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Marion Claaßen von der Beratungsstelle Impuls über häusliche Gewalt.

Die Frauen-Kolumne : Bei häuslicher Gewalt muss genauer hingeschaut werden

Wenn sich Elternpaare trennen, müssen Frauen und Kinder oft noch lange unter dem Verhalten der Männer leiden. Die Expertin fordert Änderungen.

Nach der Trennung eines Elternpaares, bei dem es im Vorfeld zu häuslicher Gewalt gekommen ist, stellt sich unweigerlich die Frage: Wie geht es weiter mit dem Recht des Vaters auf Umgang mit dem Kind? Allzu oft erleben wir, dass das Thema häusliche Gewalt hierbei weitestgehend ausgespart oder kleingeredet wird. Hinweise von Müttern und beteiligten Institutionen werden wenig ernstgenommen, geht es ja um das Recht des Vaters, einen Umgang mit seinem Kind zu haben. Die betroffenen Mütter werden in der Regel angehalten, wirklich alles zu tun, um dieses Recht auch entsprechend durchzusetzen. Das bedeutet, dass Frauen und Kinder sich weiterhin mit dem Täter auseinandersetzen müssen, diesen in den neuen Alltag integrieren müssen, auch wenn sie zuvor sowohl physischer als auch psychischer Gewalt und in vielen Fällen auch sexualisierter Gewalt ausgeliefert waren. Kinder werden hierdurch in ihrem Sicherheitsgefühl erschüttert, sie fühlen sich ausgeliefert, aber auch verantwortlich für das, was sie beobachtet haben. Schlafstörungen, Ängstlichkeit, Aggressivität, Schulschwierigkeiten und Entwicklungsverzögerungen können neben der Traumatisierung eine Folge sein für Kinder, die über lange Zeit der Gewalt des Vaters gegen die Mutter ausgesetzt waren. Obschon also hinlänglich bekannt, dass Betroffene von häuslicher Gewalt für ihr weiteres Leben einen mehr oder minder großen Schaden davontragen, wird ihnen die Möglichkeit der Einflussnahme hier nur in begrenztem Umfang eingeräumt. Es liegt bei ihnen, die notwendigen Beweise zu erbringen. Die Täter hingegen können weiterhin frei agieren, können ihre Rechte einfordern und den Betroffenen weiterhin in vielerlei Hinsicht das Leben schwer machen. Aus meiner Sicht ist es endlich an der Zeit, genauer hinzusehen und vor allem genauer hinzuhören und ernst zu nehmen, was Betroffene von der erlebten Gewalt berichten. Und es ist auch an der Zeit, diesem Umstand im Hinblick auf das Umgangsrecht sensibler zu begegnen. Damit wäre den Betroffenen schon ein ganzes Stück weitergeholfen.