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Studentin Jana Rogmann aus Kevelaer über den zweiten Corona-Winter.

Die Studierenden-Kolumne : Noch so ein Winter

Unsere Autorin ist frustriert, weil Impfen der einzige Ausweg war und jetzt nicht funktioniert. Und weil die Politik die nächste Welle mal wieder verschlafen hat.

Verdammt, noch so ein Winter, und ich schwör’, ich wander’ aus“, singt Casper in dem Stück „Ganz schön okay“. Die Zeile läuft bei mir im Kopf gerade auf Dauerschleife, weil zwischen steigenden Inzidenzen und immer dunkler werdenden Tagen alles anders als ganz schön okay ist. Denn es ist diese Jahreszeit angebrochen, wo wir im Dunkeln aus dem Haus gehen und die Sonne um 16.30 Uhr untergeht – falls sie sich überhaupt sehen lässt.

Zwischen Grau und Grau erhellen lediglich die Lichter vom Weihnachtsmarkt die Stadt. Sie hüllen alle Straßen in eine magische Atmosphäre und schirmen sie ab vor steigenden Hospitalisierungsraten. Doch auch hier setzen sich 2G und Maskenpflicht durch. Jetzt laufe ich nur noch mit einem roten „Geimpft“-Plastikarmband durch die Bonner Innenstadt, während der Glühweingeruch durch meine Maske gefiltert wird. Die neu gewonnenen Freiheiten, an die sich gerade alle nach langem Cave-Syndrom gewöhnt hatten, fangen an zu schwinden und mit ihr die Leichtigkeit. „Können wir zu der Party gehen?“, „Ist es noch verantwortlich, eine Weihnachtsfeier zu veranstalten?“ und „Nur noch zwei statt fünf Leute in einem Büro“ werden wieder Normalität. Dabei haben meine Freunde und Freundinnen und ich alles getan, was wir konnten: Abstand halten, drei Online-Semester und ein halbes Hybrid-Semester ertragen, uns impfen lassen. Jetzt testen sich alle fast jeden Tag, und es ist immer noch nicht genug.

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Wir sind frustriert. Frustriert, weil alles aussichtslos erscheint. Frustriert, weil Impfen der einzige Ausweg war und jetzt nicht funktioniert. Frustriert, weil es nur nicht funktioniert, da so viele Menschen sich nicht immunisieren lassen möchten. Frustriert, weil die Politik die nächste Welle mal wieder verschlafen hat. Ganz Deutschland fühlt sich wie in einer endlosen Horror-Dauerschleife gefangen, ein Hamsterrad, das sich immer und immer weiter dreht. Oder wie die Twitter-Ikone El Hotzo es sagt: „Ein schrecklicher Winter, ein hoffnungsvoller Frühling, ein sorgloser Sommer, ein Herbst voller Warnungen, ein schrecklicher Winter, ein hoffnungsvoller Frühling, ein sorgloser Sommer, ein Herbst voller Warnungen, ein schrecklicher W-.“

Jana Rogmann, 20 Jahre alt, kommt aus Kevelaer und studiert im fünften Semester Komparatistik und englische Literatur in Bonn. An dieser Stelle berichtet sie alle paar Wochen von ihrem Leben als Studentin. Foto: Rogmann