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Kolumne: Jana Rogmanns Plädoyer für das Gendersternchen

Die Studierenden-Kolumne : Viel Lärm ums Sternchen

Zunächst hielt unsere Autorin das Gendersternchen für ein lästiges Satzzeichen. Mittlerweile ist sie überzeugt, dass es ein aktiver Schritt in Richtung Gleichberechtigung sein kann.

Seit einiger Zeit hat sich ein Satzzeichen still und heimlich in unsere Sprache eingeschlichen: Das Gendersternchen. Jetzt gibt es nicht nur „Politiker“, sondern manchmal auch „Politiker*innen“ und in meinen Zoom-Sitzungen finden sich lauter Student*innen. „Was soll das?“, regten meine Freundinnen und ich uns zunächst auf. Das sei „voll unnötig“, weil sowieso „immer alle mitgedacht sind“.

Dann begegnete mir in einem Seminar zur Sprachwissenschaft diese Geschichte: „Ein Vater fährt mit seinem Sohn auf der Autobahn. Bei einem Unfall stirbt der Vater, und der Sohn kommt ins Krankenhaus. Dort wird er in den OP geschoben, als einer der operierenden Ärzte aufschreit: ‚Das ist mein Sohn!‘“. Kann nicht sein? Doch – der gemeinte Arzt ist die Mutter des Kindes und war in der Sprache doch nicht vollständig mitgedacht.

Genug Gründe fürs Gendern, dachte ich mir, und begann das Sternchen wild auf mein Umfeld zu werfen. Die Entscheidung, konsequent auch die ‚andere Hälfte der Menschheit‘ in der Sprache sichtbar zu machen, blieb jedoch alles andere als unbemerkt und unkommentiert. Es folgten viele verwirrte Blicke und ausartende Diskussionen mit meinen Freund*innen, Mitbewohner*innen und meiner Familie. Dabei hat Sprache reale Auswirkungen auf unser Leben. Beispielsweise bewerben sich Frauen eher auf Stellenausschreibungen, wenn auch die weibliche Form genannt wird. Dazu zeigte eine Studie der FU Berlin, dass bereits Kinder sich eher zutrauen, „typisch männliche Berufe“ zu ergreifen, wenn gendergerechte Bezeichnungen verwendet werden. Das Gendersternchen ist also nicht nur ein lästiges Satzzeichen, sondern kann auch ein aktiver Schritt in Richtung Gleichberechtigung sein: Länder mit genderneutraler Sprache wie Englisch weisen eine 15 Prozent höhere Beteiligung von Frauen am Arbeitsleben auf.

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Inzwischen wirft mir mein Papa einen besorgten Blick zu, wenn jemand nach meinem „Leben als Student“ fragt, und diese Studentenkolumne ist – nach vielen bettelnden E-Mails – zur Studierendenkolumne geworden.

Jana Rogmann, 20 Jahre alt, kommt aus Kevelaer und studiert im dritten Semester Komparatistik und englische Literatur in Bonn. An dieser Stelle berichtet sie alle paar Wochen von ihrem Leben als Studentin.
Foto: Rogmann