Finanzierung unklar Wie geht es mit der Sozialberatung im Kreis Kleve weiter?

Kreis Kleve · Die Allgemeine Sozialberatung hilft Menschen im Kreis Kleve dabei, ihre meist komplexen Probleme anzugehen. Der Bedarf ist eindeutig da – sie ist noch bis Ende 2024 finanziell gesichert. Doch was geschieht danach?

Team der Diakonie-Sozialberatung (von links) Jutta Seven, Stefanie Krettek und Sigrid Messerschmidt-Sprenger.   Foto: Diakonie

Team der Diakonie-Sozialberatung (von links) Jutta Seven, Stefanie Krettek und Sigrid Messerschmidt-Sprenger. Foto: Diakonie

Foto: Diakonie

Die Diakonie im Kirchenkreis Kleve hat ihr Sozialberatungsangebot ausgeweitet und ist seit Anfang des Jahres in Goch, Kalkar, Kerken, Kevelaer, Kleve, Weeze und Xanten vertreten. Die Finanzierung ist dank des Stärkungspaktes NRW und zusätzlichen zweckgebundenen Kirchensteuermitteln bis Ende 2024 gesichert. Doch was geschieht danach?

Dass der Beratungsbedarf hoch ist, hat die Diakonie in einem aktuellen Bericht mit Zahlen belegt. Die Inflation ist gerade für Menschen mit geringem Einkommen oder kleiner Rente existenzgefährdend. Laut Verbraucherzentrale sind allein die Preise für Nahrungsmittel zwischen März 2022 und März 2023 um 22,3 Prozent gestiegen. Immer öfter müssen von dem knapp bemessenen Leistungssatz oder niedrigem Einkommen Zuzahlungen zur Miete und den Wohnnebenkosten finanziert werden. Menschen, die dies alles finanziell und seelisch überfordert, gehen zur Allgemeinen Sozialberatung. „Der neue Bedarf ist der Steigerung der Lebenshaltungskosten und der verschärften Lage auf dem Wohnungsmarkt geschuldet“, sagt Petra van Bergen, Fachbereichsleiterin der Sozialen Dienste bei der Diakonie. „Die dezentrale Lage der Beratungsstellen und deren gute Erreichbarkeit hat sich bewährt“, sagt sie.

Die Initiative der Diakonie wurde von Seiten der Kommunen positiv aufgenommen. Teilweise gab es konkrete Wünsche zu Beratungsorten oder zum Beratungsumfang. Die Beratung in Kerken, Kleve und Kalkar findet in den Gemeindehäusern der ev. Kirchengemeinden statt, in Weeze im Wellenbrecher, in Kevelaer im Info- und Beratungsladen Neuland, in Xanten im Diakonie-Büro an der Poststraße, in Goch im Haus der Diakonie an der Brückenstraße.

In den kommenden Monaten wird es darum gehen, wie die Beratungsangebote ab 2025 gesichert werden können, denn der Bedarf an Sozialberatung wird in den kommenden Jahren nicht weniger werden. „Die Diakonie hat zwar von zusätzlichen Kirchensteuereinnahmen aus der Energiepreispauschale profitieren können. Aber das war ein einmaliger Effekt“, sagt Joachim Wolff, Geschäftsführer der Diakonie im Kirchenkreis Kleve. Er möchte gerne verhindern, dass die zusätzlichen Angebote Ende 2024 auslaufen.

Darum stellt der Bericht die Wirkungszusammenhänge von Sozialberatung für die kommunalen Behörden dar. „Allgemeine Sozialberatung hilft nicht nur den Ratsuchenden, sondern auch den kommunalen Behörden“, so Wolff. So würden mithilfe der Sozialberaterinnen für die Ratsuchenden Anträge zielgerichtet und mit vollständigen Unterlagen gestellt werden, was für eine Behörde entlastend ist. Auch unrealistische Ansprüche von Ratsuchenden könnten bereits im Vorfeld vermieden werden, was deeskalierend wirke.

Die Sozialberaterinnen helfen dabei, Anträge online zu stellen und können als fachkundige Ansprechpersonen für die Behörden zur Beschleunigung von Verfahren beitragen. „Durch diese Arbeitsentlastung bzw. -erleichterung der Behörden können diese mittelfristig Verwaltungskosten reduzieren“, ist Petra van Bergen überzeugt. Darum fordere die Diakonie eine dauerhafte Co-Finanzierung der Allgemeinen Sozialberatung aus öffentlichen Mitteln, um dieses wichtige präventive Beratungsangebot langfristig mindestens im bisherigen Umfang aufrechterhalten zu können.

Die „Diakonie im Kirchenkreis Kleve e.V.“ ist Teil der evangelischen Kirche und seit 1991 ein gemeinnütziger Verein. Sie wird getragen von ihren Mitgliedern, den 20 ev. Kirchengemeinden im Kirchenkreis, dem Ev. Kirchenkreis Kleve und beratenden Gastmitgliedern.

(RP)