Museum Kurhaus Kleve Franz Gertsch malte mit Silvia die Mona Lisa von Kleve

Kleve/Burgdorf · Der Schweizer Maler Franz Gertsch ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Der international bekannte Künstler war eng mit dem Museum Kurhaus verbunden, das ihm zur Erinnerung im kommenden Jahr eine Ausstellung widmen will.

Die „Mona Lisa“ von Kleve: Silvia II ist ein drei mal drei Meter großes Gemälde, das Franz Gertsch im Jahr 2000 malte und das zur Sammlung des Museums Kurhaus gehört. Sie ist derzeit in der aktuellen Ausstellung in Burgdorf zu sehen.

Die „Mona Lisa“ von Kleve: Silvia II ist ein drei mal drei Meter großes Gemälde, das Franz Gertsch im Jahr 2000 malte und das zur Sammlung des Museums Kurhaus gehört. Sie ist derzeit in der aktuellen Ausstellung in Burgdorf zu sehen.

Foto: Repro Matthias Grass

Franz Gertsch ist tot. Der Schweizer Maler starb im Alter von 92 Jahren. Unmittelbar nachdem das Klever Museum im Kurhaus angekommen war, hatte ihm der damalige Direktor Guido de Werd 1999 eine große Einzelausstellung mit seinen „Gräser“-Bildern eingerichtet. Es sollte der Beginn einer langen Freundschaft, einer tiefen Zusammenarbeit zwischen dem unvergleichlichen Schweizer Maler und dem Museum Kurhaus Kleve werden. Denn nicht nur de Werd, auch sein Nachfolger Harald Kunde, der Gertsch aus seiner Aachener Zeit schon kannte, hielten enge Kontakte zu Gertsch. Und so wurde die Kunst des Schweizers zu einem fundamentalen Eckpfeiler der Klever Sammlung. Wenn das derzeit ins Museum Burgdorf ausgeliehene Gemälde Silvia II nach Kleve zurückkommt, soll es zur Erinnerung eine kleine Ausstellung mit Gertschs Werken geben, sagt Kunde.

Kurhaus-Direktor Harald Kunde  möchte eine Erinnerungs-Ausstellung an Gertsch einrichten.

Kurhaus-Direktor Harald Kunde  möchte eine Erinnerungs-Ausstellung an Gertsch einrichten.

Foto: Markus van Offern (mvo)

 Dabei fanden die Arbeiten nicht nur als geförderte Ankäufe in die Sammlung, Gertsch wurde immer gerne in Kleve ausgestellt. Wie zuletzt die Jahreszeiten – eine grandiose Ausstellung mit nur vier Bildern. Vier monumentale Blicke in ein Waldstück. Immer die gleiche Szene, immer eine andere Jahreszeit: Frühling, Sommer, Herbst und Winter auf Leinwänden von knapp fünf mal drei Metern. Es sind Bilder von einem Waldstück, darauf ein Weg, der in die Stille des Waldes führt, sich zwischen Blattwerk und Ästen verliert. Lichtpunkte flimmern zwischen den im Sommer sattgrünen Blättern, dick und watteweich liegt der Schnee im Winter auf Boden und Astwerk, warm strahlt ein wunderbarer Herbst, und im Frühjahr sprießen die Sprossen im noch kalten Licht. Ein Jahr brauchte Franz Gertsch für jede Jahreszeit. Von einem winzigen Punkt auf der Mitte der Leinwand ausgehend, breitete er Farbtupfen für Farbtupfen wie eingraviert in die ungrundierte Leinwand ein riesiges Bild aus, das das Stück Natur geradezu fotorealistisch abbildet. Doch je näher man an die Leinwand herangeht, je tiefer man in den Wald möchte, der sich so einladend auftut, desto mehr entfernt er sich, wird immer abstrakter. In der Nähe liegt die Entfernung, das trifft auch auf seine geradezu riesenhaften Porträts zu. Was zunächst fotorealistisch wirkt, wird abstrakt, wird zur reinen Malerei. „Gertsch nannte das konzeptionellen Realismus“, sagt Kunde. Er sei mit seinem Konzept dieser monumentalen, riesenhaften Malerei einer der ganz großen Maler Europas geworden.

Es sind Bilder, die immer noch hochaktuell wirken, wie die frühen Porträts seiner Künstlerfreunde. Der androgyne Luciano, den er beim Schminken malte, der sich nicht auf eine Geschlechterrolle festlegen lassen wollte. Von der Rockmusikerin Patti Smith entstand ebenfalls eine ganze Serie. Später sollten die Gräser folgen und dann schließlich die drei großen Porträts von Silvia.

Silvia ist für Kunde die Mona Lisa des Museums Kurhaus. Sie war für de Werd so wichtig, dass er sie gerne Ausstellungsmacher Jean-Christophe Ammann als ein Beitrag Kleves zur euregionalen Übersichtsausstellung Cross-Art nach Bonn gab. Ein frühes Werk in Kleve zeigt Gertschs Frau Maria mit den Kindern – und dann sind da vor allem die Teils riesigen Holzschnitte, wie das Schwarzwasser, das schwarz auf rotem Grund zu fließen scheint. Man hat sogar den Eindruck, als kringele sich das Wasser dieses Baches auf dem Bild  – Punkt für Punkt von Gertsch in Holz geschnitten. Und erst kürzlich kaufte das Klever Haus weitere Schnitte an, derzeit zu sehen ist  Pestwurz, eine großblättrige Pflanze. Damit gehört Gertsch zu den Künstlern, die einen bedeutenden Werkkomplex in der Sammlung des Museums haben.

In der Schweiz hat man dem Maler in Burgdorf ein eigenes Museum gewidmet, das jetzt 20 Jahre alt wurde und seinem Namensgeber eine reichbestückte Werkschau mit dem Titel „Kaleidoskop“ lieferte. Aus der Rücksicht ist dies wie ein Vermächtnis. Auch die Silvia-Porträts waren dort vereint. Vor der Klever Silvia entstand ein Fotos von Franz Gertsch, gerahmt von Harald Kunde und Guido de Werd. Kunde kommentierte damals: „Nur der gemalte Mensch entzieht sich dem Alter und dem Tod“.