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Fünf Tage Kunsthandwerker-Weihnachtsmarkt in Moyland

Weihnachtsmarkt : Moylands kunstvolles Handwerk

Alle guten Aussteller behalten und dennoch ein paar neue Aspekte hinzufügen – das ist die Herausforderung, vor der die Organisatoren des Moyländer Weihnachtsmarktes immer wieder stehen.

„Frituurfett“ benutzt sie, aber ungebrauchtes. Solches, das also schön weiß ist und nicht riecht. Gespickt wird es mit Sonnenblumenkernen, Nüsschen und Samen. Und das Wichtigste: Die zunächst weiche Masse wird in sehr besondere Behältnisse gefüllt, zum Beispiel in geblümte Teetassen, Dessertgläschen oder in Tortenförmchen. Kredenzt wird das Ganze, das sich auf jeder Kaffeetafel wunderhübsch ausnehmen würde, allerdings nicht der lieben Verwandtschaft, sondern den Vögeln im Garten. Denn Silvia Mullink aus dem niederländischen Etten fertigt Vogelfuttertorten, die sie noch bis Sonntag auf dem Moyländer Weihnachtsmarkt präsentiert. Der wurde am Mittwoch eröffnet und will einmal mehr Tausende Freunde des echten Kunsthandwerks anlocken. Denn nach wie vor gilt: In Moyland sind nur Selbermacher am Start, Wiederverkäufer werden nicht akzeptiert. Das macht den Markt so einzigartig, betont Johannes Look von der Stiftung Schloss Moyland.

In manchem Jahr ist die Ausstellungshalle in der Vorburg besonders wichtig, weil es am Niederrhein ja schon mal regnet. In diesem noch jungen Winter sind die Aussichten für die nächsten Tage so gut, dass die meisten Artikel auch draußen keinen Schaden nehmen dürften. Aber Papier und andere zarte Materialien (und ehrlich gesagt auch einige Aussteller) freuen sich an der gut temperierten Umgebung und zeigen ihre Erzeugnisse in den schützenden vier Wänden. Handgeschöpftes Papier, individuelle Geschenkpapier-Bögen und sogar Original-Grafiken von Joseph Beuys sind zu haben. „Das ist genau das, was den Moyländer Markt auszeichnet: „Es gibt Kleinigkeiten für ein paar Euro zu kaufen, aber auch Dinge, deren Preise im vierstelligen Bereich liegen“, erklärt Look.

 „Löffelstil“ nennt sich die Manufaktur von Claudia Szemeitat.
„Löffelstil“ nennt sich die Manufaktur von Claudia Szemeitat. Foto: Markus van Offern (mvo)
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Wer einen Weihnachtsmarkt besucht, möchte aber natürlich warm eingepackt draußen durch die Budengasse bummeln. Das ging am ersten Moyländer Markt-Tag noch recht gut, denn gegen Mittag hielt sich die Anzahl der Reisebusse noch im Rahmen. Aber mit der Dämmerung kamen sie, die Heerscharen, an die Moyland nun schon seit so vielen Jahren gewohnt ist. Und denen man immer nur raten kann, die Pendelbusse zu nutzen. Es sind zwar genügend kostenfreie Parkplätze vorhanden, aber ein paar Meter laufen muss man schon.

Ein Jute-Sack voller Zirbelspäne, Schmuck, Keramik und ganz viel Gefilztes gehören zum Angebotsspektrum. Ein echter Hingucker sind die Besteckteile von Claudia Szemeitat aus Osterode im Harz. „Löffelstil“ nennt sie ihre Manufaktur, in der nicht nur Löffel, sondern ebenso Messer, Gabeln oder Tortenheber zu kleinen Kunstwerken werden. Sie legt zuvor Farbstränge zu tollen Mustern um die Griffe des Bestecks herum, so dass jeder Eislöffel und jedes Obstmesser zu extravagantem Tischschmuck wird. Bloß nicht in die Spülmaschine stecken, sonst hält die Pracht nicht lange.

Angelas Wichtelpuppen sollen Kinderseelen besonders gut tun. Sie haben einfache, zurückgenommene Gesichter, in denen jeder kleine Mensch genau die Empfindung finden kann, die er gerade braucht. Gestopft sind sie mit Naturwolle. Überhaupt sind Naturprodukte und umweltfreundliche Materialien fast überall vertreten. Holz, Metall und handgefärbte Stoffe sprechen die Sinne an und versprechen gute Verträglichkeit. Ob zu Schals oder Einlegesohlen verarbeitet, als Mobile im Raum schwebend oder als Leckerei in der Tüte: Was die Natur produziert und der Mensch „nur“ veredelt hat, kommt in Moyland besonders gut an.

Gelacht werden darf auch schon mal: über „Trullas“, putzige Gartenstecker, freche Figuren oder witzige Sprüche. Auch, wer nicht die ganz große Brieftasche dabei hat, dürfte passende Mitbringsel finden. Oder Freude daran haben, sich gemeinsam mit Bekannten an Glühwein, Grünkohl und Pöfferkes zu laben. Auf der Bühne sorgen an allen Tagen durchgehend Chöre und andere Formationen für adventlich-musikalische Unterhaltung.

Info: Kunsthandwerker-Weihnachtsmarkt, 12.-16. Dezember. Geöffnet Donnerstag, Freitag 13 bis 22 Uhr, Samstag 11 bis 22 Uhr, Sonntag 11 bis 20 Uhr.