Niederrhein: Franz-Josef Tenhagen: Ein Millinger im Maracanã

Niederrhein: Franz-Josef Tenhagen: Ein Millinger im Maracanã

Für die Fans des VfL Bochum ist Franz-Josef Tenhagen eine lebende Legende. Der Weltklasse-Libero absolvierte 457 Bundesliga-Spiele – und schlug aus Heimatliebe ein Angebot des FC Bayern aus.

Für die Fans des VfL Bochum ist Franz-Josef Tenhagen eine lebende Legende. Der Weltklasse-Libero absolvierte 457 Bundesliga-Spiele — und schlug aus Heimatliebe ein Angebot des FC Bayern aus.

Franz-Josef Tenhagen ist eine lebende Legende. Zumindest für alle Fans des VfL Bochum. Wenn der einstige Weltklasse-Libero die Zeit findet, ein Spiel "seines" Vereins zu besuchen, muss er die alten Geschichten und Anekdoten erzählen, von denen die leidgeprüften Anhänger des Revier-Clubs nicht genug hören können. Mit glänzenden Augen und offenen Mündern hören sie zu, wenn "Jupp" wie aus der Pistole geschossen das Datum 18\. September 1976 nennt. An jenem denkwürdigen Tag lag der kleine VfL Bochum gegen den großen FC Bayern mit Maier, Müller, Beckenbauer, Hoeneß & Co. mit 4:0 in Führung — um am Ende doch noch mit 5:6 zu verlieren. "Das war die Strafe dafür, dass wir die Bayern damals so richtig nass machen wollten", erinnert sich Jupp Tenhagen, der am 31\. Oktober 1952 im Reeser Ortsteil Millingen zur Welt kam und bei der dortigen Fortuna das Fußballspielen lernte.

Noch beliebter ist seine Erzählung vom 9\. Mai 1981\. Damals war Tenhagen dabei, als der VfL ausgerechnet beim ungeliebten Erzrivalen Schalke 04 mit 6:0 gewann und damit den höchsten Auswärtssieg in der Bochumer Bundesliga-Geschichte landete. Insgesamt kann der mittlerweile 57-Jährige, auf den 1971 zunächst die Talentspäher von Rot-Weiß Oberhausen aufmerksam geworden waren, auf 457 Einsätze im Fußball-Oberhaus verweisen.

Zu der ganz großen, internationalen Karriere sollte es dennoch nicht reichen — dafür war der Schatten des Libero-Kaisers Franz einfach viel zu lang und der Jupp seinerseits viel zu bodenständig. So schlug Tenhagen 1977 ein Angebot des FC Bayern aus. Dieser war zwangsläufig auf der Suche nach einem Thronfolger, nachdem Beckenbauer zu Cosmos New York gewechselt war. Doch Tenhagen blieb mit seiner Familie am geliebten Niederrhein. Noch im gleichen Jahr sollte ihn der damalige Bundestrainer Helmut Schön in die Nationalmannschaft berufen — der gebürtige Millinger avancierte damit zum ersten Nationalspieler, den der VfL Bochum hervorgebracht hat.

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Drei Einsätze in der Nationalelf

Doch es sollte bei drei Einsätzen im Trikot mit dem Bundesadler bleiben. "Unter anderem wurde ich eingewechselt, als wir im Sommer 1977 im Maracanã-Stadion von Rio de Janeiro vor 160 000 Zuschauern gegen Brasilien gespielt haben", erinnert sich Tenhagen an eines der größten Erlebnisse seiner aktiven Laufbahn. Von der Teilnahme an der Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien träumte Tenhagen allerdings vergeblich — Helmut Schön strich ihn seinerzeit nach dem Abschluss-Lehrgang in Malente ebenso wie Manfred Burgsmüller und Rudi Seliger aus dem Kader.

Auch nach dem Ende seiner Laufbahn — 1989 stand er zum letzten Mal für den VfL Bochum auf dem Platz — blieb Jupp Tenhagen dem Niederrhein treu. Kurze Zeit später eröffnete er ein Sportgeschäft in der Emmericher Fußgängerzone. Täglich pilgern die Fußballfreunde und Amateurkicker aus der Region dorthin. Nicht nur, um sich mit Schuhen, Trikots und Trainingsanzügen einzudecken. Sondern auch, um den Chef zu sprechen. Der die große Fußball-Welt überhaupt nicht vermisst. Tenhagen reicht es völlig, den Landesliga-Neuling SV Grieth zu trainieren. Der lag am vergangenen Sonntag gegen den Dorfnachbarn VfR Warbeyen zur Pause mit 4:0 in Führung. So stand's auch am Ende. Tage, wie jener 18\. September 1976, sind schließlich eine einmalige Sache.

(RP)