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Feuerwehr erfährt Unterstützung durch PSU-Assistenten

Psychologische Unterstützung : Helfer helfen Helfern

Was Feuerwehrleute erleben, ist oft schwer zu ertragen. Viele Einsatzkräfte nehmen die schlimmen Bilder mit nach Hause. Psychosoziale Unterstützung soll ihnen helfen.

(RP) Alarm für die Feuerwehr. Die Feuerwehrleute leisten schwere und oft auch gefährliche Arbeit. Ob Brandeinsätze oder schwere Verkehrsunfälle – trotz aller Anstrengungen können sie nicht immer Leben retten. Rettungskräfte werden immer wieder mit schrecklichen Bildern, Verletzten und auch Toten konfrontiert.

Das kann, trotz einer gewissen Routine, insbesondere auf Dauer sehr belasten. Wie verarbeiten die oft freiwilligen Helfer solche Ereignisse? Ihnen können sogenannte PSU-Assistenten wertvolle Hilfe leisten. Die Abkürzung PSU steht für die psychosoziale Unterstützung der Einsatzkräfte und soll ihnen dabei helfen, ihre Einsatz-Erlebnisse zu verarbeiten.

In der Vergangenheit wurde diese Aufgabe teilweise von Notfallseelsorgern, die sich vorrangig um betroffene Bürger kümmern, mit übernommen. Im Unterschied zu den Notfallseelsorgern sind PSU-Assistenten aber Einsatz-erfahrene Helfer aus dem aktiven Feuerwehrdienst und können kameradschaftlich, also auf Augenhöhe, nachvollziehen, was in dem betroffenen Helfer vorgeht. Vielen fällt es leichter, mit jemandem zu reden, der selbst Feuerwehrmann- oder Frau ist.

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Da in der Vergangenheit bereits mehrfach ein PSU-Team aus dem Kreis Wesel zur Unterstützung alarmiert werden musste, hat Jürgen Buil, der seit 35 Jahren Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Kleve ist, nach seiner Ausbildung zum PSU-Assistenten die Initiative ergriffen und das „PSU-Team Unterer Niederrhein“ ins Leben gerufen. Er wird unterstützt von den PSU-Assistenten Yvonne Pohle, Feuerwehrfrau der Freiwilligen Feuerwehr Emmerich, Michael Claaßen, Feuerwehrmann in Kleve, und Nadine Kapell, Rettungsassistentin beim Kreis Kleve. Das Team ist interkommunal und interdisziplinär aufgebaut.

Martin Bettray, Leiter der Feuerwehr Emmerich, betont: „Es ist wichtig, dass die Mitglieder eines solchen Teams aus verschiedenen Feuerwehren kommen. In der Regel sind alle im aktiven Feuerwehrdienst. Wenn dann die eigene Einheit von einem extremen Ereignis betroffen ist, dann ist es schwierig, wenn derjenige, der eigentlich helfen soll, vielleicht selbst betroffen ist.“

Ralf Benkel, Leiter der Feuerwehr Kleve, erklärt: „Das PSU-Team Unterer Niederrhein ist eine Einheit der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Kleve, aber steht im Rahmen der überörtlichen Hilfe allen Feuerwehren und Hilfsorganisationen im Kreis Kleve im Einsatzfall zur Verfügung.“ Das Team sei mit zweckmäßiger Schutzkleidung ausgestattet und werde im Rahmen der Alarmierung zur Unterstützung gerufen. Es stünden auch Fahrzeuge für solche Anlässe bereit. „Im Einsatz funktioniert man einfach und arbeitet das Ereignis ab“, weiß Jürgen Buil aus Erfahrung, „Doch hinterher müssen die Kameraden das Erlebte verarbeiten.“ Werden solche Belastungen nicht verarbeitet, kann sich eine Posttraumatische Belastungsstörung mit schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen für den Betroffenen entwickeln, wissen Fachleute.

Eine fachliche Aufarbeitung des Geschehens, eine zeitnahe Nachbesprechung in der Gruppe oder ein persönliches Gespräch können oft helfen. Wenn die kameradschaftliche Unterstützung nicht ausreicht, wird professionelle Hilfe vermittelt.

„Vorbeugen ist besser als heilen“, sagt Yvonne Pohle, von Beruf Krankenschwester. „Deshalb haben wir einen Flyer entworfen, der die Kameraden im Vorfeld über Belastungsstörungen aufklärt und Hinweise gibt, wie man damit umgehen kann.“ Vorbeugen fängt schon in der Grundausbildung an. „Belastende Einsätze“ sind ein fester Unterrichtsgegenstand. Das neu gegründete PSU-Team Unterer Niederrhein steht bereit, den Helfern im Ernstfall zur Seite zu stehen.