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Jürgen Loosen berichtet aus seinem Alltag als Großvater

Die Opa-Kolumne : Wo Lotta und Lilly Seilbahn fahren

Was die kleinen von den großen Kindern lernen können – und warum man keine Angst vor Feuerspuckern, wohl aber vor Clowns haben sollte.

Lotta lernt Vorbild. Mit stolzen sieben Jahren wird das auch Zeit. Cousinchen Lilly, mittlerweile auch schon 26 Monate zählend, schaut sich alles ab, was Lotta so veranstaltet – und versucht es selbst, versteht sich. Was regelmäßig dazu führt, dass der innerfamiliär als Kindergarten-Cop verhohnepiepelte Opa warnend seine Stimme erhebt: „Lotta, nicht so hoch klettern. Das ist für Lilly zu gefährlich!“ So oder so ähnlich.

Ob Fußball spielen, Barbies baden, Bücher lesen, Sofas erklettern oder auf Spielplätzen turnen und balancieren – der kleine Lockenkopf schaut auf zur viel größeren Langhaar-Blondine und saugt alles auf wie Omas Schwamm. Zum Beispiel neulich, im Garten der Großeltern, wo sich Bettwäsche und Decken auf einer Wäschespinne von der Sonne trocknen ließen. Lilly kam, sah und sprang mit einem schmetternd gejauchzten „Seilbahn fahren“ an eine Decke, die mitsamt dem hängenden Dreikäsehoch tatsächlich eine halbe Runde drehte. So macht es Vorbild Lotta schließlich auch auf dem Kinderspielplatz, nur nimmt die tatsächlich eine Seilbahn und nicht Omas Bettwäsche.

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Tatsache ist: Lotta hat längst großschwesterliche Gefühle für das Cousinchen entwickelt, erklärt ihr die Welt, wo immer es geht. Und passt so gut auf, dass selbst Opa keine Schweißausbrüche mehr bekommt. So richtig in ihrem Element war die Große dann, als es hieß: Der Zirkus ist in der Stadt, wir machen einen Familienausflug. Denn zum einen konnte sie Lilly per Video vorführen, wie sie in den großen Ferien an einem Zirkusprojekt teilgenommen und bei der Aufführung Artistik und Jonglier-Kunststücke dargeboten hatte, was Lilly Bauklötze staunen ließ. Und zum anderen erklärte sie der Kleinen, dass sie keine Angst vor Feuerspuckern haben müsse. Denen traute Lotta bei ihren Zirkus-Besuchen der Vorjahre nämlich  nicht über den Weg. Natürlich nur, bis sie groß war.

Dann war der ersehnte Tag da. Lilly hatte vor lauter Aufregung ihren Mittagsschlaf sausen lassen und nahm mit leuchtenden, fast ungläubig dreinblickenden  Augen Platz, Mama und Lotta neben sich. Zum ersten Mal in ihrem Corona-beeinträchtigten Leben schnupperte sie Zirkusluft. Bis der Clown kam, groß und rot und wild und laut. Lilly schluchzte, weinte und ließ sich nicht beruhigen. Mama musste mit ihr vors Zelt. Bis die Nummer mit dem Spaßmacher vorbei war. Dann kehrten beide zurück, Lilly wieder freudestrahlend. Opa fragte besorgt, was denn los war, und Lilly antwortete: „Der Clown ist zu laut. Der soll nach Hause gehen!!!“

Jürgen Loosen war Leitender Regionalredakteur der RP für den Niederrhein. An dieser Stelle berichtet er alle paar Wochen von seinem Opa-Leben im Ruhestand. Foto: MvO