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Wie die Wohnungslosenhilfe der Caritas Kleve jungen Menschen hilft

Wohnungslosenhilfe der Caritas Kleve : Raum für junge Obdachlose

Die Caritas Kleve weist auf die Nöte und Probleme hin, die durch Wohnungsnot und Wohnungslosigkeit entstehen können. In diesem Jahr liegt der Fokus besonders auf junge Menschen.

Martin* (Name von der Redaktion geändert) hatte keine Wohnung und keine Arbeit. Martin hatte Schulden und war obendrein krank. Doch der junge Mann wollte in seinem Leben etwas ändern und fand den Weg zur Fachberatungsstelle Wohnungslosenhilfe der Caritas in Kleve. „Martin hat es geschafft, er hat den Kreislauf durchbrochen. Er hat eine Wohnung bezogen, weil er sich persönlich beim Eigentümer vorgestellt hat. Er ging zur Schuldnerberatung und leitete dort ein Insolvenzverfahren ein. Momentan macht Martin eine Weiterbildung im IT-Bereich und auch um seine Gesundheit müssen wir uns keine Sorgen mehr machen“, sagt Max Zigan. Er findet: „Martin ist eine Erfolgsgeschichte.“

Fälle wie diesen gibt es in Deutschland immer mehr. Junge Menschen, die entweder von Wohnungs- und Arbeitslosigkeit bedroht sind oder die bereits auf der Straße leben und keinen Job mehr haben. Sie machen je nach Region und Schätzung bis zu einem Fünftel aller Wohnungslosen aus. Laut Deutschem Jugendinstitut sind 37.000 Menschen unter 27 ohne festen Wohnsitz.

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„Die Unter-30-Jährigen machten im vergangenen Jahr etwa 30 Prozent der Beratungen im Kreis Kleve aus“, berichtet Max Zigan. Der Sozialarbeiter gehört zum Team der Fachberatungsstelle Wohnungslosenhilfe im Kreis Kleve, die in gemeinsamer Trägerschaft von Caritas und Diakonie liegt. Genauer gesagt ist der Caritasverband Kleve für das nördliche Kreisgebiet zuständig und die Diakonie im Kirchenkreis Kleve für das südliche. Mehr als 400 Menschen suchten im Jahr 2020 diese Stellen auf.

Die Probleme der jungen Menschen sind vielschichtig, weiß Zigan: „Häufig suchen sie eine Arbeits- oder Ausbildungsstelle, sie beziehen Hartz-IV, haben Schulden, manchmal mangelt es auch an persönlicher Reife beziehungsweise an der Zuverlässigkeit und am Verantwortungsbewusstsein.“ Genau hier setzen die Fachberatungsstellen an. Sie klären gemeinsam den individuellen Hilfebedarf, sie beraten und unterstützen bei der Beantragung von Sozialleistungen. Sie vermitteln in weiterführende Hilfen und ermöglichen eine Postadresse. Die Vermittlung zu ärztlicher Versorgung sowie persönlicher und familiärer Beziehungen sind ebenfalls Arbeitsfelder der Fachberatungsstelle. „Wir unterstützen aber auch beim Wohnungserhalt oder bei der Wohnungssuche. Und wir sind behilflich bei der Suche nach einem Ausbildungs- beziehungsweise Arbeitsplatz“, sagt Zigan. Seiner Meinung nach spielen im Kreis Kleve auch die ländlichen Strukturen eine große Rolle. „Es gibt hier kaum niedrigschwellige Angebote, auch die großen Entfernungen und der schlechte ÖPNV tragen dazu bei. Mal eben einen Termin wahrnehmen, ist nicht möglich.“

„Es ist dramatisch, wenn junge Erwachsene ohne Wohnung oder in einer prekären Wohnsituation sind“, sagt Caritas-Präsident Peter Neher. „Diese Menschen müssen wir auffangen. Aber gerade die 18- bis 27-Jährigen erfahren zu wenig Unterstützung: Oft stecken sie in einem Bermudadreieck der Hilfesysteme – Jugendhilfe, Wohnungslosenhilfe, Sozialhilfe – und bleiben auf der Strecke. Das darf nicht sein.“ Seiner Meinung nach dürfen junge Menschen nicht in Angeboten landen, die für sie nicht passend sind. Im Gegenteil: Sie brauchen individuelle, altersspezifische Unterstützung etwa mit Beratung und einer Unterbringung, die ihre Bedarfe abdeckt. „Wir fordern alle zuständigen Stellen auf – die Kommunen, die Länder, die verschiedenen zuständigen Hilfssysteme – intensiv zusammenzuarbeiten, um die Lücke bei der Unterstützung junger Wohnungsloser zu schließen“, so Peter Neher.

Die Caritas fordert auch den Aufbau eines ausreichenden Angebots an angemessenen Notfall- und Notschlafstellen für wohnungslose Menschen unter 27 Jahren mit sozialpädagogischer Begleitung sowie die schnellstmögliche Vermittlung in Wohnraum, in dem sie bleiben können. „So spezifisch die Problematik junger Wohnungsloser ist: Sie zeugt auch vom Mangel an bezahlbarem Wohnraum, den es mittlerweile in Deutschland gibt. Mehr Wohnungen, die sich Menschen mit geringen Einkommen leisten können, sind ein wichtiger Schlüssel. Ich hoffe, dass diese Botschaft auch bei der Politik ankommt“, so der Caritas-Präsident.