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Die Studierenden-Kolumne: Ein großer Sommerkuchen

Die Studierenden-Kolumne : Ein großer Sommerkuchen

Nach acht Monaten Lockdown muss sich unsere Autorin erst mal wieder an die Corona-Realität gewöhnen und fragt sich, wie es weitergehen soll.

Nichts beschreibt diesen Sommer besser als eine Stelle aus Ronja Räubertochter. „Ich sauge den Sommer in mich rein wie die Wildbienen den Honig“, sagt Ronja nämlich zu Birk Borkasohn. „Ich sammele mir einen großen Sommerkuchen zusammen und von dem werde ich leben, wenn… wenn nicht mehr Sommer ist.“ Dieses Zitat von Astrid Lindgren begleitete die letzten Monate, während die Stimmung irgendwo zwischen „Endlich hat alles wieder auf“ und „Oh nein! Bald macht bestimmt alles wieder zu“ lag.

Die meisten waren sich einig – alles mitnehmen, solange es noch geht, und einen großen Sommerkuchen backen. Dementsprechend habe ich versucht, Eis essend in einem Museum zu tanzen, bevor ich mit meinen Freund*innen in einer Kneipe Pizza essen gehe. In Realität musste ich feststellen, dass um halb eins die soziale Batterie der meisten aufgebraucht war und ich nach zwei Abenden mit Menschen unbedingt Zeit für mich brauchte. Leise gestanden wir uns ein: Wir sind die ‚Normalität‘ nach acht Monaten Lockdown nicht mehr gewohnt. Da war es auch nicht hilfreich, dass die Klausurenphase anrückte und alle vor dem Konzert den gesamten Tag lernen mussten.

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Nur langsam wurde es wieder zur Gewohnheit, dass Vorstandstreffen vom Campusradio – mit Test – präsent stattfinden und Hofgartenabende mit mehr als zehn Leuten nicht mehr illegal sind. Nach und nach wurden die Menschenmengen größer und Wiedersehensfreude vermischte sich mit Impfeuphorie. Jetzt betätige ich mich zwischen Hausarbeiten und Arbeiten fleißig in Italien als Sommerkuchenbäckerin. Gleichzeitig hängen die dunklen Wolken der steigenden Inzidenzzahlen über dem Urlaub, und wir entscheiden uns schweren Herzens gegen die erste Nacht in einem Club seit anderthalb Jahren.

Dabei frage ich mich immer wieder, ob ein einziger Sommer so viele Erwartungen abfangen kann und ob die Politik nicht nur Sommerkuchen, sondern auch konkrete Pläne für den Winter gebacken hat. Das wird sich zeigen – bis dahin ist auf jeden Fall noch Zeit, die Freiheiten zu genießen. Oder wie Birk versichert: „Es ist [noch] Sommer Ronja, ein nasser Sommer, aber Sommer…“

Jana Rogmann, 20 Jahre alt, kommt aus Kevelaer und studiert im vierten Semester Komparatistik und englische Literatur in Bonn. An dieser Stelle berichtet sie alle paar Wochen von ihrem Leben als Studentin. Foto: Rogmann