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Die Studierenden-Kolumne über Krieg und Karneval

Die Studierenden-Kolumne : Karneval statt Krieg

Der gemeinsame Rausch ist keine ausgelassene Party, sondern eine kollektive Ablenkung von den Nachrichten der letzten Wochen, meint unsere Autorin. Trotzdem fühlt sie sich mies.

Karneval feiern ist angesichts der aktuellen Lage schon bedenklich, aber ich nutze dann mal die Lücke zwischen Corona und dem 3. Weltkrieg“, schreibe ich meiner Mama und stürze mich in die Kölner Kneipen. Aber so richtig gut fühlt es sich nicht an, zu Fastelovend zu tanzen, während zwei Länder weiter Menschen sterben. Der gemeinsame Rausch ist keine ausgelassene Party, sondern eine kollektive Ablenkung von den Nachrichten der letzten Wochen. Jede Aktualisierung des Tagesschau-Liveblogs bringt weitere schlechte Schlagzeilen.

Es liegt eine nicht greifbare Anspannung aus Angst und Ungewissheit in der Luft, die sich vermischt mit einem leisen Gemurmel von „Coronakrise, Klimakrise, Krieg. Hört das denn gar nicht mehr auf?“. Ich merke, wie ich abstumpfe gegenüber den ganzen K-Wörtern, und fühle mich schlecht. Also versuche ich als Ausgleich, alle noch so kleinen Informationsstückchen über die Ukraine zu inhalieren und höre täglich fünf verschiedene Nachrichtenpodcasts. Gleichzeitig lösche ich Instagram, weil ich jedes Mal fast weinen muss, wenn ich die Bilder aus Kiew sehe.

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Wie können wir jetzt beim Uniradio über die neueste Musik des Monats reden? „Und sollte man sich schämen, wenn man zwischendurch fröhlich ist?“, bringt die Autorin und Moderatorin Sophie Passmann eine meiner Gedankenspiralen auf den Punkt. Aber die vielen Paradoxe und Fragezeichen in meinem Kopf sind so groß, dass ich sie lieber beiseiteschiebe als drüber nachzudenken. Stattdessen verfolge ich die Friedensdemo am Rosenmontag und bedaure, dass ich nicht da sein kann. Demoschilder statt Kölsch. Leben statt Tod. Irgendwie auch Karneval statt Krieg.

Die Viertelmillion Demonstrierenden singen Brings‘ „Liebe gewinnt“, und ich kriege Gänsehaut: „Wir werden frei sein. Wenn wir uns lieben. Es wird vorbei sein. Mit all den Kriegen.“

Jana Rogmann, 21 Jahre alt, kommt aus Kevelaer und studiert im fünften Semester Komparatistik und englische Literatur in Bonn. An dieser Stelle berichtet sie alle paar Wochen von ihrem Leben als Studentin.
Foto: Rogmann