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Bedburg-Hau: "Frischlinge" aus China in der LVR-Klinik

Bedburg-Hau : "Frischlinge" aus China in der LVR-Klinik

"Freshmen", Frischlinge, werden im amerikanische Raum Studienanfänger genannt. In der Klinik richten Professoren der Hochschule ein Institut ein, das ausländische Studenten aufs Studium an deutschen Hochschulen vorbereitet.

Jetzt hat Bedburg-Hau auch ein Stück Hochschule bekommen: Im alten Schwesternheim neben dem Theater mini-art werden Studenten aus dem nicht-europäischen Ausland auf ihr Studium an der Hochschule Rhein-Waal vorbereitet. In einer privaten Initiative der HRW-Professoren Dr.-Ing. Thorsten Brandt und Dr.-Ing. Dirk Untiedt entsteht dort als Gesellschaft das Institut "Scientific Freshers", das in einem Vorstudium die Kandidaten aus dem Fernen Osten fit für die Hochschule macht.

Prof. Thorsten Brandt,Lisa Bofenschen,Prof. Dirk Untiedt (v.l.) Foto: Stade, Klaus-Dieter

Dabei kooperieren Untiedt und Brandt mit den "Scientific Freshers" mit der FH Aachen. Denn die Klever "Freshers" orientieren sich vor allem am Modell der Aachener Fachhochschule.

Doch bevor die Studenten als "Freshmen" an den Niederrhein kommen, müssen sie in ihren Heimatländern diverse Prüfungen ablegen. Dazu fahren Prüfgruppen in die entsprechenden Länder, erklärt Untiedt. Bei seinen letzten beiden China-Besuchen war der Klever Professor auch bei diesen Prüfungen dabei. In Gruppen von 20 aber auch von 90 bis 100 Personen wurde geprüft. Vorneweg stand ein einstündiger Mathe-Test, die "Zielsprache" (Englisch und Deutsch) wurde geprüft, und am Ende standen persönliche Gespräche in Vierer-Gruppen.

Von insgesamt 1500 geprüften Bewerbern werden rund 400 nach Deutschland kommen — 320 an das Aachener Freshmeninstitut und 80 zu den "Scientific freshers" an die HRW. Die erfolgreichen Absolventen können, wenn sie die Prüfung bestehen, an den Hochschulen Soest, Uni Duisburg/Essen, FH Aachen, FH Bielefeld und natürlich der HRW in Kleve studieren. Denn diese als Konsortium operierenden Hochschulen haben sich verpflichtet, für Absolventen der "Freshmen"-Gesellschaften oder -Institute ein bestimmtes Kontingent an Studienplätzen freizuhalten und die Studenten aus Fernost aufzunehmen, wenn diese die Prüfung bestanden haben.

"Wir wollen langfristig gut ausgebildete Studenten an unserer Hochschule begrüßen können — auch aus dem Ausland", begründet Untiedt das Prozedere. In Deutschland haben die "Freshmen", die Hochschul-Frischlinge, dann ein Jahr Unterricht, der sie gezielt auf ein Studium in Deutschland vorbereitet. 36 Wochenstunden müssen sie absolvieren, davon 26 Sprachstunden in der Landes- und der Unterrichtssprache (je nach Fachrichtung also Deutsch und Englisch).

Bei künftigen Ingenieurstudenten liegt ein weiterer Schwerpunkt auf Mathe und Physik, bei künftigen Betriebswirten stehen Wirtschaftsmathematik und Wirtschaftswissenschaften auf dem Stundenplan. 16 000 Euro muss der Student für das Jahr bezahlen.

Damit müssen die Prüfgruppen in China ebenso finanziert werden, wie die Unterkunft in Deutschland inklusive Nebenkosten, die Einschreibe- und Semestergebühren (darin das Semesterticket), Versicherung und nicht zuletzt der Unterricht. "Zusätzlich bieten wir unseren Studenten in diesem Vorstudium auch zwei Exkursionen, nach Amsterdam und nach Berlin", sagt Untiedt.

Die 80 Studenten werden in Haus 51 auf dem Gelände der LVR-Klinik wohnen und unterrichtet. Nach dem Hin- und Her um den Investor, der den nördlichen Teil der Klinik übernehmen wollte, wurde das Haus von Scientific-Freshers umgebaut. Der Landschaftsverband hat die Räume auch direkt an die Gesellschaft vermietet.

Zusätzlich gibt es, so Stephan Haupt, für die Kreis Klever FDP in der Landesversammlung, auch eine Option auf weitere Häuser, falls der Platz nicht reicht.

(RP/rl)