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Unser Autorin trotzt der dunklen Jahreszeit die schönen Seiten ab

Die Familien-Kolumne : Der Monat der Besinnung

Für unsere Autorin ist der November ein Monat der Bereicherung. Dann werden alte Spiele rausgekramt, gerne auch mal Fotoalben aus dem Schrank geholt und in Erinnerungen geschwelgt.

Jetzt ist er da, der November. Das beste Image hat er ja nicht gerade. Es heißt, er ist dunkel, kalt und ungemütlich. Dazu kommen die vielen Gedenktage wie Allerheiligen, Volkstrauertag, Buß-und Bettag und Totensonntag. Wäre der November ein Tier, dann wäre er ein Stinktier. Irgendwie ist man froh, wenn man nichts mit dem Tier zu tun hat. Wenn es dann plötzlich vor einem steht, findet man es dann doch irgendwie in Ordnung. Allerdings hat man ständig Angst, dass es seine Drüsen zur Abwehr einsetzt.

Übersetzt heißt das für den November, dass man emotional zwischen „auf dem Sofa liegen und kuscheln“ und „sich Sorgen machen und vergraben“ unterwegs ist. Natürlich geht es nicht jedem Menschen so. Ich für meinen Teil versuche immer, das Positive an jeder Situation zu sehen. Ja, es wird früh dunkel, aber dann kann man es sich drinnen auch mal mit etwas Kerzenlicht gemütlich machen. Das Wetter wird kälter und nasser – eine gute Möglichkeit, sich nach einer neuen Jacke umzuschauen. Selbst, wenn es draußen gar nicht mehr aufhört zu schütten, kann man ja auch gleich komplett ins Wasser gehen. Die Schwimmbäder haben ja mittlerweile zum Glück wieder geöffnet. Ein Abend im Kino, das habe ich mit meinen Jungs auch schon lange nicht mehr gemacht.

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Ich glaube, ich mache mir gleich mal eine Liste mit all den schönen Dingen, die man im November so anstellen kann: aus alten Kerzenresten neue Kerzen gießen oder ziehen, auf dem Balkon bunte Heideblumen pflanzen und auch mal auf dem Friedhof vorbeischauen. Meine Eltern sind beide verstorben, und der Gang zum Friedhof ist für mich etwas Normales. Ich mag die Stille auf dem Friedhof, die unterschiedlichen Gräber und die Erinnerungen.

Im Sommer bin ich mit einer Picknickdecke, Kaffee und Keksen auf dem Friedhof gewesen. Dort habe ich in der Sonne neben dem Grab meiner Mutter gesessen. Im Herbst sind die Besuche kürzer und die Pflege der Gräber manchmal nur schnell dahin gehuscht. Der November hat für mich schon etwas mit innerer Einkehr und Ruhe zu tun. Ein Monat der Besinnung oder vielleicht mehr ein Monat der Bereicherung. Da werden die alten Spiele mal wieder rausgekramt, gerne auch mal Fotoalben aus dem Schrank geholt und in Erinnerungen geschwelgt. Wenn eine Erinnerung auch mal etwas Traurigkeit mit sich bringt, so darf sie kurz verweilen, doch gemütlich machen darf sie es sich bei mir nicht.

So, jetzt muss ich aber los, meine Jungs von der Schule abholen. Was die Beiden noch nicht wissen, ist, dass wir direkt in die Stadt fahren. Die Karten für das Kino habe ich schon bestellt. Vor der Dunkelheit im Kino hat ja schließlich auch keiner Angst…

Anke Kirking lebt mit ihren Söhnen im Alter von neun und 13 Jahren in Geldern. An dieser Stelle berichtet sie alle paar Wochen von ihrem Leben als Familienmanagerin. Foto: EVE