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Kleve-Warbeyen: Freude im Stall - Milchquote abgeschafft

Kleve-Warbeyen : Freude im Stall - Milchquote abgeschafft

Etliche Jahre hatten Landwirte gegen die Milch-Garantiemengen-Verordnung gekämpft. Diese wird am 31. März abgeschafft. Ab dann dürfen die Bauern melken, was ihre Kühe hergeben, ohne dafür Strafe zahlen zu müssen.

Michael Raadts (39) führt den landwirtschaftlichen Betrieb an der Huiskampstraße in Warbeyen in der vierten Generation. Sein Urgroßvater hatte dort 1902 Grund und Boden erworben und den Bauernhof aufgebaut. Heute stehen 200 Kühe in Raadts' neuem Stall, 250 hätten dort Platz. 2003 übernahm der 39-Jährige den Betrieb von seinen Eltern. Für ihn beginnt Ende des Monats eine neue Zeitrechnung. Als die Europäische Union 1984 die Milchquote beschloss, war der Landwirt neun Jahre alt. Er ist mit der Verordnung aus Brüssel groß geworden. 31 Jahre lang durften sein Vater und er nicht die Milch verkaufen, die ihre Kühe hergaben. Ende des Monats gibt es keine Reglementierung mehr.

"Wirtschaftlich ist der Wegfall der Quote für uns von Vorteil", sagt Michael Raadts. Bislang mussten Landwirte Quoten kaufen, um zu viel produzierte Milch verkaufen zu dürfen. So kam es dazu, wenn die Molkerei für einen Liter 30 Cent zahlte, die Hälfte für Strafen abgegeben werden musste.

Raadts will sich trotz der Neuregelung nicht mehr Kühe in den Stall stellen. "Die Rahmenbedingungen sind geblieben. Wir können nicht wild drauflos produzieren. Es dürfen nur zwei Tiere pro Hektar gehalten werden. Auch der Zukauf von Grundfutter ist zu teuer", sagt er. Dennoch ist den Landwirten ein Grund zum Klagen - das bei einigen ebenso zum Geschäftsmodell gehört wie ernten - damit genommen worden.

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Warum die wegfallende Verordnung auch für Landwirte am unteren Niederrhein von großer Bedeutung ist, zeigt der Blick auf die Milchleistung der hiesigen Kühe. Denn der Kreis Kleve liegt in NRW an der Spitze der Milchproduktion. Ein Grund dafür sind die guten Böden. Auch liegen die Mengen, die eine Kuh heute gibt, weit über denen von vor 30 Jahren. Durchschnittlich gibt eine Kuh täglich 30 Liter.

Dass sich Melken wieder mehr lohnt, dafür hat auch Kreislandwirt Josef Peters (64) jahrelang gekämpft. Vergangene Woche war er bei der Europäischen Union in Brüssel, um sich von der zuständigen EU-Kommission bestätigen zu lassen, dass das Aus der Quote endgültig ist. Peters hat selbst die bittere Erfahrung gemacht, was die Einführung der Verordnung bedeutete. Er ist auch Milchbauer. "In den 80er-Jahren gab es eine Überproduktion. Die Kosten für die Vorratslagerung für Butter und Milchpulver, die vom Steuerzahler getragen wurden, stiegen immer weiter", sagt Peters, der auch durch die Mengenregelung ordentlich bluten musste.

Jetzt ist der Butterberg weg. Für Josef Peters gab es keine Verordnung, die ihn mehr Nerven gekostet hat. "Während der 31 Jahre Milchquote wurden 31 höchstrichterliche Entscheidungen beim Europäischen Gerichtshof getroffen", sagt er. Für ihn ist die Abschaffung überfällig. Die Quote mache keinen Sinn mehr, da man sich auf dem Weltmarkt behaupten müsse, so Peters. Chinesen bräuchten mehr Milch, auch die steigenden Bevölkerungszahlen in den Schwellenländern sorgten ebenso für konstant hohe Abnahmemengen, so Peters. "Wie die Situation in der EU ist, spielt keine große Rolle mehr", sagt der Landwirt und nennt ein Beispiel. In Neuseeland, einem der weltweit größten Milchexporteure, wird aufgrund einer Dürre die Milchmenge in diesem Jahr drastisch zurückgehen. "Nachdem die Meldung raus war, hatte dies sofort Auswirkungen auf die Weltmarktpreise, so dass ein großer deutscher Discounter den Preis für ein Päckchen Butter sofort um 14 Cent erhöhte", sagt Peters.

Die Aufhebung der Mengensteuerung bringt den Bauern Geld. Geld, das vorher für Quotenkäufe oder Strafen gezahlt werden musste. "VW kann das Band anhalten und die Jungs ein paar Tage nach Hause schicken, wenn der Absatz schleppen läuft. Die Kuh richtet sich nicht nach einer Quote", sagt Peters. Er kennt Betriebe im Kreis, die im vergangenen Jahr 100 000 Euro Strafe an die EU gezahlt haben.

Der Wegfall der Quote habe keinen Einfluss auf die Verbraucherpreise, so Peters, der erklärt: "Wir haben in Deutschland bereits die niedrigsten Nahrungsmittelpreise." Das zweite Argument ist, dass nicht die Nachfrage vor Ort den Preis regelt. Wie Peters schon ausführte, ist man jetzt am globalen Markt unterwegs. Jetzt heißt das Motto: Milch für die Welt.

(RP)