleve: Gauck diskutiert in Kleve über Europa

Kreis Kleve: Gauck diskutiert in Kleve über Europa

Joachim Gauck besuchte gestern die Stadt Kleve als Teil der deutsch-niederländischen Grenzregion und die Hochschule Rhein-Waal. Er redete mit Ministerinnen, Vertretern der Euregio, Bürgern, Bürgermeistern und Studenten.

Hinter ihm die barocke Minerva als römische Göttin der Künste und Wissenschaften, daneben die Feuersteine des Briten Richard Long und vor ihm die Bilder des Schweizer Malers Franz Gertsch: Bundespräsident Joachim Gauck stand gestern im Museum Kurhaus Kleve inmitten Europas, als er die Bürger zu seinem Besuch in der Kreisstadt und später in der Hochschule Rhein-Waal begrüßte. Eine Umgebung, die wie gemacht für seinen Besuch war: Denn der sollte ein Zeichen für Europa setzen. "Dies ist eine Region, die für ein gelebtes europäisches Miteinander steht". So lobte der Bundespräsident dann in seiner Rede das Klever Land und die Euregio Rhein-Waal.

Gaucks Maschine war pünktlich in Weeze gelandet und der Bundespräsidenten-Tross kam ohne große Verzögerung im Klever Museum an. Mit den Bürgermeistern von Kleve, Theo Brauer, Weeze, Ulrich Francken, Kranenburg, Günter Steins, und dem Euregio-Vorstand mit Vize-Vorsitzendem und Nimwegens Bürgermeister Hubert Bruls sprach er in der gediegenen Museums-Bibliothek über Pendlerzahlen, grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt und grenzüberschreitende Ausbildungsmöglichkeiten. Später traf er auch die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks aus Kleve sowie die NRW-Ministerin für Europa, Angelica Schwall-Düren.

Gauck appellierte, nicht nur wählen zu gehen, sondern zuvor auch noch andere zum Wählen zu animieren. "Wir sind nicht nur Konsumenten, wir sind auch Bürger. Und Bürger gestalten", sagte er. Vor allem, indem sie wählen gehen. Das Argument, dass man nicht wählen könne zwischen den Parteien, ließ er nicht gelten: Die Bürger seien schlau genug, bei Konsumwaren auszusuchen, könnten die richtige Wahl der Schule für ihr Kind treffen und fänden die richtigen Urlaubsziele. Diese Kompetenz dürfe man nicht ausgerechnet bei politischen Wahlen verkümmern lassen, mahnte Gauck. Man solle nicht den Bürger in Urlaub schicken und dem Konsumenten alles überlassen. Ähnlich argumentierte Gauck später in der Hochschule Rhein-Waal: Er werde allen, die nicht zur Wahlurne gehen, im Traum erscheinen, warnte er.

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Der Bundespräsident trug heute eine Deutsche und eine Niederländische Fahne am Revers. #Gauck #kleve pic.twitter.com/fL5HfSVtCX

"Meine Damen und Herren - der Bundespräsident", hatte Karsten Kopetsch von der Hochschulverwaltung wie ein Zeremonienmeister den hohen Gast angekündigt - und prompt zog Stille ein im Audimax. Hier empfingen ihn auf dem Campus Kleve 400 Studenten mit warmen Applaus und Hochschulpräsidentin Prof. Marie-Louise Klotz mit der erst kurzen aber erfolgreichen Geschichte der jungen Hochschule. Über 100 weitere Studenten sahen im Nachbarhörsaal Gauck auf Leinwand. Fast zwei Stunden bevor der Bundespräsident eintraf, standen die Studenten in einer Schlange vor dem Audimax: Jeder musste für den Einlass geprüft und akkreditiert werden. Jeweils 100 aus jeder der vier Fakultäten hatten Plätze im Saal bekommen. Studenten aus dem Standort Kamp-Lintfort wurden mit dem Bus nach Kleve gebracht. Sechs Studenten aus vier verschiedenen Ländern saßen auf dem Podium zu einer Diskussion über Europa mit Gauck und Moderator Dr. Jan Philipp Borgard (s. Seite Politik). "Eine Unterbrechung im Hochschulalltag - es war schon spannend", urteilte im Nachhinein ein Pulk Studenten des Studiengangs "International Relations" unisono. Die sechs auf dem Podium, Lisa Kramer, Daniel How, Anh Vu Nguyen, Saskia Sattler, Felix Sohnrey und Anke Neumeyer, sahen es ähnlich - auch wenn nicht alle zu Wort kamen.

Und dann traf Gauck Minerva wieder, dieses Mal gar als Geschenk eine Skulptur der Göttin, die in Kleve auf dem Atelier des Malerfürsten B.C. Koekkoek steht und auf die Hochschule Rhein-Waal guckt: Präsidentin Marie-Louise Klotz beschrieb sie als moderne Frau, der Kunst ebenso verschrieben wie dem Handwerk, der Wissenschaft ebenso wie den Künsten. "Sie könnte die Symbolfigur für unsere Hochschule sein", sagte Klotz. Gauck nahm die antike Dame gerne in Empfang und flog gen Apeldoorn zum Deutsch-Niederländischen Korps.

(RP)
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