Kalkar: Forum Kalkar löst Kritik und Zustimmung aus

Kalkar: Forum Kalkar löst Kritik und Zustimmung aus

JU-Vorsitzender spricht vom Profilieren der Privatinteressen. Die Vorsitzende der Frauen-Union bemängelt "Stil" des Bürgermeisters und ihrer Parteikollegen im Stadtrat. CDU-Mitglied verlässt die Partei.

Die Initiative von CDU-Mitglied Britta Schulz, für Montag, 3. Februar, ab 19.30 Uhr in die Gaststätte "Marktstübchen" am Kalkarer Markt zur Gründungsversammlung der Wählergemeinschaft "Forum Kalkar" einzuladen, stößt bei der Jungen Union auf Verwunderung.

"Erst nach 15 Jahren Mitgliedschaft eine urplötzliche Erkenntnis, zwei Monate nach ihrer Wahl in den CDU-Vorstand, kurz vor der Kommunalwahl — oder sollten wir eher sagen: Vor 15 Monaten paktierte sie noch mit ihrem quasi-Nachbarn van de Sand, ließ sich dennoch in den CDU-Vorstand wählen, um sich mit einem Paukenschlag für die Kommunalwahl und ihre Privatinteressen profilieren zu können", meint Daniel Derix, Vorsitzender der Jungen Union (JU) in Kalkar.

Wer hinter der Initiative zur Gründung einer neuen Partei steckt, die laut Britta Schulz in erster Linie mehr Bürgernähe in der Lokalpolitik erreichen und die absolute Mehrheit der CDU beenden möchte, macht der JU-Vorsitzende ebenso klar: "Norbert van de Sand ist es jetzt auch gelungen, Britta Schulz vor seinen Karren zu spannen."

Klaus-Dieter Leusch, CDU-Vorsitzender in der Stadt Kalkar und stellvertretender Fraktionschef im Rat, ist ebenso enttäuscht, dass Britta Schulz nach 15 Jahren in der CDU diesen Schritt getan hat — ohne eine Rücksprache mit ihm. Vergeblich versuche er seit Tagen, Britta Schulz für ein Gespräch zu erreichen, sagte Klaus-Dieter Leusch, der seit 1998 der CDU angehört. Für Ende Januar hat der CDU-Stadtvorsitzende eine Vorstandssitzung einberufen, auf der auch über Forum Kalkar geredet werden soll. "Vielleicht kommt es ja da zu einem Gespräch — noch ist Dr. Britta Schulz ja Vorstandsmitglied", meint Klaus-Dieter Leusch ironisch.

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In der Kalkarer CDU gibt es aber auch Stimmen, die Verständnis für die Gründung der Wählergemeinschaft äußern — beispielsweise Kalkars CDU-Urgestein Bernhardine Schneppenhorst. Die 81-Jährige ist seit 35 Jahren Parteimitglied, war zwei Jahrzehnte im Stadtrat, fünf Jahre stellvertretende Bürgermeisterin und gehört heute noch dem Vorstand der Frauen-Union in der Nicolai-Stadt an. "Die CDU in Kalkar ist sich nicht mehr einig", kritisiert sie. Bernhardine Schneppenhorst geht noch weiter, indem sie sagt: "Die regieren nur noch von oben herab. Die Basis wird gar nicht mehr gefragt."

Als Beispiele nennt sie die Theman Monrestraße, NHG/Bahnhofstraße und Marktplatzgestaltung. "Da ist so viel Mist gebaut und nicht auf Bürgerwünsche eingegangen worden", meint Bernhardine Schneppenhorst, die es "schade" findet, dass es zur Gründung von Forum Kalkar kommen musste. Zwar will die 81-Jährige selbst in der CDU bleiben, sie ist sich aber sicher, dass die neue Wählergemeinschaft viele Anhänger gewinnen und die absolute Mehrheit der CDU in Kalkar beenden wird.

Ein CDU-Mitglied, das sich dem Forum Kalkar anschließen will, ist Michael Arntz. Der 47-Jährige war 15 Jahre Parteimitglied und hat nach der Mitgliederversammlung am 8. Januar seinen Austritt erklärt. Bei dem CDU-Treffen sei ihm endgültig klar geworden, dass die Parteiführung die Basis nicht ernst nehme und über deren Äußerungen einfach hinweggehe. So sei die Auswahl der Kandidaten nicht in den Ortsverbänden "vor-beraten", sondern auf der Mitgliederversammlung einfach verkündet worden. Auf seine Frage als aktiver Feuerwehrmann, wann mit einer Entscheidung über die Neuorganisation der Kalkarer Wehr zu rechnen sei, habe es ebenfalls keine klare Antwort gegeben. Für Michael Arntz war der Austritt deshalb konsequent. Ebenso klar ist für ihn, dass er sich im Forum Kalkar engagieren wird. Michael Arntz sagt auch: "Allein in meinem Bekanntenkreis kenne ich einige (Noch)-CDU-Mitglieder, die im Forum Kalkar mitmachen werden."

Der CDU-Stadtvorsitzende Klaus-Dieter Leusch sieht die Geschehnisse um das Forum Kalkar gelassen — trotz des ersten Parteiaustrittes. Zwar kann er sich durchaus vorstellen, dass weitere Mitglieder die CDU verlassen werden und "ihr Glück" woanders suchen. Klaus-Dieter Leusch meint: "Dazu hat ja schließlich jeder das Recht."

(RP)
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