Frauen-Kolumne: Ein Lob auf die Rabenmütter

Frauen-Kolumne : Ein Lob auf die Rabenmütter

Was eine Mutter alles unter einen Hut bringen soll, ist schon eine Menge. Sich um die Kinder kümmern, damit sie nicht verhungern oder aus der Form geraten. Sie sollen auch was lernen, vom Brabbeln bis zum Abitur, mit all den Terminen, von der Frühförderung bis zum Fußballtraining.

Und natürlich sollen aus dem Nachwuchs soziale Wesen und keine Monster werden. Daneben muss sie noch den Lebensunterhalt verdienen, weil alleinerziehend, oder was dazu verdienen, weil es sonst nicht reicht.

Das ist ein Problem. Mehr als zu 100 Prozent da sein, geht nicht. Perfekt geht leider auch nicht. Cool bleiben meistens auch nicht. Den Überblick behalten, naja. Der Tag hat nur 24 Stunden. Wir haben also ein strukturelles Problem. Die Folge davon sind Rabenmütter und auch mal Rabenväter. Sie versuchen alles zu schaffen, sind dann gestresst, überlastet und haben auch noch ein schlechtes Gewissen.

Das andere Problem ist aber fehlende Anerkennung und Respekt. Man kann sogar den Eindruck haben, dass die Frauen umso weniger von Beidem bekommen, je nötiger sie es bräuchten. Da wo finanzielle, materielle, emotionale, gesundheitliche und psychische Stärke nicht im vollen Umfang zur Verfügung stehen, wird dies fast wie ein Vorwurf gegen die Frauen behandelt. Die Not der Menschen stresst oder überfordert offenbar viele Helfer. Die Folge: Willkür, Härte, Überschreitung der Kompetenzen. Es fängt beim unprofessionellen „Du“ auf Ämtern an und endet nicht selten bei der Drohung, die Kinder wegzunehmen, Abwertungen oder Belehrungen von oben herab.

Wie sinnvoll das für die Familien ist, liegt auf der Hand. Was wir erleben, sind Frauen, die alles tun, was ihnen möglich ist. Mag sein, dass es nicht ganz das ist, was erwartet wird. Aber mehr als das Beste kann niemand tun. Diese Frauen brauchen mehr Unterstützung, Hilfestellung, Respekt und Anerkennung. Vielleicht wäre auch ein wenig mehr Humor, „Fünfe gerade sein lassen“, unter die Arme greifen möglich. Verdient hätten sie es allemal, die wunderbaren Rabenmütter, die ihr Bestes geben für ihre kleinen Raben.

Maria Peeters ist Pädagogin und Familientherapeutin bei der Frauenberatungsstelle Impuls in Goch. FOTO: Impuls