1. NRW
  2. Städte
  3. Kleve
  4. Familien im Kreis Kleve

Weeze: Väter forschen mit ihren Kindern im Franziskus Familienzentrum

Weeze : Experimente mit Feuer und Flamme

Beim Forschen am Familienzentrum im Franziskus-Kindergarten lernen Väter gemeinsam mit ihren Kindern den richtigen Umgang mit Feuer, Kerzen und Co.

Daniela Klose hat alles vorbereitet: Auf dem Tisch im Forscherraum des Familienzentrums stehen Kerzen, Feuerzeuge und aus einem besonderen Grund auch Spritzen für den Forscherkursus bereit, aber dazu später. Erst einmal begrüßt die Erzieherin die drei Väter, die sich mit ihren Kindern für den Vater-Kind-Kursus zum Thema Feuer angemeldet haben.

Ben und sein Vater Thomas Boßmann haben den Kursus vor zwei Jahren bereits einmal besucht. „Das war schon ein einprägsames Erlebnis für Ben“, sagt Boßmann. Sein Sohn war damals erst drei, aber trotzdem weiß der kleine Junge mit den blonden Haaren noch ganz genau, welche seine Lieblingsexperimente waren. „Machen wir auch das mit dem Wasser und dem Glas?“, fragt Ben die Erzieherin. „Ja, aber erst später“, antwortet sie geduldig. Denn bevor es mit den Experimenten losgehen kann, muss Wichtiges geklärt werden.

„Ihr dürft nie alleine mit dem Feuer experimentieren“, warnt Klose eindringlich. Sie erklärt, dass beim Spiel mit dem Feuer Kleidung und auch Haare schnell anfangen können zu brennen. Johanna, die gemeinsam mit ihrem Papa Torsten Baumbach den Kursus besucht, zieht mit einem erstaunt-erschreckten Laut die Luft ein. Baumbach nickt seiner Tochter beruhigend zu. In seinem Blick steht ein: Wir schaffen das schon. Die Zeit im Vater-Kind-Kursus ist allen drei Vätern wichtig, auch weil die Kinder mit Feuer und Flamme bei der Sache sind. „Davon lässt man sich anstecken“, sagt Baumbach.

Jetzt kann es losgehen. Johanna, Ben und Malte setzen ihre Schutzbrillen auf. Zuallererst zerlegen die Kinder unter Kloses Anleitung Teelichter in ihre Einzelteile: Docht und Wachs. Schnell finden sie heraus, dass der Docht problemlos beginnt zu brennen – ganz im Gegensatz zum Wachs. „Ich kann das schon braten, aber es brennt nicht“, sagt Johanna, in den Händen ein Stabfeuerzeug, die Augen vor Konzentration eng zusammengekniffen.

Klose erklärt, warum der Wachs nur mit dem Docht schmilzt. Dann beginnt das nächste Experiment. Sie stellt ein Wasserglas über ein Teelicht, und Johanna, Malte und Ben kommen mit ihren Lupen ganz nah heran. Wenige Sekunden später geht die Kerze aus. „Boah“, sagt Malte. Gemeinsam findet die Gruppe heraus, dass Kerzen Sauerstoff zum Brennen benötigen – und dieser ist in einem Glas schnell verbraucht. „Ich achte ganz bewusst darauf, auch einmal komplizierte Worte wie Kohlendioxid zu benutzen, und erkläre die Worte dann direkt im Zusammenhang“, sagt Klose. Marc Koenen nickt zustimmend. Er ist mit seinem Sohn Malte heute das erste Mal bei einem Kursus am Familienzentrum dabei und bringt auch eigene Ideen mit ein.

Die Inspiration für ihre Experimente zieht Erzieherin Klose meistens aus Situationen im Alltag: „Ich versuche auch, die kleinen Dinge – wie beispielsweise die Veränderung von Löwenzahl zur Pusteblume – mit den Kindern zu erarbeiten.“ In ihrer Kindergartengruppe finden fast jeden Tag kleine Experimente statt. Die Kurse des Familienzentrums sind allerdings auch für Eltern und Kinder zugängig, die nicht Mitglied im Franziskus-Kindergarten sind. Angeboten werden neben technischen Experimenten auch Begegnungscafés und kreatives Basteln. Auch Kruschel, das Kindermaskottchen der Rheinischen Post, hat Klose schon auf Ideen für Experimente gebracht. Zum Beispiel folgendes Experiment stammt von ihm: Ben, Johanna und Malte haben sich einen Suppenteller geholt und füllen ihn mit Wasser – gerade so tief, dass kein Wasser in den Aluminiumbehälter des Teelichts gelangt, das in der Mitte des Tellers steht. Was, glaubt ihr, passiert, wenn man ein Glas über die Kerze stellt?“, fragt Klose. Die Kinder suchen blinzelnd nach der Antwort. „Sie geht wieder aus?“, fragt Johanna. Ben hüpft ganz aufgeregt auf seinem Stuhl. Dem Fünfjährigen ist das Experiment aus dem Kursus vor zwei Jahren noch gut in Erinnerung geblieben: Er kennt die Antwort. Sein Papa legt ihm die Hand auf die Schulter und flüstert ihm zu, dass er nichts verraten soll.

Da geht auch schon die erste Kerze aus, und wie durch Magie hebt sich das Teelicht durch einen Unterdruck im Glas empor. Zu guter Letzt kommen die Spritzen zum Einsatz: nämlich zum Löschen. Und auch wenn Ben seine Kerze gar nicht ausmachen will – „Ich möchte noch tausendmal!“ –, weiß die Erzieherin, dass nach einer Stunde die Konzentration schwindet. Doch es gibt Trost: Nächste Woche geht es weiter mit einer selbst gebauten Teebeutelrakete.