Kleve: Feuerwehr mit Personalmangel

Kleve : Feuerwehr mit Personalmangel

Bevor der Rat der Stadt Kleve am Mittwoch über den Antrag der SPD-Fraktion, die Zusatz-Rentenversicherung für Feuerwehrleute, beschließt, weist Josef Gietemann auf das eigentliche Problem hin: das Personalproblem.

Es ist und bleibt sein Steckenpferd: Josef Gietemann, Pressesprecher der SPD Kleve, Ratsmitglied und selbst leidenschaftlicher Feuerwehrmann, probiert es noch einmal. Bevor der Rat der Stadt Kleve in der heutigen Sitzung über den Antrag der SPD-Fraktion zur Zusatz-Rentenversicherung für Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr — kurz: Feuerwehr-Rente — abstimmt, stellt er sein selbst ernanntes Wahlkampfthema noch einmal auf die Agenda.

Und nicht nur das: Gietemann weist damit auf das eigentliche Problem hin: das Personalproblem bei der Feuerwehr in Kleve.

275 statt 460 Feuerwehrleute

"Der Brandschutzbedarfsplan von 2002 sieht ein Soll von 460 Feuerwehrleuten vor, gegenwärtig sind allerdings nur 275 Männer und Frauen in und um Kleve aktiv. Und bei diesem Soll handelt es sich um ein Minimum, nicht um ein Maximum", sagt Gietemann in einem Pressegespräch. Um diesen Mangel aufzufangen, schlägt er die Feuerwehr-Rente vor.

"Das ist kein ,Alleinseligmachinstrument', aber sicherlich der erste Schritt in die richtige Richtung. Die Stadt muss sich aktiv um neue Feuerwehrleute kümmern, die Werbetrommel rühren, so steht es auch im Bedarfsplan", so Gietemann. Vor allem sei die Feuerwehr-Rente aber, so der SPD-Ratsmann, günstiger als die Berufsfeuerwehr.

Tatsächlich steht in dem über 140 Seiten Skript der Firma Safe-Tec aus dem Jahr 2002 (der Brandschutzbedarfsplan liegt der Redaktion vor), dass an allen Standorten Maßnahmen zur Personalgewinnung einzuleiten sind.

"Möglichkeiten hierzu sind zum Beispiel Mitgliederwerbung/PR-Maßnahmen oder Gespräche mit Arbeitgebern über die Freistellung von FF-Mitgliedern. ... Dabei sollte auf keinen Fall der im Brandschutzbedarfsplan vorgebene Soll-Personalstand als der maximale, sondern als der minimale Bedarf angesehen werden."

Dass die Feuerwehr in Kleve noch mehr Leute gebrauchen könnte, das weiß auch Jürgen Pauly, Kleves Wehrführer. "Nach dem Bedarfsplan haben wir sicherlich zu wenig Leute", so Pauly. Ob aber eine so genannte Feuerwehr-Rente dagegen wirken könnte, bezweifelt er.

"In Absprache mit den Führungskräften habe ich mich dagegen ausgesprochen. Ich halte nichts von Feuerwehrmännern und -frauen erster, zweiter und dritter Klasse. Alle müssen gleich behandelt werden — egal ob sie drei oder 30 Einsätze gefahren haben."

Und auch Pauly versucht das Problem "Personalmangel" zu bekämpfen — mit Brandschutzerziehung in Schulen, mit Ausstellungen und Tagen der offenen Tür. "Erst jüngst habe ich Gespräche mit der Hochschule Rhein-Waal aufgenommen", so Pauly. Mit Erfolg. Der erste Student ist bereits in der Feuerwehr.

(RP)
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