Niederrhein: Flechten bei Wind und Wetter

Niederrhein: Flechten bei Wind und Wetter

Eine alte Tradition wird wiederbelebt: In Oeffelt fand ein Wettbewerb im "Maasheegenvlechten" statt. 30 Teams flochten Stämme und Äste zu Hecken. Für die zahlreichen Besucher gab es zusätzlich jede Menge Programm.

Mit Schutzbrille, dicken Handschuhen und Mützen stellen sie sich den Baumstämmen und Ästen. Gewinnt die Natur oder der Mensch? Die Teilnehmer des Wettbewerbs versuchen mit aller Kraft das Gehölz in die richtige Bahn zu lenken: Aus ihnen soll eine Hecke entstehen, die sogar Rinder in die Schranken weist. Kein einfaches Handwerk. Beim Wettbewerb "Maasheggenvlechten" in Oeffelt, zwischen den Gemeinden Boxmeer und Cuijk gelegen, traten insgesamt 30 Teams an, um ihre Künste unter Beweis zu stellen.

Lange Tradition

Das Heckenflechten hat eine lange Tradition. Früher nutzten die Bauern in der Region diese geflochtenen Hecken als Zäune, um die Weiden abzugrenzen. Von "de Maasheggen" wird als älteste Landschaft der Niederlande gesprochen, in der seltene Vogel- und Pflanzenarten vorkommen. Die Bauern haben sich das undurchdringliche Dorngestrüpp zu nutzen gemacht, als es noch keinen Stacheldraht gab.

"Wir wollten diese Tradition aufrecht erhalten", sagt Organisator Ruth Bakkenes. In der Region gebe es noch rund 80 Menschen, die das Heckenflechten beherrschen. Der Wettbewerb ums Heckenflechten soll so wenig kommerziell wie möglich sein. Zu kaufen gibt es also wenig, zu sehen umso mehr. Der Naturschutzbund IVN stellt seine Arbeit vor, ein Präparator zeigt seine ausgestopften Tiere. Bei Wind und Wetter schauten sich vor allem die kleinen Besucher ein mittelalterliches Schauspiel an, wagten den Ritt auf riesigen Kaltblütern oder setzten sich zu jungen Kälbern in den Stall. Wer vorausschauend mit Gummistiefeln gekommen war, hatte eindeutig die besseren Karten.

Währenddessen hackten, sägten und bogen die Teilnehmer weiter am Flechtmaterial. "Man darf die Stämme nicht ganz abschneiden, etwa ein Drittel muss bleiben. Dann kann man das Holz verbiegen und es reicht aus, damit das Holz weiter leben kann", erklärt Andries Arts aus dem Team der Gemeinde Bergen. Etwa vier Stunden haben sie für ihr mehrere Meter langes Werk gebraucht, inklusive Mittagspause.

Um Schnelligkeit geht es bei diesem Wettbewerb nicht, vielmehr darum, wer die schönste Hecke geflochten hat. Als Werkzeuge sind nur Gartenschere und Handsäge erlaubt, Motorwerkzeuge sind verboten, diese nutzen die englischen Teams gerne, mussten in Oeffelt aber darauf verzichten. Die Trophäe, die "Goldene Hippe", ein goldenes Hackebeil, holten drei Brüder aus Boxmeer: Marius, Toon und Paul Grutters.

(RP)