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Opa Jürgen Loosen erklärt seinen Enkelinnen die Welt

Die Opa-Kolumne : Lottas Interview und Lillys Schabernack

Wenn Lotta Interview-Premiere feiert und die kleine Lotta ihre ersten Sätze formuliert, ist Opa Jürgen Loosen mit Feuereifer bei der Sache.

Lottas Welt ist wieder halbwegs in Ordnung: Die stolze Siebenjährige hat ihren zweiten Schulstart erlebt. Nicht mehr nur „Homeschooling“ im unteren Gartengeschoss, alleine mit Frau Mama Studienrätin, nicht mehr nur Facetime-Videotelefonie mit Freundinnen sowie den Omas und Opa. Nein, den von der Patentante geschenkten Schulrucksack mit der rosafarbenen Prinzessinnenkrone zum ersten Mal im neuen Jahr gefüllt geschultert und (Masken-bewehrt, versteht sich) per pedes zum hehren Hort des Lernens aufgebrochen. Freudestrahlend der Hinweg, mindestens genau so gut gelaunt die Heimkehr nach der zweiten Premiere für die Erstklässlerin. Opa will es am Nachmittag genauer wissen und fragt dem Blondschopf mit einem Berufswunsch zwischen Ballett-Tänzerin und Zirkusartistin ein Loch in den Bauch. Lotta, die inzwischen eine ungefähre Ahnung von dem (ehemaligen) Beruf des Großvaters hat, fragt zurück: „Ist das jetzt ein Interview, Opa? Werde ich dann berühmt?“ Opa lacht und verneint: „So schnell geht das nicht“. Lotta antwortet, schon ganz Star in spe: „Gut, aber keine 5000 Fragen!“

Fragen beantworten lernt Cousinchen Lilly gerade im Eiltempo. Mit immerhin schon 19 Monaten saugt der in einer Art von Entengang-Spurt watschelnde Wirbelwind jegliche Form von Wissen auf wie Omas Schwamm den verschütteten Kaffee von Opa. Sie spricht jedes Wort nach, was ihr Eltern oder Großeltern beibringen – oder versucht es zumindest. Und der schnell wachsende Dreikäsehoch ist mittlerweile schon an der Stelle angelangt, an der es darum geht, Worte aneinander zu reihen, damit ein Satz entsteht. Mehr noch, Lilly kann mit diesem gerade erworbenen Können schon Schabernack treiben, ganz so wie einst Cousine Lotta. Zur Mittagszeit grinst sie schelmisch am Großeltern-Tag von Ohr zu Ohr, schaut aus ihrem Hochstühlchen heraus rundum satt und zufrieden den alten Herrn an und formuliert laut den Satz: „Opa Lilly Bett bringen!“ Der derart Angesprochene freut sich ein Loch in den Bauch, weil er das noch nie durfte. Und fragt zurück: „Soll ich dich denn jetzt ins Bett bringen?“ Lilly lacht, den Schalk im Nacken, und sagt: „Nein, lieber Oma...“

Jürgen Loosen war Leitender Regionalredakteur der RP für den Niederrhein. An dieser Stelle berichtet er alle paar Wochen von seinem Opa-Leben im Ruhestand. Foto: MvO