Urlaub mit Jugendlichen: Pädagogin gibt Tipps für Familien

Urlaub mit Jugendlichen : Für alle was dabei

Wenn Kinder zu Jugendlichen werden, ändern sich auch ihre Vorstellungen von Urlaub. Antje Freudenberg von der Familienbildungsstätte Geldern gibt Tipps, wie man einen Konsens finden kann.

Wenn das Wandern in den Alpen plötzlich nicht mehr gefällt und das Ferienhaus in Holland doof ist, dann sind die Kinder wahrscheinlich in der Pubertät. Und mit der Entwicklung vom Kind zum Jugendlichen verändern sich oftmals auch die Vorstellungen vom Familienurlaub. Antje Freudenberg ist Dozentin an der Familienbildungsstätte  (FBS) Geldern-Kevelaer und gibt regelmäßig Kurse zum Thema Pubertät. Aus ihrer Sicht ist das Wichtigste für einen Urlaub, der allen Familienmitgliedern gefällt: das gemeinsame Planen.

„Man sollte mit allen Familienmitgliedern überlegen, was die Bedürfnisse und Vorstellungen sind“, sagt Antje Freudenberg. Dazu gehört in erster Linie das Reiseziel: Berge oder Meer, Hotel oder Campingplatz? Natürlich spielen bei dieser Entscheidung auch die Kosten eine Rolle, dennoch sollte man darauf achten, dass alle mit dem Urlaubsziel etwas anfangen können. „Ich erlebe oft, dass sich die Eltern hinten anstellen und sich selbst nicht mehr gerecht werden“, sagt die Pädagogin.

Idealerweise findet man also ein Urlaubsziel, an dem auch Mutter und Vater auf ihre Kosten kommen, ebenso wie ältere und jüngere Geschwister. „In Ferienparks, Hotels, auf Campingplätzen oder Kreuzfahrtschiffen bekommen Familien oft alles unter einen Hut“, sagt Freudenberg. „Und die Jugendlichen können Gleichaltrige kennenlernen und mit ihnen Zeit verbringen.“ Für viele Pubertierende würden auch Städtetrips immer interessanter. Einen Urlaub in der Eifel könne man zum Beispiel mit einem Besuch in Bonn verbinden – und die Jugendlichen haben dort auch die Gelegenheit, eine mögliche Studienstadt kennenzulernen.

Auch beim Programm ist es wichtig, dass für alle etwas dabei ist. „Man sollte die Aktivitäten gemeinsam besprechen und als Familienzeit gestalten“, rät die Dozentin. In ihrer eigenen Familie wurden die Wanderungen während der Pubertät ihrer Kinder durch Klettersteige ersetzt. „Wandern war langweilig, klettern schon wieder spannend“, sagt sie. So könne man häufig Kompromisse finden.

Wenn die Jugendlichen aber auch auf das aufregendste Programm keine Lust haben – was tun? Antje Freudenberg rät, die Zeit einzuteilen. Am Vormittag eine gemeinsame Fahrradtour, am Nachmittag darf jeder tun, worauf er Lust hat. An einem Tag machen alle einen Ausflug, den nächsten verbringt man am Ferienhaus. Wichtig sei auch hier, gemeinsam die Aktivitäten zu planen und die Zeiten festzulegen.

Es kommt aber vor, dass sich Pubertierende auch auf solche Kompromisse irgendwann nicht mehr einlassen. Dann, sagt Antje Freudenberg, muss man das akzeptieren. Für viele Eltern eine schwierige und traurige Erkenntnis. „Die Pubertät ist dafür da, dass sich die Kinder abnabeln und selbstständig werden“, sagt die Pädagogin. Das sei oftmals ein Abschiednehmen – auch von gemeinsamen Gewohnheiten wie dem Urlaub. „Das tut vielen Eltern weh und fällt oft nicht leicht, gehört aber dazu“, sagt Antje Freudenberg.

Sie rät Eltern immer, möglichst viel Kontakt zu den Jugendlichen zu halten. „Es ist wichtig, die Kinder nach wie vor lieb zu haben, auch wenn die Eltern das Verhalten der Jugendlichen oft nicht gut finden“, sagt sie. „Man sollte immer zwischen Person und Handlung unterscheiden.“ Auch bei einer sturen Verweigerungshaltung dem Urlaub gegenüber.

Mütter und Väter könnten und sollten das auch als Chance sehen, findet Antje Freudenberg. „Wenn die Kinder ihre eigenen Wege gehen, hat man die Hände frei für Neues.“ Zum Beispiel ein Urlaub alleine mit dem Partner. Damit auch die Jugendlichen einen Urlaub erleben können und nicht alleine zuhause bleiben, wären Reisen mit Jugendgruppen, den Messdienern oder Pfadfindern möglich. Einige Familien nehmen auch Freunde der Kinder mit, vor allem für Einzelkinder kann das eine schöne Abwechslung sein.

Und manchmal lässt sich auch beides in den Ferien verbinden: Eine Reise, bei der die Jugendlichen ohne Eltern unterwegs sind, und ein gemeinsamer Familienurlaub. Der muss ja nicht immer unbedingt zwei oder drei Wochen lang sein. Eine Woche gemeinsame Familienzeit ist ebenso wertvoll.

(veke)