Bedburg-Hau-Huisberden Fürs "Bolzen" die Andacht geschwänzt

Bedburg-Hau-Huisberden · RP-Serie Meine Schulzeit (46): Herbert Janssen wurde im April 1945 in die einklassige Katholische Volksschule in Huisberden eingeschult. Der fußballbegeisterte Schüler ging manchmal lieber auf den Sportplatz statt zur Messe.

 Katholische Volksschule Huisberden 1950: Herbert Janssen erkennt man in der 2. Reihe von unten, er ist der 5. von links. In der Mitte stehen Fräulein Johanna Rosen und ihr Vater, Lehrer Rosen.

Katholische Volksschule Huisberden 1950: Herbert Janssen erkennt man in der 2. Reihe von unten, er ist der 5. von links. In der Mitte stehen Fräulein Johanna Rosen und ihr Vater, Lehrer Rosen.

Foto: Gottfried Evers

Man wird an den Film "Die Feuerzangenbowle" mit Heinz Rühmann erinnert, wenn Herbert Janssen aus Huisberden von den Schülerstreichen aus seiner Schulzeit erzählt. Da wurde mit Papierkügelchen geschossen, und einmal malte Herbert dem Lehrer mit Kreide einen Strich auf den Rücken. Sein Banknachbar machte den Lehrer darauf aufmerksam. Und weil sich der eigentliche Übeltäter nicht meldete, bekam Herberts Klassenkamerad die Ohrfeigen.

 Herbert Janssen mit seinem Entlassungszeugnis und einem Foto der Schule in Huisberden.

Herbert Janssen mit seinem Entlassungszeugnis und einem Foto der Schule in Huisberden.

Foto: Evers, Gottfried (eve)

Der heute 74-Jährige wurde im April 1945 in die einklassige Katholische Volksschule in Huisberden eingeschult. Etwa 45 Schüler, Mädchen und Jungen, waren zusammen in der Klasse eins bis acht. Die große Zahl der Kinder in diesem kleinen Dorf ergab sich durch die evakuierten Kinder, die bei den Bauern in der Ortschaft wohnten. Die Klassenlehrerin war Fräulein Johanna Rosen. Deren Vater, Lehrer Rosen, erteilte einmal wöchentlich Raumlehre. Manchmal kam ein breites Lineal zur Anwendung, wenn einer den Unterricht störte. Jeden Morgen war Schulmesse in der Kirche. Danach mussten sich alle aufstellen, und gemeinsam ging es zur Schule. Bei Pastor Brinkett gab es zweimal wöchentlich Religionsunterricht. Dabei mussten die Kinder Teile der Bibel auswendig lernen. Sonntagnachmittags war Andacht. Mit einigen Klassenkameraden ging dann und wann der fußballbegeisterte Herbert Janssen zu dieser Zeit zum Sportplatz nach Erfgen. Das waren mit dem Fahrrad nur fünf Minuten. Montags gab es dafür Nachsitzen, "und wir mussten hundertmal schreiben, warum wir nicht in der Andacht waren."

In den Ferien ging es mit dem Fahrrad zur Abtei Gerleve, zwischen Coesfeld und Billerbeck in Westfalen gelegen. In einer Jugendherberge wurde übernachtet. Dreimal täglich beteten die Schüler aus Huisberden mit den Benediktinermönchen das Chorgebet.

Das Fach "Sport" bestand aus Fußball auf der Wiese und Völkerball auf dem Schulhof. Daneben waren die jährlichen Bundesjugendspiele. Im Musikunterricht wurde viel gesungen. Außerdem lernte man das Spielen der Blockflöte. Herbert Janssen erinnert sich an ein Krippenspiel in der Gaststätte Driessen-Geelen, bei dem er mitwirkte.

"Wir hatten damals fast jedes Jahr Hochwasser", sagt Janssen, "dann fiel für acht bis zehn Tage der Unterricht aus." Eine schöne Geschichte fällt dem späteren Bäckermeister noch ein: "Ein Bauernjunge aus meiner Klasse stibitzte daheim Eier und brachte sie zum Verkauf in unseren 'Tante-Emma-Laden'. Aus dem Erlös kaufte einer meiner Mitschüler Zigaretten, und wir hatten mit sechs Jungen das Vergnügen, heimlich zu rauchen." Die Entlassungsfahrt im April 1953 war mit den Schülern aus Hasselt und Qualburg zusammen.

(stw)
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