Tipps aus dem Tierheim in Geldern: In zehn Schritten zum Haustier

Tipps aus dem Tierheim in Geldern : In zehn Schritten zum Haustier

Neues Familienmitglied, nicht Geschenk: Jennifer Blasberg vom Tierheim Geldern erklärt, worauf alles zu achten ist, bevor man sich einen vierbeinigen oder gefiederten Freund nach Hause holt.

Wenn sich eine Familie ein Haustier anschaffen will, gibt es einiges zu beachten. Die wichtigsten Punkte im Überblick.

1. Ein Haustier ist kein Geschenk, sondern ein Familienmitglied. „Deswegen müssen alle Familienmitglieder beim Aussuchen mit dabei sein“, erklärt Jennifer Blasberg vom Tierheim Geldern. „Und: Nein, keine Weihnachtsüberraschung“, betont sie. Alle müssen mit dem Einzug des haarigen oder gefiederten Mitbewohners einverstanden sein. Vorher ist noch zu klären: Gibt es keine Allergien (gegen Hundehaare, Katzenhaare) und keine Angst?

2. Genügend Geld? Ein Tier kostet, nicht nur die Anschaffung und das Futter. Auch Tierarztkosten kommen dazu. „Die Impfkosten für ein Kaninchen übersteigen oft die Vorstellungen“, sagt Jennifer Blasberg. Es gebe viele ansteckende Krankheiten, die auch Wohnungskaninchen treffen und tödlich verlaufen können. Wer sich also einen pelzigen Freund anschafft, muss vorher klären: Welche Kosten entstehen? Bei einer Katze ist zum Beispiel an die Kastration zu denken.

3. Genügend Zeit? Die leidigen Fragen sind oft die gleichen: Wer geht mit dem Hund? Wer macht das Katzenklo sauber oder füttert den Papagei? Das muss vorher geklärt werden. Wichtig: Wer einen Welpen aufnimmt, braucht viel Zeit für die Eingewöhnung und muss auch nachts aufstehen, bis das Tier stubenrein ist. Gerade bei Hunden ist auch die Beschäftigung mit einzuplanen. „Spazieren gehen allein reicht nicht“, sagt Jennifer Blasberg. Dann hat sich der Vierbeiner zwar körperlich ausgetobt, aber ist noch nicht geistig ausgelastet. Der typische Fall von Langeweile ist der durchwühlte Mülleimer. Übrigens: Tiere werden teilweise sehr alt, eine Katze kann 16 Jahre und älter werden, ein Papagei 50 Jahre.

4. Urlaub und Freizeit? Wer kümmert sich um das Haustier, wenn man mit der Familie in den Urlaub fährt? Kann der Hund vielleicht mit? Gibt es eine Tierpension in der Nähe? Auch diese Fragen sind vor der Anschaffung zu klären. Es lohnt, sich mit den Details zu beschäftigen, sagt Jennifer Blasberg. „Tierpensionen haben Auflagen“, sagt die Expertin. Man sollte sich vorher erkundigen, ob der Hund alle notwendigen Impfungen hat und ob eine Haftpflichtversicherung für das Tier abgeschlossen sein muss.

5. Genügend Platz? Wo schlafen Hund, Katze, Maus? Gibt es ein eigenes Körbchen, ein geeignetes Terrarium? Es ist sinnvoll, im Internet nachzuschauen, ein Buch in die Hand zu nehmen und Fachleute anzusprechen. „Je exotischer das Tier ist, desto wichtiger ist das“, sagt Jennifer Blasberg. Auch ein kleiner Wellensittich braucht einen großen Käfig und die Möglichkeit zum Freiflug, genauso wie das Kaninchen Freilauf zum Hoppeln haben muss. Isst die Wüstenrennmaus nur Obst oder ab und zu auch eine Heuschrecke? Nicht jede Leckerei ist gut fürs Tier. Meist gilt: Je natürlicher, desto besser.

6. Sich schlau machen „Hundeschule ist das Thema, noch bevor ich mir überlege, einen Hund anzuschaffen“, betont Jennifer Blasberg. Das gelte für einen Welpen genauso wie für einen alten Hund. Und es gilt, egal wie groß oder klein der Hund ist. „Die Hundeschule ist total wichtig, um soziale Kontakte zu knüpfen“, sagt Blasberg. Nirgendwo sonst könne man so sicher auf andere Hunde treffen. Der gemeinsame Gang zur Hundeschule bewirkt noch etwas bei Hund und Frauchen oder Herrchen: Teambildung. Außerdem kann man sich dort mit anderen Hundebesitzern austauschen.

7. Sich kennenlernen Wer vorher wenig Erfahrung mit Tieren hatte, der kann sie sammeln, zum Beispiel am Tag der offenen Tür des Tierheims.

8. Das richtige Tier finden „Das Tier hat schon an der Tür gestanden und auf mich gewartet.“ Diese Aussage kann auch nach hinten losgehen, warnt Jennifer Blasberg. In vielen Fällen ist einfach der Rudelführer nach vorne geprescht, vielleicht möchte man aber lieber einen weniger dominanten Hund und nicht „den kleinen Chef“ mit nach Hause nehmen. Jennifer Blasberg empfiehlt, mit den Züchtern oder den Experten vom Tierheim zu sprechen. Die kennen ihre Tiere.

9. Der richtige Zeitpunkt ist in der Regel nicht Weihnachten. Zwar gebe es im Tierheim gesteigerte Anfragen zu der Zeit, und die meisten haben auch ein paar Tage frei, aber an den stressigen Feiertagen mit den vielen Familienbesuchen fehle oft die Zeit, sich um das Tier zu kümmern. „Wir können auch reservieren, und die Menschen können das Tier nach Weihnachten abholen“, schlägt Jennifer Blasberg vom Tierheim Geldern vor. Denn wichtig ist: Man muss Zeit einplanen, um sich um das Tier kümmern zu können.

10. Die Wohnung sicher machen Das neue Ledersofa liegt einem sehr am Herzen? Das hält aber keine Katze davon ab, ihre Krallen daran auszuprobieren. Sind Kabel versteckt, damit Welpe oder Kaninchen nichts anknabbern? Gibt es giftige Pflanzen? Das sind einige Punkte auf der Checkliste. Natürlich muss auch der Vermieter der Tierhaltung zustimmen. Es ist auch sinnvoll, den Nachbarn vom tierischen Neuzugang zu erzählen, rät Jennifer Blasberg. So könne man bei möglichen Problemen gemeinsam nach Lösungen suchen, zum Beispiel eine Abdeckung für den Sandkasten, damit der nicht aus Versehen zur Katzentoilette wird.

Wenn dann alle Fragen beantwortet sind, steht dem Haustier eigentlich nichts mehr im Weg.