Für die Senioren gibt es in Geldern individuelle Therapien.

Pflegeserie von Rheinischer Post und St.-Clemens-Hospital : Ein Rundum-Paket für ältere Patienten

In der Geriatrie des St.-Clemens-Hospitals in Geldern bleiben die Patienten länger als auf den meisten anderen Stationen – und brauchen darum eine besondere Behandlung des Pflegepersonals. Für alle Senioren arbeiten sie eine individuelle Therapie aus.

Wenn ein älterer Patient auf die geriatrische Station im St.-Clemens-Hospital kommt, wird für ihn ein „Rund-um-Paket“ geschnürt. Dafür ist Anja Korthauer, pflegerische Leitung der Station, zuständig. Nach einer Krankheit oder einem Sturz bekommen die Senioren dort eine sogenannte Komplextherapie.

Etwa 15 Tage bleiben die älteren Damen und Herren im Krankenhaus zur Behandlung, die Ärzte stellen für jeden Patienten einen Therapieplan auf. Kann der Patient nach Hause, muss er in Reha? Was ist die beste Vorgehensweise bei Morbus Parkinson, nach einem Oberschenkelhalsbruch? Brauchen die Patienten einen Logopäden, eine Ernährungsberatung? Viele ältere Menschen seien unterernährt, sagt Anja Korthauer, müssten Ergänzungsmittel, Vitaminpräparate oder hochkalorische Trinknahrung bekommen. In wöchentlichen Besprechungen entscheiden die Ärzte und das Pflegeteam, wie es mit den Patienten weitergeht.

Seit 2009 arbeitet Anja Korthauer auf der geriatrischen Abteilung. Dort wechselte sie nach ihrer Elternzeit hin. „Ich habe mich ganz offen diesem Fachgebiet hingegeben“, sagt sie. „Ich wusste aber auch, worauf ich mich einlasse. Der Umgang mit älteren Patienten ist mir schon immer leicht gefallen.“

In 60 Betten werden jährlich etwa 1500 Patienten versorgt. Im Alter seien es manchmal schon kleinere Verletzungen, die die Patienten für mehrere Wochen ans Bett fesseln. „Oft ist es ein kleiner Sturz, der die Senioren gesundheitlich zurückwirft und aus dem Leben reißt“, sagt Anja Korthauer. Viel Hilfe, Kraft und Motivation benötigen die Frauen und Männer von den Pflegekräften. „Dementsprechend müssen wir auch viel Kraft für diese Aufgabe mitbringen.“ Oft komme es auch vor, dass die Senioren selbst in der Trauerphase sind, wenn sie beispielsweise ihren Lebenspartner verloren haben. Dann bräuchten sie besonders viel emotionale Unterstützung.

„Für mich gäbe es keinen anderen Job, ich kann mir nichts anderes vorstellen“, sagt die pflegerische Leitung. „Ja, wir haben in Deutschland einen Mangel an Pflegekräften, aber dieser Beruf ist so schön. Insbesondere bei älteren Patienten zu sehen, wie sie wieder fitter werden, ist eine Bereicherung.“

Heute kommen mehr Patienten mit Demenz auf die Station, berichtet Korthauer. Viele seien weit über 90, gar 100 Jahre alt. Das sei früher eher die Ausnahme gewesen. Und die Pflege von Demenzkranken koste viele Nerven. „Es braucht viel Feingefühl, um herauszufinden, was den Patienten hilft.“

Damit nach der Behandlung im Krankenhaus die Rückkehr ins eigene Zuhause klappt, kümmert sich Irmgard Roggenbuck um die Pflegeüberleitung. Das heißt, sie organisiert die Versorgung nach der stationären Pflege. „Wir beraten und unterstützen die Angehörigen und natürlich die Betroffenen“, sagt Roggenbuck, die seit 41 Jahren als Pflegekraft arbeitet. Vor dem Gespräch mit den Angehörigen stehen immer die Wünsche der Patienten im Mittelpunkt. Denn oft gehen die Vorstellungen hier weit auseinander, weiß Roggenbuck. „Der alte Patient meint, er kommt zuhause alleine zurecht, die Angehörigen wünschen sich Hilfe“, beschreibt sie das Dilemma.

In Gesprächen geht Roggenbuck die Möglichkeiten mit Patienten und Angehörigen durch: Pflegeversicherung, Kontaktaufnahme zu Pflegediensten oder Heimen. „Man kann auch mit kleinen Schritten anfangen, zum Beispiel dass der Pflegedienst statt zweimal die Woche täglich kommt“, sagt Irmgard Roggenbuck. „Wichtig ist, dass der Patient seine Selbstbestimmung nicht verliert.“ Dafür sorgen Anja Korthauer und Irmgard Roggenbuck mit ihrem Team auf der Station jeden Tag.

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