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Frauen-Kolumne: So teuer kommt uns "häusliche Gewalt" zu stehen

Die Frauen-Kolumne : Das kommt uns teuer zu stehen

Eine sinnvolle und hilfreiche Investition in die Zukunft ist vor allem die finanzielle Absicherung der bereits vorhandenen Fachstellen, die sich mit dem Thema seit Jahrzehnten auseinandersetzen.

In diesen Zeiten reden wir viel über steigende Kosten und ja, vieles ist bereits teurer geworden – nicht nur die Kosten der Lebenshaltung, sondern auch die der Lebenserhaltung – beispielsweise nach erlebter häuslicher Gewalt.

Die direkten Kosten beliefen sich nach einer Studie der Technischen Universität Cottbus aus dem Jahr 2017 schon damals auf 803 Millionen Euro – bezogen auf die Arbeit von Polizei, Justiz, Frauenhäusern und Beratungsstellen und im Gesundheitswesen. Hinzu kamen die indirekten Kosten infolge dieser Form von Gewalt, die sich auf 1,95 Milliarden Euro beliefen und sich aus den Kosten für Krankheit, Arbeitslosigkeit, externer Hausarbeit und Traumata bei Kindern zusammensetzten.

Diese Zahlen finden sich unter anderem auch in dem Buch „Was Männer kosten“ von Boris von Heesen, das im Mai dieses Jahres erschienen ist und aus meiner Sicht eindrücklich aufzeigt, welche immensen Summen allein durch „häusliche Gewalt“ bisher verschlungen wurden und uns in Zukunft sicherlich noch weitaus teurer zu stehen kommen werden. Insgesamt spricht der Autor von einer Summe von 63 Milliarden Euro, die jährlich von uns allen aufgebracht werden muss, um für die Folgen eventuell unbehandelter eigener Traumata oder auch falsch verstandener Männlichkeit geradezustehen.

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Eine sinnvolle und hilfreiche Investition in die Zukunft ist daher vor allem die finanzielle Absicherung der bereits vorhandenen Fachstellen, die sich mit dem Thema seit Jahrzehnten auseinandersetzen und anhaltend um ihre Existenz kämpfen müssen, aber ebenso dringlich bedarf es auch weiterhin des gesellschaftlichen Umdenkens. Solange Männerberatungsstellen die Ausnahme bleiben und als Anlaufstellen für die Kostenverursacher eher nicht in Betracht gezogen werden, so lange wird sich der Kostenaufwand um ein Vielfaches erhöhen.

Laut Kriminalstatistik 2019 bezahlten 111 Frauen den höchsten Preis als Folge von häuslicher Gewalt – es kostete sie ihr Leben!   

Marion Claaßen ist Sozialarbeiterin bei der Frauenberatungsstelle Impuls in Goch. FOTO: IMPULS