Straelener Kinder lernen viel über Zero Waste

Unverpackt-Laden in Straelen : Kinder sind fit für „Zero Waste“

Melanie Dornis aus dem Unverpackt-Laden in Straelen gibt Tipps, wie Familien Müll vermeiden können. Die Grundschüler waren Feuer und Flamme und dachten dabei an die bedrohten Eisbären.

Plastiktüte oder Jute-Tasche, Wasser beim Zähneputzen laufen lassen oder besser nicht, baden oder duschen? Die Kinder der Klasse 2 b der Katharinenschule in Straelen wissen schon jede Menge, wie man nicht nur Wasser, sondern auch Müll spart.

Fast zwei Schulstunden lang erklärte Melanie Dornis, wie auch in den Familien viel dafür getan werden kann, damit es der Erde besser geht. Die Straelenerin hat einen Unverpackt-Laden. Was das ist, wussten die Schüler auch schon. „Ein Laden, wo man ohne Plastik und alles einkaufen kann“, sagt Maximilian. „Richtig, jeder bringt Gläser mit und füllt ab, was er gerade braucht“, erklärt die Ladeninhaberin. Ein paar Beispiele hat sie in ihrer großen Kiste direkt mitgebracht. Die Nudeln können in ihrem Laden genauso eingekauft werden wie Cornflakes. Wie viel Verpackung das spart, war schnell zu sehen. Die Cornflakes aus dem Supermarkt sind in Plastik eingepackt und haben auch noch einen Karton drumherum. Bei ihr im Laden gibt es das alles „ohne“.

Ihr ist es wichtig, dass sie auch als Händlerin plastikfrei einkauft. So kommen die Kekse, die sie lose verkauft, in großen Mehrwegbehältern zu ihr. Vieles andere ist in großen Papiersäcken zu ihrem Laden unterwegs, Waschmittel wird ebenfalls in Mehrwegsystemen geliefert. Außerdem gibt es in ihrem Laden alle nötigen Bausteine, um Reinigungsmittel herzustellen.

Bei ihr gebe es alles, was es sonst nur im Supermarkt in Plastik verpackt gibt, fasst sie das Angebot zusammen. Zum Beispiel Nudeln, Müsli, Gewürze. Die Deocreme und Bodylotion gibt es im Glas. Bienenwachstücher stehen als Alternative zur Frischhaltefolie im Regal, oder Zahnpulver statt Zahnpasta. „Wir können uns nicht mit Großstädten wie Düsseldorf vergleichen“, sagt die Straelenerin zum Angebot, das es übrigens erst seit einem halben Jahr im Ort gibt. „Aber sagt mir, was ihr braucht, und ich begebe mich auf die Suche“, gibt sie den Kunden mit auf den Weg. Obst und Gemüse gibt es nicht bei ihr im Laden, weil es den Gemüsehändler im Ort gibt und einen Wochenmarkt. Ansonsten gibt es alles für den täglichen Bedarf.

Ganz angetan sind die Kinder von den braunen Taschentüchern aus Bambus. „Die sehen so ganz anders aus“, sagt eine der Schülerinnen, die einen neugierigen Blick auf die mitgebrachten Sachen im Korb wirft. „Bambus wächst schneller als Holz und kann immer wieder geerntet werden“, nennt Melanie Dornis den Nutzen und warum diese Taschentücher nachhaltiger sind als die gebleichten Papiertaschentücher.

Um möglichst viel Papier zu sparen, lohnt es sich, auch morgens zum Bäcker eine Jute-Tasche mitzunehmen, gibt Melanie Dornis den Kindern einen Tipp. Die örtlichen Bäcker haben kein Problem damit, die Brötchen dort reinzulegen. Dadurch muss eine Papiertüte weniger in den Müll. Bei Obst und Gemüse braucht es ebenfalls kein Plastik. „Die Schale ist ja schon die eigene Verpackung vom Apfel“, erklärt die Straelenerin.

Die Kinder hören gespannt zu. Ein Mädchen erzählt die traurige Geschichte einer Walmutter, die ganz viel Plastikmüll im Bauch hatte und starb. Im Fernsehen und in den Zeitungen hatten die Kinder schon von dem vielen Plastikmüll im Meer gehört und gelesen. Wie wichtig es ist, erst gar keinen in die Natur zu werfen, wird deutlich, als Melanie Dornis mit ihnen ein Zahlenrätsel spielt. Dabei lernen die Kinder, dass ein weggeworfenes Blatt Papier zwei bis fünf Monate braucht, bis es in der Natur verrottet, ein Zigarettenstummel (von den Kindern kommt ein einstimmiges „Bäh“) liegt zehn Jahre rum, eine Plastikflasche 450 Jahre, bis sie sich in ihre Bestandteile auflöst. Deswegen: besser erst gar keinen Müll produzieren.

Maximilian weiß auch, wem es zugute kommt, wenn es der Erde besser geht. „Die Eisbären sind ganz bedroht vom Aussterben“, sagt der Zweitklässler. Ein paar Reihen vor Maximilian taucht die Frage auf, ab wann man denn mit Greta Thunberg protestieren gehen kann. „Sie will, dass die Menschen die Umwelt schützen“, erklärt Maximilian, wer die Initiatorin der „Fridays for Future“-Demonstrationen ist. Die Schüler der Klasse 2 b halten das mit dem Umweltschutz für eine sehr gute Sache. Auch Klassenlehrerin Petra Nerger ist begeistert: „Die sind hochmotiviert, das umzusetzen.“

Die Einladung an Melanie Dornis, die Klasse zu besuchen, ist aufgrund einer Elterninitiative zustande gekommen und war ein voller Erfolg. Am Ende des Vortrags stehen noch einige Schüler um die Straelenerin herum und löchern sie mit Fragen. Die Schüler haben jetzt jede Menge Ideen, was zu tun ist.