Für Kita-Ausbau in Kleve fehlen Erzieher

Zukunftswerkstatt : Für Kita-Ausbau fehlen Erzieher

Wie kann Kleve in Zukunft ausreichend Kita-Plätze anbieten, die auch bezahlbar sind? Dieser Frage widmeten sich die Teilnehmer der Zukunftswerkstatt von Rheinischer Post und Volksbank Kleverland.

Kleve ist eine prosperierende Stadt. Das bringt jedoch auch Herausforderungen mit sich. Eine davon ist es, ausreichend Kindertagesstätten-Plätze bieten zu können. Georg Hiob, der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, sieht erstmal Anlass zur Freude: „Wir sind eine wachsende Stadt. Familien ziehen gerne hierher. Wir verzeichnen mehr Geburten“, sagt er. Doch mehr Geburten erfordern mehr Kita-Plätze. „Wir suchen derzeit nach neuen Trägern für Einrichtungen“, sagt Hiob. Er würde sich wünschen, dass die Kreisstadt auch Plätze für Eltern aus anderen Städten anbieten könnte, wenn diese hier arbeiten. „Das wäre schön, geht aber leider nicht.“

Auch Kleves Kämmerer Willibrord Haas sieht, dass die Stadt die Herausforderung nicht aus eigener Kraft stemmen kann. „Wir brauchen externe Träger. Das geht nur mit Dritten“, sagt er. Der finanzielle Aufwand für Kindertagesstätten sei in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Für den Bereich Kitas und Tagespflege wurden im Jahr 2009 laut Haas 8,6 Millionen Euro aufgewendet. Der Ertrag lag bei 3,8 Millionen Euro und der Zuschussbedarf betrug 4,8 Millionen Euro. 2018 betrug der Aufwand bereits 16,3 Millionen Euro, der Ertrag 8,9 Millionen Euro und der Zuschussbedarf 7,4 Millionen Euro.

In diesem Jahr werden in Kleve rund 16 Kinder in Kitas und durchschnittlich 300 in der Tagespflege betreut. Mehr als die Hälfte der Kosten für Kita-Plätze trägt der Klever Steuerzahler, 13 Prozent der Kosten entfallen auf die Eltern (in Form von Beiträgen). Mehr als die Hälfte aller Kinder in Kleve sind beitragsfrei. Die Stadt sei gerade in einem Interessensbekundungsverfahren mit Trägern für eine Kita in Materborn. Vier Gruppen mit Option auf eine fünfte sollen dort an den Start gehen. Zu den Sommerferien soll es einen Entwurf dafür geben, sagt Haas.

Peter Schönrock, Einrichtungsleiter beim SOS Kinderdorf Niederrhein, sieht in der Region einen Bedarf für eine Betreuung vor 7 Uhr und nach 17 Uhr. „Im Kreis Kleve gibt es keine einzige Kita, die das anbietet“, sagt Schönrock. Christoph Kepser, Vorsitzender Integratives Montessori Kinderhaus Reichswalde, hat andere Erfahrungen. „Wir haben eine Umfrage gemacht. Von 30 Eltern wollte niemand eine Betreuung vor 7.30 Uhr“, sagt er. Auch Jan Traeder, Leiter des Fachbereichs Jugend und Familie Stadt Kleve, gibt zu bedenken: „Viele 24-Stunden-Kitas haben inzwischen wieder geschlossen, weil der Bedarf nicht so hoch ist.“ Trotzdem wolle die Stadt Kleve so etwas gerne anbieten. „Wir suchen gerade Spendengelder dafür.“ Willibrord Haas kündigte ein Pilotprojekt an, das demnächst dem Jugendhilfeausschuss vorgestellt werden soll.

Gabi Schulte, Einrichtungsleiterin Kita „KiKu’s Wilde 13“, schlägt vor, die Betriebe mit ins Boot zu nehmen. „Vielleicht kann man einzelne Plätze an Firmen vergeben und da Geld locker machen“, sagt sie. Umgesetzt werden soll das Projekt mit dem Neubau der Kita „KiKu´s Wilde 13“ an der Van-den-Bergh-Straße zum 1. August 2020. Für den bedarfsgerechten Ausbau an Kita-Plätzen hat die Stadt Kleve eigentlich den Neubau einer viergruppigen Einrichtung beschlossen. „Immer wieder erreichen uns Anfragen von kleinen und mittleren Unternehmen, die etwas für die Kinderbetreuung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus umliegenden Kommunen machen wollen.“, sagt Jan Traeder.

Viele Unternehmen seien alleine oft aber nicht in der Lage, eine Kinderbetreuung aufzubauen. „Für uns war das Anlass, mit dem Träger Kinderzentren Kunterbunt ins Gespräch zu gehen und eine mögliche fünfte Gruppe für eine betriebliche Kinderbetreuung zu erwägen“, so Traeder weiter. Der Bau der fünften Gruppe soll anders als die übrigen Gruppen jedoch nicht größtenteils mit öffentlichen Mittel finanziert werden, sondern mit einem Jahresbeitrag durch interessierte Unternehmen. Diese sind für den 11. April, 14 Uhr, ins Technologiezentrum Kleve zu einem Infotag eingeladen.

Größte Herausforderung für den Ausbau von Kindertagesplätzen in Kleve ist der Fachkräftemangel, so wurde bei der Zukunftswerkstatt deutlich. Anja Lankers, Leiterin Fachbereich Kindertagesstätten bei der Lebenshilfe gGmbH, plant einen massiven Ausbau von Gruppen und Betreuungszeiten. „Das braucht allerdings mehr Personal. Und das ist in Kleve kaum zu finden“, sagt sie. Bei „KiKu“ erhalten Mitarbeiter sogar eine Prämie, wenn sie neue Mitarbeiter werben.

Die Kita des SOS-Kinderdorf an der Kalkarer Straße wird gerade ausgebaut. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Stichwort „Bezahlbarkeit von Kindertagesplätzen“: Peter Schönrock plädiert dafür, die Einkommensgrenze für die Beitragsfreiheit in Kleve von 20.000 auf 30.000 Euro anzuheben. Anja Lankers pflichtete bei. „Für Geringverdiener sind auch 75 Euro viel Geld. Und die oberste Einkommensstufe von 140.000 Euro sei zu niedrig. „Es gibt viele Reiche in Kleve, die das zahlen könnten.“ Kämmerer Haas wiedersprach: „Es sind in Kleve gerade einmal rund 20 Personen auf der höchsten Stufe.“

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