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Kleve: Figuren gestohlen - Kirche ohne Jesus

Kleve : Figuren gestohlen - Kirche ohne Jesus

In der Klever Stiftskirche sind 18 Krippenfiguren gestohlen worden. Vor der 19- Uhr-Messe am Dienstag fiel dem Küster auf, dass die Darstellung der Geburt Christi auf einen Engel, den Ochsen und ein paar Schafe geschrumpft war.

Schöne Bescherung - fassungslos schaute Richard Maaßen gestern auf die Krippe in der Stiftskirche. Der Küster des Gotteshauses stand vor einer nahezu leeren Szenerie. Von der Heiligen Familie, den Hirten, Königen und etlichen Tiere war nichts mehr zu sehen. Die Darstellung bestand lediglich aus einer Handvoll Schafe, einem Engel und dem Ochsen im Stall. 18 Krippenfiguren fehlen, sie wurden am Dienstag in der Zeit zwischen 14 Uhr und 17.45 Uhr gestohlen.

 Pastor Albert Lütkebohmert mit den noch verbliebenen Figuren der Stiftskirchen-Krippe. Die sind mittlerweile vom Küster weggeräumt worden.
Pastor Albert Lütkebohmert mit den noch verbliebenen Figuren der Stiftskirchen-Krippe. Die sind mittlerweile vom Küster weggeräumt worden. Foto: Peter Janssen

Figuren, die weit über 100 Jahre alt sind und nach Angaben der Pfarrgemeinde einen geschätzten Wert von 10.000 Euro haben. Pastor Albert Lütkebohmert sagte: "Die Betroffenheit ist groß. Die religiösen Gefühle der Gläubigen sind verletzt worden. Es ist ein großer ideeller Schaden entstanden."

Die Diebe schafften es, die teilweise mehr als 40 Zentimeter großen Figuren aus dem Gotteshaus zu stehlen. Es gilt als sicher, dass es sich um Fachleute handelt. So suchten sie sich gezielt die wertvolleren Figuren aus. "Die Krippe ist eine der ersten am Niederrhein, bei denen die Figuren durch Drahtgelenke beweglich sind", betont Lütkebohmert. Geschaffen wurde die Darstellung von der Menschwerdung Gottes von der bedeutenden Krippenkünstlerin Johanna Lamers-Vordermayer. Es handele sich nicht um Massenware, die künstlerische Qualität sei enorm, betont Lütkebohmert. Der zurückgelassene Engel gehört auch zu den wertvolleren Figuren, doch befand sich der an einer höheren Stelle im Tannenbaum und war somit für die Diebe schlecht zu erreichen. Die Krippe wird bewusst tief aufgebaut, damit sie für Kinder gut zu sehen ist. Bis Mariä Lichtmess am 2. Februar, dem Tag des letzten Fests in der Weihnachtszeit, sollte die Darstellung traditionell noch stehen. Aufgrund des Diebstahls räumte Küster Maaßen die übriggebliebenen Figuren bereits gestern weg.

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Der Geistliche ist davon überzeugt, dass es für so eine Krippendarstellung keinen Markt gibt. Die könne man nicht öffentlich ausstellen, so Lütkebohmert. Er ist davon überzeugt, dass es Kunstsammler gibt, die sich allein daran erfreuen, wenn sie die Wertgegenstände irgendwo in einem Keller betrachten können.

Die Hoffnung, dass die Darstellung von Christi Geburt wieder auftaucht, ist nicht gleich Null. In der Stiftskirche ist bereits eine andere Figur gestohlen worden, die nachher wieder auftauchte. So wurde eine Schnitzfigur, die einen Propheten zeigte, 1971 in der Stiftskirche gestohlen. Im vergangenen Jahr tauchte diese wieder auf. Nachdem ein privater Kunstsammler gestorben war, fand man die Darstellung in seinem Keller wieder.

Pfarrer Albert Lütkebohmert vertritt derzeit Propst Johannes Mecking, der im Urlaub ist. Er hofft darauf, dass die dreisten Diebe eine durch und durch christliche Tugend zeigen, nämlich die der Reue - und die Figuren wieder in die Kirche zurückbringen. Dann könnte Küster Richard Maaßen im Dezember zum 18. Mal die Krippe in der Stiftskirche aufbauen. Es wäre für ihn dann ein besonders fröhliches Weihnachtsfest.

Die Polizei bittet darum, sachdienliche Hinweise zu verdächtigen Personen an die Kriminalpolizei Kleve unter der Telefonnummer 02821 5040 zu melden.

(jan)