Kirchengemeinden im Kreis Kleve: Messdiener aus Leidenschaft

Kirchengemeinden im Kreis Kleve : Messdiener aus Leidenschaft

Warum werden Kinder heute Messdiener und warum wollen sie es auch bleiben, wenn sie älter werden? Für die Ministranten von St. Maria Magdalena in Geldern stehen Spaß und Gemeinschaft im Mittelpunkt.

Immer wenn ein anderes Kind am Sonntag keine Zeit hat, springt Leon Singendonk ein. Dann steht er pünktlich in der Sakristei von St. Maria Magdalena, zieht sich sein Messdienergewand an und schreitet dann mit dem Pastor Arndt Thielen raus in die Kirche. „Ich möchte einfach dass genug Messdiener hier sind und dass es eine schöne Messe wird“, sagt Leon. Am liebsten, sagt der Zwölfjährige, macht er den Gabendienst. Dann bereitet er auf dem Altar alles für die Kommunion in der Messe vor.

Nach der Kommunion hatte sich Leon bei den Messdienern angemeldet. Sein Vater war früher selbst Ministrant in der Kirche in Geldern. „Er hat oft davon erzählt und es hat ihm großen Spaß gemacht.“ Anfangs stand vor allem das Üben in der Kirche in den Gruppenstunden auf dem Plan. „Das war aber nicht so schwierig“, sagt Leon. „Aber bei meiner ersten Messe war ich sehr aufgeregt. Ich hab gedacht: Mach jetzt bloß nichts Falsches.“ Doch am Ende sei alles gut gegangen. Und mittlerweile läuft der Messdienst wie von allein.

Aber zum Hobby Messdiener gehört noch viel mehr, als in die Kirche zu gehen. „Es ist nicht nur beten und Dienen üben“, sagt Theresa Gerads. Die 26-Jährige ist Messdienerleiterin in St. Maria Magdalena. „Diesen Stempel gibt es aber durchaus noch.“ Ausgelacht wurde Leon noch nie, weil er regelmäßig in die Kirche geht, sagt er. Manchmal bringt er sogar auch Freunde mit in die Gruppenstunden. „Dann bleibt schon mal der ein oder andere bei uns hängen“, sagt Theresa Gerads. Auch Leon hat bei seiner Schwester schon Werbung gemacht, sie will sich nach der Kommunion auch bei den Messdienern anmelden.

Generell funktioniere ein intaktes Messdiener-Leben in einer Kirchengemeinde nur über Gemeinschaft und Beziehungsarbeit, sagt die 26-Jährige. „Wir haben viele wiederkehrende Aktionen wie ein Schlittschuhwochenende und Oster- und Herbstangebote“, sagt Theresa Gerads. „Aber wir denken uns auch immer wieder Neues aus, damit es interessant bleibt.“

So empfindet es auch Katharina Krysmann von St. Marien in Kevelaer. Die 23-Jährige kümmert sich um als Messdienerleiterin um eine Gruppe von vier Mädchen im Alter von 15 und 16 Jahren. „Da muss man als Leiter schon ein bisschen kreativ sein“, sagt sie. Plätzchen backen, Eis essen, Billard oder Kicker spielen steht bei ihr auf dem Programm. „Wichtig ist auch, die Kinder selbst zu fragen, was sie gerne machen wollen.“ Generell sei Messdiener aber eine Freizeitbeschäftigung, die sich gut mit anderen Aktivitäten vereinbaren lässt. „Es ist ein schönes Hobby, es kostet nicht zu viel Zeit“, sagt Theresa Gerads. „Bei einer Gruppenstunde in der Woche kann man auch noch nebenbei Fußballspielen.“

Ganz besonders seien für die Gelderner vor allem die Lager. Jedes Jahr in den Sommerferien geht es für die Messdiener zwei Wochen lang raus aus Geldern, dieses Jahr nach Ergershausen in Rheinland-Pfalz. Etwa 40 Kindern und 20 Betreuer machen sich dann gemeinsam auf die Reise. Zwei Wochen ohne Eltern – das schweißt zusammen. Aber auch Feste wie Ostern sind etwas Besonderes für die Gemeinschaft. Dann stehen nicht nur vier Messdiener vorne am Altar, sondern sie sind in der ganzen Kirche verteilt. Mit Weihrauch und Kreuz ziehen sie ein, sie sind dabei, wenn das Osterfeuer gesegnet und die Osterkerze entzündet wird. „Ostern ist für uns das wichtigste Fest und es ist wichtig, dass das gemeinsam zelebriert und gefeiert wird“, so Gerads.

Dass sich der Glaube mit dem Alter und der Pubertät verändert und mitunter auch bröckelt, ist den Messdienerleitern bewusst. „Es ist ein schmaler Grat zwischen Spaß und Ernsthaftigkeit“, sagt Theresa Gerads. Von neun bis 16, wenn die Messdiener dann zu Leitern werden, sei eine lange, spannende Zeit. „Da ist jeder Leiter gefragt, die Kinder zu begleiten, mit ihnen über aktuelle Themen zu sprechen, auch über die Pubertät“, sagt die 26-Jährige. „Kirche heißt ja nicht nur Beten, sondern ist für uns auch Pädagogik. Als Leiter versuchen wir, auch Vorbild zu sein und zu zeigen, wie es gehen kann.“

Katharina Krysmann glaubt, dass vieles auch über die Gruppe funktioniert. „Oft lässt mit 14, 15 die Motivation der Jugendlichen nach, in die Kirche zu gehen“, sagt sie. „Aber dadurch, dass wir eine gute Gemeinschaft sind, raffen sie sich oft gegenseitig auf.“ In aller erster Linie, sagt Leon Singendonk, geht es ihm um den Spaß. Theresa Gerads und Katharina Krysmann verbinden die Gemeinschaft mit den Messdienern. Und das geht ja meist Hand in Hand.

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