Frauen-Kolumne: Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz – was tun?

Frauen-Kolumne : Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz – was tun?

13 Prozent aller berufstätigen Frauen haben schon einmal sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erlebt. Hildegard Wolff von der Beratungsstelle Impuls in Goch gibt Tipps, wie man sich wehren kann.

Pia beginnt eine Ausbildung zur Bürokauffrau in einem großen Unternehmen. Schon nach kurzer Zeit machen einige Kollegen und auch ihr Vorgesetzter dumme Sprüche. Das verunsichert Pia; sie weiß nicht, wie sie damit umgehen soll. Sie ist schüchtern und es fällt ihr schwer, sich zu wehren und die Sprüche zu unterbinden. Als sie an einem Sommertag im kurzen Rock ins Büro kommt, macht ihr Chef anzügliche Bemerkungen. Er starrt auf ihre Beine und den Ausschnitt ihres T-Shirts. Wenige Tage später greift er ihr in der Kaffeeküche an den Busen. Pia ist geschockt und kann nicht reagieren. Die Kollegen, die in der Nähe stehen, schauen weg. Weil Pia eine schlechte Beurteilung fürchtet, sagt sie nichts und wehrt sich nicht. Der Vorgesetzte bedrängt sie weiterhin mit sexualisierten Fragen und körperlichen Annäherungen. Pia bricht ihre Ausbildung ab.

Eine neue Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zeigt, dass 13 Prozent der berufs­tätigen Frauen in den vergangenen drei Jahren sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erlebt haben. Meist handelt es sich nicht um einmalige Vorfälle, sondern um regelmäßige sexuelle Attacken. Auszubildende sind aufgrund ihrer niedrigen Stellung überdurchschnittlich häufig betroffen, weil sie jung und in einer beruflichen Position sind, in der sie bei Gegenwehr negative Konsequenzen befürchten müssen.

Sexuelle Belästigung ist eine massive Grenzverletzung, mit der die körperliche und persönliche Unversehrtheit einer Person angegriffen wird. Die Folgen sind vielfältig und individuell verschieden. Sie können sich massiv auf der beruflichen, privaten und gesundheitlichen Ebene auswirken. Wenn die berufliche Entwicklung abgebrochen wird, sind die Auswirkungen besonders weitreichend für den Lebensweg. Sexuelle Belästigung ist entwürdigend, verletzend und bedrohlich. Aufgrund des Überraschungsmomentes sind viele Frauen zu perplex oder schockiert, um direkt reagieren zu können. Bis sie sich gefangen haben, ist der Moment vorbei. Aktive Gegenmaßnahmen werden aus Scham und aus Angst vor negativen Folgen wie Anfeindungen und Abwertungen unterlassen. Manche Betroffene sind durch das Erlebte so verunsichert oder beschämt, dass sie sich lange niemanden anvertrauen. Oftmals versuchen sie das unerwünschte Verhalten und die Annäherungsversuche zu ignorieren und der belästigenden Person aus dem Weg zu gehen. Gerade diese Verhaltensweisen ermutigen die Täter, ihr Handeln fortzusetzen.

Was können Sie tun, wenn Sie sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erfahren? In der Übergriffsituation ist es oftmals schwer, sofort zu reagieren. Sie können dem Täter später deutlich machen, dass sie sich ein derartiges Verhalten verbitten. Dies können Sie der Person auch in einem Brief schreiben. Suchen Sie sich Verbündete und führen Sie gemeinsam ein Gespräch mit dem Täter. Beschweren Sie sich bei einer Person ihres Vertrauens im Unternehmen. Arbeitgeber sind verpflichtet, ihre Beschäftigten vor sexuellen Übergriffen zu schützen. Holen Sie sich rechtliche Unterstützung. Reden Sie darüber mit Freundinnen und ihrer Familie. Suchen Sie professionelle Hilfe in einer Beratungsstelle. Die Frauenberatungsstelle Impuls unterstützt Frauen und Mädchen, die von Sexualisierte Gewalt betroffen sind. Viele sexualisierte Übergriffe können unabhängig von arbeitsrechtlichen Schritten strafrechtlich verfolgt werden. Machen Sie eine Anzeige bei der Polizei!

Hildegard Wolff ist Sozialwissenschaftlerin und Trauma-Beraterin und arbeitet bei der Frauenberatungsstelle Impuls in Goch.

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