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Straelenerin ist hauptberuflich und selbstädig in der Familienhilfe

Interview Anne-Kathrin Legeit-Fidomski : „Die Bedürfnisse der Kinder sind immer die gleichen“

Anne-Kathrin Legeit-Fidomski aus Broekhuysen hat in ihrem Hauptberuf und bei ihrer selbstständigen Tätigkeit viel mit Familien zu tun.

Frau Legeit-Fidomski, Sie arbeiten seit März im Hauptberuf im Mutter-Kind-Haus in Geldern. Was sind dort Ihre Aufgaben?

Anne-Kathrin Legeit-Fidomski Ich begleite junge Mütter und ihre Kinder auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit. Alle Klientinnen haben einen individuellen, besonderen Bedarf. In erster Linie sichern wir das Kindeswohl. Mit einem Baby verändert sich das Leben dieser Mütter drastisch, sodass sie Unterstützung im Umgang mit ihren Kindern und im Alltag brauchen. So etwas kann beim Erarbeiten einer Tagesstruktur beginnen und geht bis hin zu gemeinsamen Einkäufen, um ein Gefühl für Geld zu entwickeln. Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt auf der Mutter-Kind-Beziehung. Wann braucht mein Baby Nahrung? Wann muss ich es baden? Wo schläft mein Baby, und was ziehe ich ihm an? Wir sind enge Ansprechpartnerinnen. Unser Arbeitsplatz ist ihr Zuhause. Das ist spannend, weil wir sowohl schöne Momente miterleben können, als auch Konfliktsituationen bewältigen müssen.

 In Zukunft möchte die Familienhelferin von Anfang an für (werdende) Eltern da sein.
In Zukunft möchte die Familienhelferin von Anfang an für (werdende) Eltern da sein. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Welche Ausbildung haben Sie dafür gemacht?

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Legeit-Fidomski Ich bin studierte Kindheitspädagogin. Nach meinem Studium habe ich eine Weiterbildung zur Schlafberaterin für Babys und Kleinkinder gemacht. Außerdem habe ich vor Kurzem eine Ausbildung zur Stillbegleiterin abgeschlossen. Jeder dieser drei Bereiche ist in der Arbeit mit Eltern und ihren Kindern unglaublich hilfreich.

Was hat Sie zu dieser Berufswahl bewogen?

Legeit-Fidomski Ich wollte schon immer mit Menschen arbeiten. In der Elternarbeit liegt meine absolute Leidenschaft. Zu sehen, wie sie sich entwickeln und sich für die Beziehung zu ihrem Kind gestärkter aufstellen, beeindruckt mich enorm. Gerade bei dieser Zielgruppe merke ich, dass die Themen immer die gleichen sind. Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschieden, mich weiter zu spezialisieren und auch außerhalb meines Hauptberufs tätig zu werden.

Sie sind als Schlaf- und Familienberaterin selbstständig. Welche Themen und Probleme packen Sie da an?

Legeit-Fidomski In beiden Bereichen geht es mir in der Zusammenarbeit vor allem darum, gemeinsam zu schauen: „Was braucht dein Kind, und was braucht ihr?“ Mein theoretisches Wissen über die frühkindliche Entwicklung gibt ein Verständnis dafür, warum unsere Kinder sind, wie sie sind und warum es wertvoll ist, ihnen zuzuhören und sich, im bestmöglichen Rahmen, von ihnen leiten zu lassen. In Schlafberatungen geht es häufig um Fragen wie: Warum wacht mein Kind nachts auf? Wie viel Nahrung braucht es? Wie lange muss mein Kind tagsüber schlafen? Wann schlafen Kinder durch? Das Spektrum geht noch viel weiter. Hier schauen wir uns die aktuelle Ist-Situation an und besprechen das langfristige Ziel. Es gibt einen guten Grund, warum Kinder beispielsweise nicht durchschlafen. So etwas kann nicht „gelernt“ werden. Eine Schlafberatung hilft Eltern, sich über die Entwicklung der Kinder klarer zu werden und durch kleine Stellschrauben Veränderungen zu schaffen, mit der sich alle Beteiligten wohlfühlen. Schlaf soll etwas Schönes sein, und da sind unbegleitete Tränen unangebracht. Darüber hinaus wenden sich Eltern an mich, wenn sie Schwierigkeiten im Umgang mit der Autonomiephase haben. Die Kinder durchleben ihre Gefühle nun sehr viel stärker, möchten autonomer und selbstbestimmter sein. Das ist für viele Eltern im Alltag, der voll mit Terminen und Erledigungen ist, eine große Herausforderung. Oft fällt es Eltern schwer, ihren eigenen Erziehungsstil zu finden und ihre Kinder in dieser Wut, Traurigkeit und dem Frust zu begleiten. Ihnen ist Sicherheit und Klarheit wichtig, und gleichzeitig wollen sie mit Liebe und Anerkennung erziehen.

Ist dort eine Verschiebung von Schwerpunkten festzustellen?

Legeit-Fidomski Das würde ich nicht sagen. Die Bedürfnisse der Kinder sind schon immer die gleichen. In meinen Augen beginnt sich jedoch der Blick auf unsere Kinder zu verändern. Viele Eltern entfernen sich von früheren Erziehungsstilen und wollen raus aus diesem familiären Machtverhältnis. Ganz gleich, in welchem Bereich der Entwicklung wir uns bewegen: Wenn wir anfangen zu versuchen, unsere Kinder zu verstehen, dann können wir lernen, einen Umgang damit zu finden. Wir bleiben mit ihnen in Verbindung, geben ihnen das Gefühl, dass sie gut sind, wie sie sind. Mit allen positiven und negativen Gefühlen. Begrenzungen werden als Orientierungshilfe und Struktur genutzt und nicht als Bestrafung.

Haben Sie noch andere berufliche Pläne?

Legeit-Fidomski Hauptberuflich fühle ich mich sehr wohl und angekommen. In meiner Selbstständigkeit werde ich mein Angebot auf lange Sicht erweitern. In Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Institutionen möchte ich (werdende) Eltern von Anfang an begleiten. Außerdem möchte ich zukünftig vermehrt auch das Fachpersonal erreichen. Themen wie schlafen, stillen und die frühkindliche Entwicklung bedürfen noch viel Aufklärung, damit Kinder naturgegeben begleitet werden können.

Wie finden Sie in der Freizeit Entspannung?

Legeit-Fidomski Da muss ich tatsächlich kurz nachdenken. Zum Entspannen versuche ich mich an den unterschiedlichsten kreativen Dingen, und ich lese gerne Bücher. Ausflüge mit meiner Familie genieße ich sehr.

Was lieben Sie an Straelen und Broekhuysen?

Legeit-Fidomski Als Stadtkind liebe ich die Ruhe und die ländliche Atmosphäre. Das Leben in Broekhuysen ist unglaublich familiär. Was kann es Schöneres geben, als die Haustür zu öffnen, Landluft zu riechen und sich der Natur hinzugeben?