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Ewald Hülk vom Berufskolleg Liebfrauenschule kritisiert den Alleingang von NRW

Kolumne „Aus dem Klassenraum“ : Sonderweg NRW

Lehrer Ewald Hülk vom Berufskolleg Liebfrauenschule kritisiert den Alleingang beim Thema Schule in Nordrhein-Westfalen.

Bravo! Da hat die Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten gut entschieden: Erst am 4. Mai soll „schrittweise“ wieder mit Unterricht an Schulen begonnen werden. Aber was macht NRW? Als einziges Bundesland bestellt man hier schon in dieser Woche alle Schüler mit Abschlussprüfungen zum Unterricht ein – freiwillig, wie dann am späten Donnerstag durchsickerte. Wer verzichtet aber schon gerne freiwillig auf Wiederholungsstunden mit prüfungsrelevantem Stoff?

Für ein Berufskolleg mit der großen Anzahl von Prüfungsklassen bedeutet das konkret: Trotz gültiger Kontaktsperre machen sich am Donnerstag Hunderte von Schülern vielfach mit Bus und Bahn auf den Schulweg, drücken im Schulgebäude viele Türklinken, nutzen Gemeinschaftstoiletten, werden auf engen Fluren dem anderen auch mal sehr nahe sein.

Und warum? Während die Welt Kopf steht, meint die Politik, man müsse Abschlussprüfungen durchpauken, obwohl die Schüler zuvor innerhalb von zwei Jahren auch schon „ihre“ Leistung erbracht haben, die eine ehrliche Basis für den Notendurchschnitt ist.

Klar, zum Abi gehören eigentlich Prüfungen! Aber jeder Schüler, der mit der bisher erzielten Punktzahl nicht zufrieden ist, könnte sich, wie bisher schon üblich, freiwillig für Prüfungen melden, um den Notendurchschnitt zu verbessern.

Die Schulminister hatten sich doch versprochen, komme, was wolle, das Abitur bundesweit anzuerkennen – wahrlich ein starkes Signal für einen föderalen Staat! Vorteil beim Verzicht auf Prüfungen: Ab dem 4. Mai wären in NRW alle Lehrer frei, um in Nicht-Prüfungsklassen intensiv das zu vertiefen, was in der unterrichtsfreien Zeit via E-Learning bei Schülern angekommen sein sollte.

Bei der nun durchzuführenden Praxis ist zu hoffen, dass unter den Schülern niemand infiziert ist und andere ansteckt. Denn das wäre das „Aus“ für die reguläre Teilnahme an den Prüfungen. In diesem Sinne auch von mir den schon tausendfach gehörten Wunsch: Schüler und Lehrer, bleibt gesund!

Ewald Hülk ist Studiendirektor am Berufskolleg Liebfrauenschule in Geldern und schreibt über das Leben als Lehrer. Foto: Hülk