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Jana Rogmann schreibt die Studierenden-Kolumne

Die Studierenden-Kolumne : Mal wieder tanzen

Jana Rogmann schreibt in ihrer Kolumne über die schönste Zeit ihres Lebens, die allerdings gerade wegen Corona etwas ins Wanken geraten ist.

Mein letzter Besuch in einem Nachtklub ist jetzt genau ein Jahr her. Wir haben das Ende des Semesters und das Leben gefeiert. Unmittelbar sprudeln Erinnerungen in mir hoch: Sich etwas Besonderes anziehen, neue Leute kennenlernen, den einen oder anderen ekeligen „Shot“ trinken und tanzen, bis es draußen wieder hell ist. Bei einer kleinen Umfrage unter meinen Freundinnen ist „mal wieder tanzen gehen“ auf Platz eins der Dinge, die sie gerne machen wollen. Viele möchten auch ihr Studium verlängern, um noch ein bisschen länger „das Studierendenleben“ auszukosten.

Wenn ich ehrlich bin, mag ich dichte Menschenmengen gar nicht so gerne und möchte immer um zwei Uhr gehen. Trotzdem habe auch ich ständig das Gefühl, etwas zu verpassen. Dieses Gefühl er­wischt mich in den verschiedensten Momenten. Wenn ich Silvester das erste Mal seit fünf Jahren wieder mit meinen Eltern feiere; wenn ich mit einer Freundin im Kalten spaziere, statt in einem warmen Café Schokoladenkuchen zu essen; wenn ich am 23. Dezember vor meinem Laptop sitze, statt im dichten Gedränge der Kneipe zu stehen und Leute von früher zu treffen.

Das Gefühl, etwas zu verpassen, betrifft alle Menschen momentan, aber die Jugendlichen und jungen Erwachsenen besonders. Uns wird durch unser Umfeld und die Medien ständig vermittelt, dass es DIE Zeit in unserem Leben sein sollte. Ständig heißt es: „Du musst DIE Zeit der Freiheit und Unbeschwertheit in deinem Leben genießen, solange es noch geht.“ Doch gerade diese Werte und der damit erzeugte Druck stehen im Kontrast zu der derzeitigen Situation. Die Pandemie schränkt nichts so sehr ein wie die Freiheit und Unbeschwertheit. Aber ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben: Irgendwann werden wir wieder zusammen singen und mit fremden Menschen Discofox tanzen. Und dann geht ‚die beste Zeit unseres Lebens‘ weiter wie versprochen. Dieses Jahr beenden wir das Semester jedenfalls gemeinsam mit einem Glas Wein vor dem Laptop.

Jana Rogmann, 19 Jahre alt, kommt aus Kevelaer und studiert im dritten Semester Komparatistik und englische Literatur in Bonn. An dieser Stelle berichtet sie alle paar Wochen von ihrem Leben als Studentin. Foto: Privat