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Studierenden-Kolumne: Große Hitze macht Angst

Die Studierenden-Kolumne : Klimaangst im Freibad

Der Klimawandel schleicht sich langsam in unseren Alltag. Warum reagieren wir nicht mit der gleichen Vorsicht wie bei der Corona-Krise, wo Lockdowns und Abstandsregelungen wahrscheinlich das Schlimmste verhindern konnten?

Das T-Shirt klebt am Oberkörper, es riecht nach warmem Asphalt, und das Thermometer zeigt fast 40 Grad. Was nach Urlaub in Südeuropa klingt, war Realität in Nordrhein-Westfalen die letzten Wochen. Um vor der überhitzten Dachgeschosswohnung zu fliehen, verbringe ich die heißen Tage wie die meisten Studierenden entweder in klimatisierten Gebäuden, an der Siegmündung oder im Freibad. Doch wirklich entspannen tu ich dabei nicht. Die Temperaturen machen mir Angst. Klimaangst.

Die Hitzetage und Tropennächte, also Tage über 30 Grad und Nächte über 20 Grad, werden die nächsten Jahre weiter zunehmen. Schon jetzt spüren wir die Auswirkungen im Kleinen – in Form von Hitzesymptomen wie Müdigkeit, Schlafproblemen, Schwitzen, Durst, Konzentrationsproblemen, Schwindel und Kopfschmerzen. Der Klimawandel hat sich über die letzten Jahre von der Theorie im Erdkundeunterricht in unseren Alltag geschlichen – Wasserknappheit in Frankreich, Brand im Grunewald und der niedrigste Rheinpegel seit 1901.

Während ich die Kinder auf der Freibadrutsche angucke, kann ich nicht aufhören daran zu denken, dass diese privilegierten Probleme erst der Anfang sind. Nur am Rande wird über die Hungersnöte in Kongo, Burkina Faso, Kamerun, Südsudan und Tschad aufgrund von Dürren und Überschwemmungen berichtet. Die Nahrungsmittelknappheit in Zentralafrika betrifft über 30 Millionen Menschen.

 Jana Rogmann schreibt über die mörderische Hitze.
Jana Rogmann schreibt über die mörderische Hitze. Foto: Jana Rogmann
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Aktuell rücken die Problematiken der Hitzesommer langsam in das Bewusstsein der Politik. Es wird von Hitzeaktionsplänen und Stadtbegrünung geredet. Während ich Konzepte wie „Informationskaskade und Verantwortlichkeiten“ lese, tauchen immer mehr Fragen in meinem Kopf auf: Wie lange wollen wir so weitermachen, ohne dass sich wirklich was im aktiven Klimaschutz ändert? Warum reagieren wir nicht mit der gleichen Vorsicht wie bei der Corona-Krise, wo Lockdowns und Abstandsregelungen wahrscheinlich das Schlimmste verhindern konnten? Immerhin hat die Klimakrise ebenfalls (tödliche) Auswirkungen.

Laut dem Umweltbundesamt könnten bis Ende dieses Jahrhunderts bundesweit jährlich bis zu 8500 zusätzliche hitzebedingte Todesfälle eintreten. Während der Flutkatastrophe vor einem Jahr starben mindestens 186 Menschen. Von den langfristigen Auswirkungen der Klimakrise – weltweite Wasserknappheit, Überschwemmungen und Kriege um Ressourcen und Extremwetter – ist hier noch nicht die Rede.

Ich fühle mich machtlos, weil es langfristig doch nicht reicht, kein Fleisch zu essen und mit dem Zug nach Irland zu fahren. Wir brauchen wie bei der globalen Pandemie staatliche Regulierung von C02, umfassendes Eingreifen in die Wirtschaft und strengere Auflagen. Ansonsten haben wir im Erdkundeunterricht gelernt, was die nächsten Jahre passieren wird. Die Folgen des Klimawandels – laut IPCC- Report 2021 unter anderem Häufigkeit und Intensität von Hitzeextremen, marinen Hitzewellen und starken Niederschlägen – spüren wir auf jeden Fall jetzt schon.

Jana Rogmann, 21 Jahre alt, kommt aus Kevelaer und studiert im sechsten Semester Komparatistik und englische Literatur in Bonn. An dieser Stelle berichtet sie alle paar Wochen von ihrem Leben als Studentin.
Foto: Privat