Kolumne der Familienmanagerin: Was tun, wenn Opa stirbt?

Die Familienmanagerin : Wenn einer geht

Kinder haben grundsätzlich ein anderes Zeitgefühl als Erwachsene. Morgens beim Fertig machen, mittags, wenn es darum geht, die Hausaufgaben zu machen und abends beim Zubettgehen. Doch leider gibt es eine Zeiteinheit, die für Kinder und Erwachsene gleichermaßen unbegreiflich ist: die Endlichkeit.

Vergangene Woche ist der geliebte Opa gestorben. Die Familie steht nun vor einer Situation, in der alle Hinterbliebenen ganz unterschiedlich mit dem Thema Tod umgehen. Jeder darf auf seine Art und Weise trauern. Wem nach Weinen zu Mute ist, der darf weinen. Wer sich zurückziehen möchte, der darf auch das. Wichtig ist nur, dass sich keiner mit seinem Kummer alleine fühlt.

Was bleibt, ist eine Schatzkiste voll bunter Erinnerungen. Meine Söhne sagten: „Jetzt können wir gar nicht mehr die Witze von Opa hören“. Ja, sie klingen jetzt nur noch in uns und wenn wir über Opa erzählen. Danach sagte Béla gleich: „Aber dafür weiß Opa jetzt, was nach dem Tod passiert“. Ich bin gerührt und so stolz auf meinen „Kleinen“, der so tiefe Gedanken hat wie ein großer, weiser Mann. Ich habe meinen Kindern gesagt, dass wir alle Gedankenbriefe an Opa schicken können. Wenn er im Himmel angekommen ist, dann hat er schon ganz viel Post. Manche denken jetzt vielleicht, dass man Kindern so etwas nicht erzählen sollte, da sie selber nicht an Himmel, Gott oder Engel glauben. Aus eigener Erfahrung weiß ich aber, dass es mir gut getan hat. Meine Mama ist 1988 gestorben. Damals war ich 12 Jahre alt.

Bei der Beerdigung habe ich zwar den Sarg gesehen, aber ich konnte mir nicht vorstellen, was passiert ist. Die Vorstellung, dass sie für immer weg ist, konnte ich mir einfach nicht vorstellen. Darum möchte ich, dass meine Kinder wissen, dass der Körper zwar begraben wird, aber das, was den Menschen ausgemacht hat, in den Himmel steigt. Ihr Lachen, ihr Wesen, ihre Güte mit der sie uns begegnet sind. So wird es auch bei Opa sein.

Wir schicken ihm Gedankenbriefe, in denen wir ihm schreiben, wie sehr wir ihn vermissen. Dass er immer einen Platz in unserem Herzen hat. Aber, dass weiß er sicher schon.

Anke Kirking lebt mit ihren beiden Söhnen – sechs und zehn Jahre alt – in Geldern. Regelmäßig berichtet sie hier von ihrem Leben als Familienmanagerin. Foto: Kirking