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Lehrer Ewald Hülk berichtet über das digitale Lehrerzimmer

Die Lehrer-Kolumne : Digitale Geselligkeit

Digitale Meetings sind ja gut und schön, findet unser Autor. Noch schöner aber sei der persönliche Kontakt. Das gilt auch für Lehrer.

Für uns Lehrer war es eine völlig ungewohnte Situation. Recht viele von uns hatten richtig Entzug. Warum? Wir sind ein geselliges Kollegium. Jeder kann gut mit jedem. So ist der Geräuschpegel im Lehrerzimmer in den Pausen immer immens hoch. Da gibt es keine festen Plätze, da redet jeder gerne mit dem, der gerade neben ihm sitzt. Und wenn man unterschiedlicher Meinung in schulischen Dingen ist, dann ist die Diskussion stets sachorientiert und niemals persönlich.

Und dann kam Corona, der Geselligkeitskiller. Der große Konferenzraum wurde zusätzliches Lehrerzimmer, und um Kontakte komplett herunterzufahren, hatte jeder seinen festen Platz – Mindestabstand 1,50 Meter. Soziales Miteinander fand nicht mehr statt.

Da kam unserem Lehrerrat eine grandiose Idee: Warum immer nur Videokonferenzen mit der Klasse oder aber zu rein dienstlichen Zwecken machen? Er lud daher unser Kollegium zu digitalen Plauderstunden in diverse Online-Lokalitäten ein: in die Weinstube, in Räume, die „Kölscher Klüngel“, „Ratsch und Tratsch“ und „Ferienzeit“ hießen und die man beliebig aufsuchen und auch wieder verlassen konnte, um einen Raum weiterzugehen. Der Andrang war groß, und was für Lehrer untypisch ist: Es wurde nicht über Schule gesprochen, sondern über „Gott und die Welt“. Darüber, was sich familiär in den vergangenen Monaten getan hatte. Darüber, dass man den Ski- oder Osterurlaub storniert oder dass man einige Pfunde zugesetzt habe und sich nach dem Fitnessstudio sehne. Aus einer Stunde wurden schnell zwei und sogar drei. Es tat richtig gut, sich so mit den lieben Kolleginnen und Kollegen auszutauschen. Dass es bei diesem einen digitalen Kollegiumsabend nicht bleiben durfte, stand daher schon am nächsten Tag fest.

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Aber so schön diese Abende auch waren: Es kann nun ja sein, dass nach den Ferien eine direkte Kommunikation wie vor Corona wieder möglich ist. Und das ist dann doch geselliger als jedes noch so schöne digitale Meeting.

Ewald Hülk unterrichtet als Studiendirektor die Fächer Französisch und Biologie am Berufskolleg Liebfrauenschule in Geldern. Foto: Hülk