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Maren Haukes-Kammann von Impuls über Sprache und Geschlechter.

Die Frauen-Kolumne : Gendern – warum es sich lohnt, darüber nachzudenken

Maren Haukes-Kammann von der Frauenberatungsstelle Impuls im Kreis Kleve ist der Meinung, dass es nicht reicht, andere Geschlechter als das männliche jeweils nur „mitzumeinen“.

Ein aktuelles, aber durchaus sehr umstrittenes Thema ist die Notwendigkeit und Nutzung der Gendersprache. Möglichkeiten der Aussprache und Schreibweise haben sich über die Jahre vielfältig entwickelt. So gibt es beispielsweise: Leser*innen, LeserInnen, Leserinnen und Leser und Lesende.

Die Motive und Meinungen zur Verwendung von Gendersprache sind sehr verschieden. Es gibt viel Kritik, zum Beispiel, dass unsere Sprache verschandelt werde, es zu kompliziert sei, und der wohl bekannteste Satz ist vermutlich: „… natürlich sind Mädchen und Frauen mitgemeint“. Was ist mit den Menschen, die sich weder als männlich noch als weiblich identifizieren? Und reicht es aus, bestimmte Gruppen „mitzumeinen“?

 Maren Haukes-Kammann ist Sozialwissenschaftlerin und arbeitet bei der Frauenberatungsstelle IMPULS im Kreis Kleve.
Maren Haukes-Kammann ist Sozialwissenschaftlerin und arbeitet bei der Frauenberatungsstelle IMPULS im Kreis Kleve. Foto: Haukes-Kammann

Wenn wir uns tiefer und intensiver mit Sprache als Spiegel unseres Denkens und Handelns und als Abbild unserer kulturellen Prägung auseinandersetzen, wird deutlich, dass mit dem Zusatz „mitgemeint“ das Fehlende nicht vollständig integriert werden kann. Sprache drückt viel mehr aus, als uns im ersten Schritt bewusst ist. Sprache erzeugt Bilder in unseren Köpfen, stößt Gedankengänge an, sagt etwas über uns selbst und unsere gesellschaftliche Prägung aus, Sprache verbindet und grenzt aus.

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Ich lade Sie – an einem Beispiel der Wissenschaftlerin Annabell Preussler – zu einem kleinen Sprachexperiment ein: Ein Vater und sein Sohn sind mit dem Auto unterwegs und werden bei einem Unfall schwer verletzt. Der Vater stirbt auf dem Weg ins Krankenhaus, der Sohn muss sofort operiert werden. Bei seinem Anblick erblasst der diensthabende Chirurg und sagt: „Ich kann ihn nicht operieren – das ist mein Sohn!“ Wer ist diese Person? Nehmen Sie sich einen Moment, um diese Frage zu beantworten. In Ihrem Kopf entstehen einzelne Bilder, die Sie nun versuchen, logisch zusammen zu bringen. Die Antwort lautet schlichtweg: Es ist die Mutter. Ich bin mir sicher, dieses innere Bild war nicht das erste in Ihrem Kopf. In den Köpfen von mir und meiner Familie gab es den Gedanken jedenfalls nicht. Stattdessen erlebten wir, wie die Nutzung der Sprache unsere Gedanken und Vorstellungen beeinflusst und dass wir keineswegs automatisch mitdenken, was möglicherweise fehlt. Auch wenn gendergerechte Sprache in der Praxis schwer über die Lippen geht, so halte ich sie für einen grundsätzlich respektvollen, Vielfalt abbildenden und zu Offenheit und Toleranz bekennenden Gedanken. Ein guter Gedanke, wie ich finde. Ich denke, wir sollten uns häufiger bemühen, weniger „mitzumeinen“ und stattdessen mehr zu benennen, um alle Menschen gleichermaßen anzusprechen und zu erreichen.

Maren Haukes-Kammann ist Sozialwissenschaftlerin und arbeitet bei der Frauenberatungsstelle Impuls im Kreis Kleve.
Foto: Haukes-Kammann