Familienzentrum in Weeze : Das Geschwisterdiplom

In Weeze können Kinder, die große Brüder oder Schwestern werden, ihr „Geschwisterdiplom“ machen. Eine Hebamme gibt den Kindern Tipps für den Umgang mit Babys und Verständnis mit auf den Weg.

„Ihr müsst ganz vorsichtig sein“, betont Carina Maassen, während sie der Baby-Puppe behutsam den Bauch massiert. Sechs Kinder machen es ihr an Kuscheltieren nach. Gemeinsam sitzen sie auf kleinen Stühlen an einem kleinen Tisch, der dafür aber ziemlich voll ist. Milchtüten, Fläschchen, Windeln und Feuchttücher liegen verstreut vor den Kindern. Alles Utensilien, die die Kinder an diesem Nachmittag benutzt haben, und wenn möglich auch noch in der nahen Zukunft benutzen sollen.

An diesem Mittwoch erhalten nämlich sechs stolze Kinder ihr Geschwisterdiplom. Damit sollen sie gut ausgerüstet sein für die Geschwister, die in Kürze auf sie warten oder teilweise auch schon da sind. „Die Kinder sollen hier lernen, wie sie ihre Eltern zu Hause unterstützen können“, erzählt Birgit Weinschenk-Völlings vom Franziskus-Kindergarten in Weeze. Dort im Familienzentrum findet die Veranstaltung statt.

Hauptverantwortliche ist die Hebamme Carina Maassen von der Hebammenpraxis „Lebensraum“. Mit dem Franziskus-Kindergarten arbeitet die Praxis schon länger zusammen, eine Aktion, die aus der Kooperation entsprang, ist das Geschwisterdiplom. Die meisten Kinder und Eltern am Mittwoch kannten Carina Maassen daher auch schon. Sechs Kinder waren es insgesamt, viel höher sollte die Teilnehmerzahl auch nicht werden. „Bei mehr als sechs, die mitmachen, erreichen wir die Kinder nicht mehr so“, erläutert Birgit Weinschenk-Völlings den Grund.

Denn schon mit sechs Kindern haben Maassen und Weinschenk-Völlings einiges zu tun. „Das ist heute eine sehr quirlige Gruppe“, berichtet die Erzieherin. Dennoch gelingt es Maassen, den zukünftigen großen Brüdern und Schwestern etwas beizubringen. „Wie könnt ihr denn Mama und Papa zu Hause unterstützen?“, fragt die Hebamme in die Runde. Die Antwort gibt sie kurze Zeit später, nämlich in Form von Wickeln.

In kleinen Schritten erklärt Maassen den Vorgang, während sie selber exemplarisch an der Babypuppe hantiert. Die Kinder üben an ihren Kuscheltieren. Löwen und Hasen werden mit Pampers eingewickelt. „Zum eigenen Kuscheltier haben die Kinder eine besondere Bindung, das macht es einfacher“, erzählt Carina Maassen später. Aber auch die Babypuppe kommt wohl bei den Kindern ganz gut an, zumindest besteht Nico später darauf, diese an einen eigenen Stuhl mit an den Tisch zu setzen.

Insgesamt bleiben die Teilnehmer aber lieber bei ihren Kuscheltieren, wenn geübt wird. So zum Beispiel beim Stillen mit den kleinen Flaschen. Milch ist zwar keine drin, aber wie Maassen auf Nachfrage der Kinder betont, könnten sie sich diese ja mit ihrer blühenden Fantasie vorstellen. „Alexander, versuch mal den Kopf nicht ganz so tief zu halten, sonst verschluckt sich das Baby“, gibt die Hebamme den Kindern Tipps. Auch Situationen wie dem Baby beim Bäuerchen oder bei Bauchschmerzen zu helfen, werden geübt.

Besonders Spaß macht den jungen Absolventen die Nachstellung der Schwangerschaft. Mit einem an den Bauch gespannten Luftballon soll die Lage der Mutter nachgestellt werden. Neben dem Spaß kann dies den Kindern auch ein bisschen Verständnis für die Mütter vermitteln. „Das ist anstrengend, oder?“, fragt auch Maassen die Kinder, als sie versuchen, sich mit dem dicken Luftballon hinzusetzen.

Allgemein soll der Nutzen vom Geschwisterdiplom noch weit über das rein Praktische hinausgehen. So sprach Maassen mit den Kindern auch über die Zeit, in der die Eltern ins Krankenhaus müssen. „Wir möchten helfen, dass die Kinder sich nicht ausgegrenzt fühlen. Wir machen dann auch klar, dass sie Mama und Papa natürlich besuchen können“, so Maassen. Und auch eine andere Sache kann mit dem Geschwisterdiplom erreicht werden. „Ziel des Ganzen ist auch bei den Kindern Vorfreude für die Geschwister zu entwickeln“, sagt Weinschenk-Völlings. Manche freuen sich von Anfang an über jüngere Spielkameraden, andere Kinder sind jedoch nicht immer direkt vom Familienzuwachs begeistert. „Wir möchten, dass die Kinder nicht das Gefühl haben in den Hintergrund zu treten mit dem neuen Baby“, so Weinschenk-Völlings.

Aber nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern bekamen noch mal Infos, als sie später hinzukamen. Mitnehmen konnten beide schließlich das Geschwisterdiplom, eine Urkunde, die die Kinder unter Applaus, mit einem Fingerabdruck unterschrieben. Außerdem gab es einen Anstecker, entweder mit „Großer Bruder“ oder „Große Schwester“ betitelt. Neben diesen materiellen Dingen durften die Kinder aber auch Stolz, praktisches Wissen und Verständnis mit nach Hause nehmen.

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