Fridays for Future: 150 Klever Schüler schwänzen fürs Klima

Friday for Future in Kleve : Erste Schüler-Klima-Demo in Kleve

150 Jugendliche demonstrierten lautstark bei „Fridays for Future“ in der Klever Innenstadt für mehr Klimaschutz. Ihr Vorbild: Greta Thunberg.

Die Jugend ist unpolitisch? Mitnichten, sagt der Klever Sven Hermens: „Wenn sich so viele junge Menschen zusammentun, um fürs Klima zu demonstrieren, zeigen wir doch, dass wir die Zukunft mitgestalten wollen.“ Mit ihm demonstrierten knapp 150 Kreis Klever beim „Fridays for Future“. Die globale Initiative geht nach dem Vorbild der schwedischen Schülerin Greta Thunberg, die seit August 2018 jeden Freitag die Schule schwänzt, auf die Straße.

Die Demo-Route der Klever Gruppe führte von der Wiese gegenüber des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums durch die Innenstadt bis zum Minoritenparkplatz. Eingerahmt wurde der Zug von zwei Kundgebungen. „Macht denen Angst, denn sonst sterben wir“, rief Hermens seinen Mitstreitern zu. „Seit Beginn der Industrialisierung wurde nur Fortschritt gewollt. Das muss aufhören“, fügte der Azubi an. Die 18 Jahre alte Maja Marbach, die seit Wochen an den Protestmärschen im Land teilnimmt (wir berichteten), zitierte zur ihrer Rede den österreichischen Lyriker Erich Fried. „Wer will, dass die Welt so bleibt, wie sie ist, der will nicht, dass sie bleibt“. Zwar sei sie überwältigt, wie viele junge Menschen den Weg zur Demo gefunden hätten. Mit dem Fingerzeig in Richtung des Stein-Gymnasiums aber sagte sie: „Da drinnen sitzen weiterhin drei Mal so viele. Das zeigt, dass es noch immer nicht alle verstanden haben.“ Schließlich mache die Politik „gar nichts“.

Das nordrhein-westfälische Bildungsministerium hatte wegen der Schülerproteste einen Brief an alle Schulen verschickt, mit der Dienstanweisung, „zwangsweise Zuführung“ und „Ordnungswidrigkeitsverfahren“ einzuleiten, sollten Schüler dauerhaft dem Unterricht fernbleiben. Timo Bleisteiner, Schulleiter des „Stein“-Gymnasiums erklärte bereits in der vergangenen Woche, das Fernbleiben nicht gutzuheißen. Ministerpräsident Armin Laschet sagte, es sei glaubwürdiger, wenn Schüler nach Schulschluss auf die Straße gehen und damit ein Opfer in ihrer Freizeit bringen. Die Jugendlichen aber irritierte das nicht. Schließlich sei das Klima wichtiger als der Schulabschluss. So hielten sie Transparente mit den Slogans „Das Klima ist aussichtsloser als das Mathe-Abi“ oder „Das Klima hat mehr Defizite als mein Zeugnis“ in die Luft.

„Unsere Lehrer reagieren zwiegespalten. Es gibt sogar welche, die uns ausdrücklich zur Demo ermutigen. Wir haben keine Angst vor Konsequenzen, das wäre lachhaft. Uns geht es um die größte Krise der Menschheit“, sagte Daniel Boßmann-van Husen, der eine Fahne mit der Aufschrift „Stoppt Braunkohle“ trug und bereits zwei Mal an Demos beteiligt war: im Hambacher Forst und bei der Anti-Kohle-Demo in Köln. Wie es für die Klever Demo-Bewegung weitergeht, ist unklar. „Wir müssen die weiteren Proteste noch anmelden“, sagt der Kerkener Cedric Finian Röhrich. „Aber der Zulauf ist super. So braucht man nicht mehr weit in die nächste Großstadt fahren, um ein Zeichen zu setzen“, sagt der 16-Jährige. Ob jeden Freitag geschwänzt würde, sei zwar noch unsicher. Allerdings wolle man einen weiteren Protest am 8. März ins Auge fassen.

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