Tanztheater für Kinder im Museum Kevelaer

Tanztheater-Probe im Museum Kevelaer : Mit dem Tanzen groß werden

Mal hüpfen sie als Lutscher oder Popcorn durch den Raum, mal tanzen sie wie Kängurus oder Einhörner. Beim Tanztheater im Museum Kevelaer sind die Kinder nicht nur kreativ, sondern auch selbstbewusst.

Mit einem breiten Lächeln im Gesicht und wilden Sprüngen betreten die Kinder des Tanz- und Theaterkurses von Marita Billaudelle die Museumsschule im Niederrheinischen Museum in Kevelaer. Sie können es gar nicht mehr erwarten, dass der Kurs endlich beginnt. Jeden Montag um 16 Uhr haben die Vier- bis Siebenjährigen eine Tanz- und Theaterstunde, danach sind die Acht- bis Zwölfjährigen dran.

Das Projekt „Tanztheater – Die Bühnengestalten“ rief Marita Billaudelle vor etwa eineinhalb Jahren ins Leben. Vorher lebte sie viele Jahre in München, wo sie eine Schauspielausbildung machte, kehrte dann aber wieder in ihre Heimatstadt Kevelaer zurück. Als Grundschülerin tanzte Marita Billaudelle Ballett. Nach einer längeren Pause fing sie mit 20 Jahren wieder an – mit Jazz und orientalischem Tanz. Museumsleiterin Veronika Hebben stellte ihr montags einen Raum für zwei Kurse ihres Tanztheaters zur Verfügung.

„Ich wollte unbedingt etwas im Museum machen“, erzählt Marita Billaudelle. Bereits im November präsentierte sie den ersten Auftritt mit dem Tanztheater. Der sei vom Miteinander der Kinder sehr gut gelungen, wie die Tanzlehrerin erzählt. Seitdem bietet sie regelmäßig Kurse mit maximal zehn Kindern aus verschiedenen Altersgruppen an. Die Auftritte ihrer Gruppe stellt Marita Billaudelle zum größten Teil alleine auf die Beine, nur einzelne Mütter helfen hinter der Bühne, damit jeder Tänzer auf dem richtigen Platz steht. In Planung ist derzeit ein Auftritt für die Landpartie am Niederrhein für die ältere Gruppe. Aber auch viele weitere Projekte mit den Jüngeren stehen an.

Das Ziel: Marita Billaudelle möchte die Kreativität der jungen Tänzer fördern, aber auch ihr Selbstbewusstsein stärken. „Die Kinder sollen das Gefühl bekommen, dazuzugehören, mit ihren Ideen und ihren Fähigkeiten“, sagt sie. Deshalb wird jede Rolle des späteren Stücks auf die Kinder angepasst. Und die Kleinen haben bei den Vorbereitungen auch Mitspracherecht. So können sie ihre eigenen Ideen und Wünsche umsetzen, um dem Stück eine individuelle „Note“ zu verleihen.

Die Tanzvermittlerin möchte mit ihren Kursen außerdem einen Bewegungsausgleich zu dem Medienangebot schaffen: „Die Kinder sollen sowohl ein emotionales als auch ein körperliches Ventil haben. Das funktioniert immer besonders gut über Bewegung, Rollenspiel und Tanz“, berichtet die Gründerin des Tanztheaters. Bis jetzt gibt es dieses Projekt nur im Kevelaerer Museum und im Offenen Ganztag.

Jede Kurseinheit beginnt mit einem kleinen Sitzkreis, in dem sich alle begrüßen und kennenlernen, sofern neue Gesichter dabei sind. Bei der Gruppe der Vier- bis Siebenjährigen begrüßt eine Handpuppe in Form eines Rabens die Kinder. Zum Aufwärmen tanzen die Kinder in dieser Probestunde zu dem Lied „Aufgepasst, an die Hände gefasst“ von Robert Metcalf.

Mit einer Geschichte über einen Stern machen die Kinder auch bei den Dehnübungen motiviert mit. Als nächstes bekommt jeder einen unsichtbaren Schlüssel, um in das „Zauberhaus“ zu gelangen. Das Thema dieser Stunde sind Süßigkeiten, also verwandeln sie sich in Lutscher, Schokoriegel oder Popcorn. Zu jeder Leckerei dürfen sich die jungen Tänzer selbst Bewegungen ausdenken und ihrer Kreativität freien Lauf lassen.

Bei einem Stopptanz mit bunten Tüchern trainieren die Kinder, spielerisch auf die Musik zu hören und langsame und schnelle Musik zu unterscheiden. Marita Billaudelle baut auch die Wünsche der Kinder in ihr Programm ein: Also denken sie sich selbst „Tiertänze“ aus und der Rest der Gruppe muss raten, welches Tier gerade dargestellt wird. Mit wilden Bewegungen wie Kängurus und Einhörner verwandeln die Kinder den Raum in ihre Bühne.

Dann macht die ganze Gruppe noch ein Spiel, bei dem sich die eine Hälfte in Gummibärchen und die andere in Monster verwandelt. So müssen die Kinder sich schauspielerisch in ihre jeweilige Rolle versetzen. Am Ende verabschiedet sich der Rabe wieder von jedem einzelnen. Mit dem Spruch „Eins, zwei, drei, die Tanzzeit ist vorbei, vier, fünf, sechs, sieben, tschüss ihr Lieben“ endet die Stunde.

Auch die ältere Gruppe, mit Kindern im Alter von acht bis zwölf Jahren, absolviert eine motivierte Tanzstunde in der Museumsschule. „Jeder ist in meinen Kursen willkommen, egal mit welchen Interessen und Fähigkeiten“, schließt Marita Billaudelle das Gespräch ab.