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Wie man Kinder in der Corona-Krise stärken kann

Die Kinderarzt-Kolumne : Haben Sie heute schon gelobt?

Die Belastungen in der Corona-Zeit sind nicht nur für die Erwachsenen eine Herausforderung. Wie man Kinder mit Lob, Aufmerksamkeit und Wertschätzung unterstützen kann.

Die Maus ist 50 Jahre alt geworden – anlässlich dieses wirklich wunderbaren Jubiläums wurde das TV-Team vom Bundespräsidenten eingeladen. Obwohl unsere Tochter die Fernsehgewohnheiten unserer Enkel sehr streng im Auge hat, durften sie diese Sendung sehen. Und der Bundespräsident hat die Kinder dafür gelobt, wie sie die Einschränkungen und Verbote durch die Corona-Krise bislang gemeistert haben.

Offenbar hat Herr Steinmeier dabei die richtigen Worte gefunden, denn unser neunjähriger Enkel war sehr bewegt davon. Tatsächlich stehen in der öffentlichen Wahrnehmung ja oft die hohen Belastungen der Erwachsenen im Vordergrund. Aber für die Kinder ist die Zeitachse eben doch noch sehr viel kritischer. Ein heute vierjähriges Kind hat bereits 25 Prozent seines bisherigen Lebens unter Corona-Einschränkungen gelebt, und auch für den Neunjährigen sind es schon über zehn Prozent seiner Zeit ohne Sportverein und Toben mit Freunden.

Wir werden in der Zeit „nach Corona“ sicher viel Aufmerksamkeit auf die zwangsläufig zu erwartenden Probleme der Kinder richten müssen – besonders in den Familien, die schon unter regulären Bedingungen ihren Kindern wenig Unterstützung anbieten können. Aber vielleicht ist es auch eine gute Nachricht, wie letztlich einfach und sicher nicht unwirksam Kinder mit positiver Verstärkung, Lob, Aufmerksamkeit und Wertschätzung zu unterstützen sind. „Prima, wie selbständig du heute deine Hausaufgaben gemacht hast!“ – besser können Sie den nächsten Tag im Homeschooling kaum vorbereiten.

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„Mama, heute hatte meine Kindergärtnerin sogar ein Kleid an!“ – unsere vierjährige Enkelin hat das an ihrem ersten Kindergartentag nach dem Lockdown genau so wahrgenommen, wie es gemeint war: als Signal der Wertschätzung, der Freude auf das Miteinander. Und natürlich wurde sie von dieser offensichtlichen Freude sofort angesteckt. Auch wir Erwachsenen erleben Aufmerksamkeit und Lob ja durchaus als leichten Rückenwind, aber die konkreten Alltagsprobleme tauchen dann doch schnell wieder auf. Kinder lassen sich von emotionaler Unterstützung aber viel stärker mitreißen und nachhaltiger tragen.

Lassen Sie uns alle in unserem Alltag doch gezielt nach Möglichkeiten suchen, unseren Kindern häufiger Signale der Wertschätzung und Anerkennung für den Umgang mit den Pandemieregeln zu geben. Und wenn wir einmal dabei sind – auch zum Beispiel den Lehrern, Erziehern, Mitarbeitern der Gesundheitsämter, Praxen und Kliniken und allen anderen, denen die Krise Besonderes abverlangt, tut es gut, wenn ihre Anstrengungen anerkannt werden. Das kostet nichts und wirkt tatsächlich sofort.

Wolfgang Brüninghaus war Kinder- und Jugendarzt in Kleve und schreibt an dieser Stelle alle paar Wochen von seinem Beruf. Foto: Brüninghaus