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Studentin Jana Rogmann über ihre Zukunft als Geisteswissenschaftlerin

Die Studierenden-Kolumne : Über Komparatistik und Taxi fahren

Unsere Kolumnistin Jana Rogmann möchte nicht lügen, nur weil sie „Komparatistik und English Studies“ studiert. Auch als Geisteswissenschaftlerin habe man eine Zukunft – und sei nicht etwa zum Taxifahren verdammt.

Und was machst du später damit?“, ist wohl die Frage, die Studierenden am häufigsten gestellt wird. Bei nicht „normalen“ Studiengängen ist die Antwort darauf häufig gepaart mit nervösem Herumgestotter und stammelnden Rechtfertigungen. So auch bei mir. Denn die meisten verstehen statt „Komparatistik und English Studies“ nur „perspektiv- und arbeitslos“ und haben meine Berufsvorstellungen, die eher verschwommenen Tagträumen als ausgearbeiteten Plänen ähneln, drei Sekunden später wieder vergessen.

So geht es vielen zukünftigen Geisteswissenschaftler*innen. Wenige Menschen glauben, dass man damit überhaupt etwas „Vernünftiges“ machen kann, und in den meisten Köpfen existieren diese Studiengänge in einer Parallelwelt zur deutschen Leistungsgesellschaft. Eine Bekannte antwortete daher jahrelang ironisch mit „Taxi fahren“ auf die berühmt-berüchtigte Frage. Eine andere Strategie ist es, bereits beim Studiengang mit „Jura“ oder „Deutsch und Englisch auf Lehramt“ zu antworten. Dadurch lassen sich weitere Nachfragen vermeiden – genauso wie mit „Angewandte Sexualwissenschaft“ oder „Brauwesen und Getränketechnologie“.

Dabei sind die beruflichen Möglichkeiten mit einem Bachelor in „Vergleichende Literaturwissenschaften und englische Literatur“ – die Übersetzung meines kryptischen Studiengangs – sehr vielfältig. Die Website der Uni Bonn preist die Berufsfelder „Bildung, Buch, Kultur, Medien, Verwaltung und Wissenschaft“ an, und ich kenne fertige Komparatist*innen, die im Journalismus, im Museum oder im Lektorat arbeiten. Der Unterschied ist nur, dass Studierende der Geisteswissenschaft mit ihrem Bachelor-Abschlusszeugnis allein wahrscheinlich noch nicht mal zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden.

Es geht um das, was wir neben den Vorlesungen machen. Uniradio, freie Mitarbeit, Nebenjobs – alle versuchen, möglichst viele Boni im Lebenslauf zu sammeln und sich möglichst viele Fähigkeiten anzueignen. Eine Freundin erzählte mir, dass sie regelmäßig nachts panisch aufwacht mit den Gedanken „noch ein Praktikum“ oder „Auslandssemester“. Auch ich liege manchmal nachts wach und überlege, was ich später mache mit meinem Studiengang und meiner Leidenschaft für Sprache. Vielleicht lande ich ja auf einem Blatt wie diesem hier.

Jana Rogmann, 20, kommt aus Kevelaer, studiert im dritten Semester Komparatistik und englische Literatur in Bonn und berichtet von ihrem Leben als Studentin. Foto: Rogmann