Die Studierenden-Kolumne Studieren wie in Hogwarts

Cork · Jana Rogman macht aktuell ihr Auslandssemester im irischen Cork. Das College erinnert sie an die Harry Potter-Romane. Doch so zauberhaft wie dort ist es nicht immer.

Jana Rogmann, 21 Jahre alt, kommt aus Kevelaer und studiert im siebten Semester Komparatistik und englische Literatur in Bonn. Zurzeit hat sie ein Erasmus-Auslandssemester am University College Cork in Irland eingelegt. An dieser Stelle berichtet sie alle paar Wochen von ihrem Leben als Studentin.

Jana Rogmann, 21 Jahre alt, kommt aus Kevelaer und studiert im siebten Semester Komparatistik und englische Literatur in Bonn. Zurzeit hat sie ein Erasmus-Auslandssemester am University College Cork in Irland eingelegt. An dieser Stelle berichtet sie alle paar Wochen von ihrem Leben als Studentin.

Foto: Jana Rogmann

Die Studierenden laufen durch den strömenden Regen zu ihrer Vorlesung. Hinter den verschwommenen Punkten ist ein graues, neogotisches Gebäude aus Stein zu sehen, das mit roten Blättern umrankt ist und an Hogwarts erinnert. Seit zwei Monaten gehe ich hier zur Uni, eigne mir einen irischen Akzent an und besuche Vorlesungen zur irischen Literatur.  

Das University College Cork unterscheidet sich in vielen Dingen von meiner Universität in Bonn. So sind zum Beispiel die Vorlesungen nur 45 Minuten lang und statt Klausuren am Ende, müssen wir in meinem Studiengang während des Semesters Essays schreiben. Dazu gibt es viele verschiedene Societys und Clubs, wo man sich anschließen kann. Dort ist von „Bienen“ über „Rudern“ bis zu „Alzheimer“ und „Simpsons“ alles dabei. Also gehe ich seit September regelmäßig klettern, wandern, tanzen und spiele Theater. Was von der Campusromantik oft überdeckt wird: Irland ist teuer. Die grüne Insel liegt tatsächlich auf Platz drei der teuersten Länder der Europäischen Union – nach Dänemark und Norwegen. Laut Eurostat lag der Verbraucherpreis in Irland 2021 etwa 40 Prozent höher als im Durchschnitt der Europäischen Union. Das macht sich an vielen Stellen bemerkbar: Beim Einkaufen, beim Essen gehen, bei Übernachtungen im Hostel.

Die Studierenden merken diese Entwicklung vor allem beim Wohnen. Als der Koordinator meiner Gastuniversität in seiner ersten E-Mail betonte, dass die Mieten bei 800 bis 1000 Euro monatlich liegen, dachte ich, das sei ein schlechter Scherz. Es folgte eine stundenlange Wohnungssuche, unzählige Absagen und unbeantwortete Nachrichten. Kurz vor knapp habe ich einen Vertrag unterzeichnet, in dem die Miete wöchentlich ungefähr so hoch ist wie meine Monatsmiete in Bonn. Dafür gibt es weder Töpfe noch Pfannen, die Waschmaschine kostet extra und im 13-Quadratmeter-Zimmer gibt es keinen Mülleimer. Immerhin gibt es kostenlose Energy Drinks an der Rezeption.

Viele meiner irischen Freund*innen haben nach der Schule ein Jahr gearbeitet, um ihr Studium zu finanzieren oder wohnen noch zuhause. Dieser Trend ist nicht so weit entfernt von der Entwicklung in Deutschland. Der MLP Studentenwohnreport 2022 zeigt, dass WG-Zimmer in München bereits bei 545 Euro im Durchschnitt liegen. Dazu kommen steigende Heiz- und Energiekosten. Ist ein Blick nach Irland der Blick in unsere Zukunft? Ich hoffe nicht und gucke mein Guinness für 4,90 Euro an, das Studierende hier in der Kneipe auf dem Campus bekommen. Das herbe Bier schmeckt zwischen Lichterketten und Live-Musik viel besser als im Bonner „irischen Pub“. Ein Mitglied der Drama-Society setzt sich dazu und fragt: „What’s the craic?“, was so viel heißt wie „Was geht?“. Ich antworte mit einem Wort, das „gut, schlecht oder neutral“ heißen kann: „Oh, everything is grand.“

Jana Rogmann, 21 Jahre alt, kommt aus Kevelaer und studiert im siebten Semester Komparatistik und englische Literatur in Bonn. Zurzeit hat sie ein Erasmus-Auslandssemester am University College Cork in Irland eingelegt. An dieser Stelle berichtet sie alle paar Wochen von ihrem Leben als Studentin. Foto: Rogmann

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