Freibad in Kleve : So ist das neue Sternbuschbad

Seit zwei Wochen hat das nagelneue Klever Freibad geöffnet. Die ganze Familie soll sich wohlfühlen. Unser Autor hat das Sternbuschbad getestet. Sein Fazit: Dort lassen sich sogar 40 Grad Celsius ertragen.

Drei heiße Sommer lang mussten es die Wasserratten im Kleverland ohne Freibad aushalten. Nun aber hat das Sternbuschbad wieder eröffnet – und erstrahlt in millionenteurem Glanz. Unser Autor hat sich vor Ort umgesehen und einen Nachmittag der sengenden Hitze getrotzt.

Es gibt Dinge, die ändern sich wohl nie. Das gilt wohl auch für die Eingangsschlange am Freibad. Beim „alten“ Sternbuschbad stand man eine gefühlte Ewigkeit in der Hochsommersonne und erfreute sich über jeden Zentimeter, den es voran gen Planschbecken ging. Nun das gleiche Bild: 50 kopfschüttelnde Badegäste haben sich eingereiht, irgendwie erwischt man ohnehin immer einen schlechten Moment zum Anstellen. Dabei geht es an der Kasse mittlerweile schneller: Die Eintrittskarten werden in Windeseile aus einer Maschine gespuckt, früher wurden die noch von einem Wertmarkenblock abgerissen – schwere Handarbeit. Die Preise im Sternbuschbad sind moderat: Sechs Euro für einen Erwachsenen. Der Eintritt für Begünstigte liegt bei 3,50 Euro, für ein Familienticket werden 13 Euro aufgerufen. Mittlerweile kann man gar mit der EC-Karte zahlen. Daher auch die langen Schlangen: Das schnelle Bargeld liegt bei den niederländischen Besuchern nicht im Trend. Und die sind in der Mehrheit: Manfred Pitz, leitender Schwimmeister im Freibad, erklärte jüngst: „80 Prozent der Badegäste sind Niederländer.“

Zu allererst geht es mit Rucksack und Badelatschen in die markant grünen Umkleideräume. Die Kabinen sind kaum größer als ein Quadratmeter. Sei es drum: Das T-Shirt ist schnell aus-, die Badehose und der Bikini schnell angezogen. Immerhin ist es sauber, sogar der Boden. Früher war der noch bekannt für saftig-gelben Belag. Auch für den Rucksack gibt es einen passenden Aufenthaltsort. Zwei Euro für den Spind, dort sind Geldbörse, Schlüssel und Mobiltelefon sicher verstaut. Den Spindschlüssel sollte man allerdings fest an sein Handgelenk binden.

Weiter geht es auf die Wiesen des Sternbuschbads. Die Platzauswahl ist riesig, das 44.000-Quadratmeter-Gelände unübersichtlich. An die nötigen Schattenplätze haben die Architekten gedacht, dutzende Bäume wurden gepflanzt. Nur sind diese noch recht jung, sie fungieren eher als Schattenplatz für Einzelne. All jene, die erst zur Mittagszeit auftauchen, haben keine Chance mehr auf einen Platz außerhalb der tropisch-drückenden Sonne. Gemieden wird allerdings großflächig der Rasen rund um den Beachvolleyball-Platz. Dort investieren meist junge Badegäste jene Energie, die ihnen von der Hitze nicht geraubt wurde. Da die leichten Bälle im Wind ihr Ziel allerdings regelmäßig verfehlen, sollten sich Sonnenanbeter von der Sandfläche möglichst fernhalten. Da der Rasen im Sternbusch noch jung ist, sind zudem einige Flächen sandig bis matschig. Auch diese gilt es zu meiden.

Auf zum Badespaß: Der Sprung vom Fünfer bleibt purer Nervenkitzel. Dann, wenn die Verwunderung darüber, wie hoch fünf Meter sein können, zu Kopf steigt, signalisiert der freundliche Aufseher der DLRG per Handzeichen, dass man den Betrieb nicht länger aufhalten solle. Wenige Millisekunden später schon ist die Gaudi vorbei. Glücklicherweise fällt man weich und 21 Grad kühl. Zum Vergleich: Der Mehrzweckbereich wird auf 25, das Nichtschwimmerbecken auf 26 Grad Celsius geheizt. Auch die Kleinsten kommen auf ihre Kosten. Zwar ist der Spielplatz ob der aktuell sengenden Hitze eher mäßig besucht. Zu bieten aber hat er einiges: kleine Klettergerüste, Schaukeln, Sandkästen. Im Baby- und Nichtschwimmerbecken spritzt sich die Armee der Schwimmflügel-Wasserratten nass. Für sie wurden kleine Rutschen und Wasserfontänen installiert. Ein weiterer Höhepunkt für Ausgewachsene: das Strudelbecken. Mit knapp 50 anderen wird man durch die künstlich erzeugte Unterwasserströmung gezogen. Spannung pur, zumindest für zwei Runden. Dann ist man das Gedränge und die Monotonie des Kreises satt.

Was darf bei einem Freibadbesuch auf keinen Fall fehlen? Die Pommes Rot-Weiß. Dafür kommt Wirtin Bettina Berzen mit ihrem Team auf. Unter größtem Stress und, so sagt sie, bei mindestens 60 Grad. Der Grund: Fritteusen und Grills heizen die Küche auf. Die Portion Fritten aber belohnt das Warten. Für den besonderen Pfiff sorgt eine Übermenge an Salz, die nur an solch heißen Tagen wie zuletzt wirklich schmackhaft ist. Ohnehin gilt: Eine kräftige Portion Mayo und Ketchup über die frittierten Kartoffeln, und das Geschmackserlebnis ist gerettet. Ansonsten bietet Berzen das gesamte Portfolio von Frittiertem und Gefrorenem an: Wassereis, Frikandel, Kratzeis, Krokette, Eistee. Für beinahe jeden Geschmack ist etwas dabei.

Das Fazit: Der Charme des Sternbuschbads hat sich kaum verändert. Seine Präsentation aber sehr wohl: Heute erstrahlt das Kombibad in modernem Glanz. Das Kleverland ist endlich wieder um ein waschechtes Familienbad reicher.