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Lehrer-Kolumne: Ewald Hülk über die Testbescheinigungen an Schulen

Die Lehrer-Kolumne : Test in Schulen spart bare Münze

Dass die Lehrer neuerdings ihren Schülern bescheinigen sollen, dass ihr Corona-Test negativ war, geht Lehrer Ewald Hülk dann doch zu weit.

Menschen, die mich kennen, wissen, dass ich positiv denkend, hilfsbereit und keinesfalls ein Nörgler bin. Ich kann daher jeden gut verstehen, der es begrüßt, dass wir Lehrer Schülern, die sich in der Schule gewissenhaft und eigenständig negativ auf eine Infektion mit Corona getestet haben, dieses auch bescheinigen. Warum sollen sie dafür dann noch extra ein Testzentrum aufsuchen, um ins Fitnessstudio oder in ein Lokal zu gehen?

Aber werfen wir mal einen Blick in die Realität. Ich bin verantwortlich für 91 Schüler, die sich zweimal wöchentlich unter Aufsicht eines Lehrers in insgesamt vier Klassenräumen zeitgleich selbst testen. Anders als in einem Testzentrum, in dem eine 1:1-Betreung unter geschulter Aufsicht stattfindet, führen das nun Lehrer in einem eher knapp bemessenen Klassenraum durch. Da wird zeitgleich genießt, da wird geprustet, da wird kräftig ein- und ausgeatmet – alles ohne Maske, und das auf engem Raum. Ich unterstelle mal, dass die Protagonisten aus der Staatskanzlei, dem Schul- und dem Gesundheitsministerium in NRW nicht darauf erpicht sind, genau dort dann anwesend zu sein. Aber wir Lehrer machen das. Warum? Wir sind ja schließlich Beamte, also Staatsdiener. Und wenn unsere Schüler durch die Bescheinigung einen Vorteil haben – okay!

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Aber ist das Zertifikat, das wir als ungeschulte und vielfach noch nicht ausreichend geimpfte Personen unter diesen Rahmenbedingungen ausstellen dürfen, ein Beleg für das große Vertrauen, das man uns entgegenbringt? Mitnichten! Und warum?

Ab Juni testen sich meine 91 Schüler bis zu den Sommerferien zehnmal in der Schule. Würden sie genauso oft in ein öffentliches Testzentrum gehen, würde das dem Land NRW mehr als 10.000 Euro kosten. Richtig gelesen: mehr als 10.000 Euro alleine für meine 91 Schüler! Rechenfüchse mögen nun ermitteln, wie viel das Land durch diese Lehrerbescheinigungen landesweit einspart.

Ich habe einen Vorschlag: Natürlich nicht wir Lehrer beanspruchen diese Summe für uns. Aber es wäre eine feine Geste, wenn zumindest ein Teil dieses Geldes den Schulen für das kommende Schuljahr zur Verfügung gestellt würde: für zusätzliche Förderkurse, um Schüler, die wegen Corona Lücken haben, fit zu machen. Oder für digitale und gerne auch für analoge Medien. Dann wären alle glücklich!

Ewald Hülk unterrichtet als Studiendirektor die Fächer Französisch und Biologie am Berufskolleg Liebfrauenschule in Geldern. Foto: Hülk