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Ein Lob der Frauenberatungsstelle Impuls für die Zusammenarbeit im Kreis Kleve

Die Frauen-Kolumne : Ein Herz für Netzwerkarbeit

Wenn alle Stellen kooperativ, wertschätzend und wohlwollend zusammenarbeiten, findet sich auch ein Weg raus aus einem System, das von Gewalt geprägt ist.

Wenn verschiedene Institutionen und Behörden voneinander wissen, sich in wertschätzender Weise begegnen, fachlich ergänzen und zusammentun, dann kann aus einem Hilfebedarf ein wunderbares, bedürfnis- und zielorientiertes Ergebnis entstehen. Wie das gehen kann, würde ich gerne an einem aktuellen Beispiel beschreiben.

Den Faden nahm eine sehr aufmerksame Mitarbeiterin eines Jobcenters auf, die im dienstlichen Kontakt zu einer jungen Frau ihrem Bauchgefühl folgte, gut dokumentierte, die richtigen Fragen stellte und weitere Maßnahmen veranlasste. So wurde im ersten Schritt das Berufsbildungszentrum und im zweiten die Frauenberatungsstelle Impuls ins Boot geholt. Gemeinsam erfassten wir die persönliche Lebenssituation der Frau und halfen ihr bei der Perspektiventwicklung und Umsetzung konkreter Schritte – raus aus einem System von Gewalt.

Die „konkreten Schritte“ lösten eine ominöse Vermisstenanzeige bei der Polizei aus. Der zuständige Sachbearbeiter nahm daraufhin ebenfalls Kontakt zu Impuls auf, erhielt wichtige Hintergrundinformationen und initiierte umgehend notwendige polizeiliche Maßnahmen zum Schutz der jungen Frau. Die Zusammenarbeit mit der Polizei läuft seit vielen Jahren vertrauensvoll und Hand in Hand, insbesondere im Rahmen der Interventionsarbeit in Fällen häuslicher Gewalt. Die städtische Behörde unterstützte ebenfalls bei der Umsetzung weiterer Schutzmaßnahmen und Sicherung der finanziellen Versorgung.

  • Frauen, die von Gewalt betroffen sind,
    Kreis Kleve : Einsatz gegen die Gewalt an Frauen
  • Die Wülfrather Gleichstellungsbeauftragte Franca Calvano (Mitte)
    Wülfrath : Brötchentüten-Aktion gegen Gewalt an Frauen
  • Eine Frau sitzt in einem Frauenhaus
    Bundesweit 146.655 Fälle registriert : Gewalt in der Partnerschaft nimmt in Deutschland zu

Es folgte die Einbindung einer Rechtsanwältin, die mit ihrem Team fortan die rechtlichen Themen in den Blick nahm und das Netzwerk auf dem Laufenden hielt. Die Gleichstellungsbeauftragte unterstützte, indem sie behördliche Kontakte herstellte, und eine Mitarbeiterin der Ausländerbehörde wurde kontaktiert. Auch dringende ärztliche Hilfe wurde kurzfristig und diskret durch zwei ortsansässige Ärztinnen ermöglicht.

Über einen Zeitraum von inzwischen 18 Monaten arbeiten viele verschiedene Institutionen gemeinsam und vertrauensvoll an einer Lösung für ein gewaltfreies Leben einer jungen Frau. Dies erforderte, insbesondere von der jungen Frau selbst, viel Mut und die Fähigkeit, aus- und durchzuhalten – keine leichte Aufgabe. Nun ist ein bisschen Aufatmen möglich, erste juristische Entscheidungen sind geklärt. Der Umzug in eine unterstützende Wohnform in einer anderen Stadt ist geschafft, und eine berufliche Perspektive wurde in den Blick genommen. Ich sage mal vorsichtig: „Die ersten Schritte in einen neuen Lebensabschnitt sind getan.“

Mit diesem praktischen Beispiel möchte ich Werbung für Netzwerkarbeit machen. Von Gewalt betroffene Frauen profitieren gleichermaßen von einer guten Zusammenarbeit wie das kollegiale Netzwerk selbst. Wenn wir kooperativ, wertschätzend und wohlwollend zusammenarbeiten, gewinnen wir Netzwerkpartnerinnen und -partner mit vielfältigen Kompetenzen, Fähigkeiten und Möglichkeiten.

Ich möchte mich an dieser Stelle herzlich bei allen Mitwirkenden aus dem Netzwerk für ein gewaltfreies Zuhause für die großartige Zusammenarbeit bedanken.

Maren Haukes-Kammann ist Sozialwissenschaftlerin und arbeitet bei der Frauenberatungsstelle IMPULS im Kreis Kleve. Foto: Haukes-Kammann