Kleve: Flüchtlingsheim Stadionstraße schließt

Kleve: Flüchtlingsheim Stadionstraße schließt

Die Stadt Kleve hat den Mietvertrag gekündigt. Anfang Dezember lebten dort 45 Menschen. Sie sollen zur alten Post am Bahnhof wechseln. Die ehemalige Schule Keeken wurde zur Unterkunft umgebaut, Flüchtlinge kamen dort aber nie an.

Die Stadt Kleve gibt eine ihrer drei großen Flüchtlingsunterkünfte auf. "Der Mietvertrag zur Stadion-straße 68 wurde gekündigt", bestätigte Stadt-Sprecher Jörg Boltersdorf eine entsprechende Anfrage der RP. Die dort lebenden Menschen sollen jetzt überwiegend in der Gemeinschaftsunterkunft am Bahnhofsplatz 10-14, in der alten Post, untergebracht werden. Am 1. Dezember 2017 waren laut der Stadt Kleve noch 45, ausschließlich alleinstehende, männliche Flüchtlinge in der Stadionstraße gemeldet. Zwischenzeitlich waren es mehr als doppelt so viele. Inzwischen sind die meisten ausgezogen und zur alten Post gewechselt, die übrigen Flüchtlinge werden "kurzfristig" das Haus verlassen, so Boltersdorf.

Das ist der Hintergrund für die Aufgabe der Stadionstraße: Die Zuweisungszahlen waren im Jahr 2017 sehr gering. Gleichzeitig ist die Anzahl an positiven Anerkennungsverfahren sehr hoch, so die Verwaltung. "Die Belegungssituation der Gemeinschaftsunterkünfte macht es notwendig, die vorhandenen Ressourcen optimaler einzusetzen", sagt Boltersdorf. Heißt: Die Gemeinschaftsunterkünfte sind nicht ausgelastet.

In der ehemaligen Hauptschule Materborn in der Braustraße wurde im Mai 2015 durch Umbaumaßnahmen Wohnraum für alleinstehende Frauen, Familien und alleinstehende Männer geschaffen. Dort können bis zu 130 Menschen untergebracht werden. Im Gebäude der alten Post am Bahnhof können bis zu 191 Menschen leben - ebenfalls Familien, alleinstehende Frauen und alleinstehende Männer. Die tatsächliche Auslastung ist jedoch weit geringer. So lebten in der ehemaligen Hauptschule Materborn am 1. Dezember 47 Menschen. In der alten Post am Bahnhof waren es 85.

Die stark gesunkenen Zuweisungszahlen machen sich noch anderweitig bemerkbar. So wird die Gemeinschaftsunterkunft in Keeken derzeit gar nicht genutzt. Es handelt sich dabei um die ehemalige Grundschule, die, so die Stadt, in kürzester Zeit zur Flüchtlingsunterkunft hergerichtet wurde, um den sehr kurzfristigen und hohen Zuweisungszahlen in den Jahren 2015 und 2016 gerecht werden zu können. Das Gebäude befindet sich im Eigentum der Stadt Kleve, die finanziellen Aufwendungen für den Ausbau zur Flüchtlingsunterkunft seien gering gewesen, so Boltersdorf. Flüchtlinge kamen dort jedoch nie an. Die Stadt ist gehalten, diese möglichst dezentral unterzubringen. "Durch das hohe Engagement des Gebäudemanagements der Stadt Kleve und der Angebote von privaten Vermietern, konnte in kürzester Zeit ausreichend anderer Wohnraum angemietet werden, so dass ein tatsächlicher Bezug der Unterkunft in Keeken nicht notwendig gewesen ist", so die Stadt. Rund 280 Menschen sind derzeit nach Angaben der Stadt in entweder vom Gebäudemanagement oder privat angemieteten Wohnungen untergebracht. Die alte Grundschule Keeken soll nun, für den Fall, dass die Zuweisungszahlen wieder steigen, als "Reserve" bestehen bleiben, da sie im Eigentum der Stadt steht und kostenneutral sei.

Die Firma "Perspektive Personal" bietet den Flüchtlingen in allen Unterkünften soziale Betreuung an und stellt zudem einen Hausmeisterdienst. Offenbar ist es, besonders in der alten Post am Bahnhof, gelegentlich zu Zwischenfällen gekommen. Dazu Boltersdorf: "Beim Zusammenleben vieler Personen aus unterschiedlichen Kulturbereichen sind gewisse Reibungspunkte und Problemlagen automatisch vorgegeben. Um diesem Umstand gerecht zu werden, wurden die Anwesenheitszeiten der Hausmeister erhöht." Weitere Probleme "aber nicht in einem erhöhten Maße," so Boltersdorf, seien Alkohol- und Drogen Abhängigkeiten.

(RP)