Ersti-Kolumne: Start ins Studium mit Polizei und Bolzenschneider

Ersti-Kolumne : Start mit Polizei und Bolzenschneider

Umzug und Studienstart können auch Probleme mit sich bringen – das hat auch unsere Autorin erlebt.

Was wurde Ihnen denn gestohlen? Das fragt mich die Polizistin vor mir. Verzweifelt gucke ich sie an: „Mein Jutebeutel mit zwei Lamas im Schlafanzug drauf.“ Darin war nicht nur mein Portmonee, sondern auch alles, was für eine frisch gebackene Studentin so wichtig ist – Haustürschlüssel, Versichertenkarte, Studierendenausweis.

„Die Bank- und Kreditkarte habe ich schon sperren lassen“, erkläre ich der Polizistin. „Dann geben Sie mir mal Ihren Personalausweis. Am Hofgarten, da müssen Sie wirklich aufpassen. Dort ist die höchste Kriminalitätsrate in ganz Bonn.“ Genervt gucke ich sie an – eben das habe ich doch am Abend zuvor am eigenen Leib erfahren. Und an meinem Personalausweis erfreut sich in eben diesem Moment irgendein Gesetzesbrecher. Nach und nach finde ich mich damit ab, dass ich meinen geliebten Beutel höchstwahrscheinlich nie wiedersehen werde – ein toller Start ins Studium.

Also folgt die nächste Aufgabe: Mein eigenes Fahrrad knacken, das durch den Verlust meiner Fahrradschlüssel noch alleine in der Innenstadt steht. Zum Glück ist der Fahrradhändler im Laden „Klingeling“ so nett, mir und vier meiner Kommilitonen seinen Bolzenschneider auszuleihen. Mit vereinten Kräften schneiden wir gerade das Schloss durch, als uns ein kleiner Junge mit großen Augen anguckt: „Papa, was machen die da?“. Schnell schieben wir das Fahrrad prustend zurück zum Fahrradladen. Sein eigenes Fahrrad knacken – das ist nichts, was man jeden Tag macht.

Am Abend habe ich mich mit der Situation mehr oder weniger abgefunden und mache eine Liste, was ich noch erledigen muss: Neues Fahrradschloss kaufen, Haustürschlüssel nachmachen lassen, Studierendenausweis sowie Personalausweis neu beantragen und für den Führerschein zur Straßenverkehrsbehörde nach Geldern fahren. Dass meine erste Woche Studium so endet, hätte ich nicht gedacht. Da klingelt das Telefon: „Ich muss Ihnen mitteilen, dass ihre Geldbörse wiederaufgefunden wurde“. Glücklich grinse ich in den Hörer.

Jana Rogmann, 18 Jahre alt, kommt aus Kevelaer und studiert im ersten Semester Komparatistik und englische Literatur in Bonn.
FOTO: ROGMANN

Mehr von RP ONLINE